Wissenschaft
15. Juni 2020 6:00  Uhr

13 neue Professuren für die KI-Forschung in Ostbayern

Auch Ostbayern wird dank der Hightech Agenda Bayern zur KI-Forschung einen wichtigen Beitrag leisten. In Landshut, Passau, Deggendorf und Regensburg entstehen jetzt 13 neue Professuren.

Mensch und Maschine als ziemlich beste Freunde: Mit 13 neuen Professuren zur KI-Forschung, die das bayerische Wissenschaftsministerium an Universitäten und Hochschulen in Ostbayern vergeben hat, sollen die Möglichkeiten, aber auch die Risiken dieser vielversprechenden Technologie weiter ausgelotet werden. | Foto: Axel Heimken/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Von Jonathan Ederer

OSTBAYERN. Nachdem der bayerische Ministerpräsident Markus Söder im Oktober 2019 den Forschungsbereich „Künstliche Intelligenz“ (KI) in den Mittelpunkt seiner Hightech Agenda Bayern stellte, werden insgesamt 100 Professuren zu dieser Thematik aus der Taufe gehoben. 50 entstehen zur gezielten Stärkung des KI-Zentrums in München und den Knotenpunkten in Würzburg, Erlangen-Nürnberg und Ingolstadt, die andere Hälfte wurde im Rahmen eines KI-Wettbewerbs vergeben – 13 davon an Standorte in Ostbayern. Diese haben sich zur Verbundkooperation KI Campus Ostbayern zusammengeschlossen.

Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) Landshut

An der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) in Landshut ist die Forschung mit KI nichts Neues. Sie hat bereits einen hohen Stellenwert in Energieforschung, Basistechnologie und im Bereich Statistik in der Betriebswirtschaft. Diese zukunftsweisende Arbeit der Hochschule wird nun um die Professur „Diagnose von KI-Methoden für hochautomatisiertes Fahren“ erweitert. Mit Blick in die nahe Zukunft wird dieser Punkt dominant sein: Die Automobilindustrie setzt auf die Entwicklung von hochautomatisiertem und vollautonomem Fahren. Die Professur in Landshut knüpft dort an und erforscht Mechanismen, die im bereits laufenden Betrieb eingreifen und Fehler beheben können.

Universität Passau

An der Universität Passau widmen sich Forscher mit dem interdisziplinären Schwerpunkt „KI und Nachhaltigkeit“, so Wissenschaftsminister Bernd Sibler, „zukunftsweisenden Fragestellungen“. Am Standort der Dreiflüssestadt ist die Integration in bereits etablierte Fakultäten besonders gut geglückt. So wird sich eine der drei neuen Professuren auf die „Künstliche Intelligenz im Strafrecht“ konzentrieren. Hier geht es auch um ethische Fragen wie die Grenzen von Normensystemen zur KI. Die Professur „Nachvollziehbare KI-basierte betriebliche Informationssysteme“ wird Theorien und Methoden erforschen, um herauszufinden, wie ökonomisch sinnvoll es ist, KI-basierte Dienste nachvollziehbar zu gestalten. Die dritte Professur behandelt das „AI Engineering“. AI bedeutet Artificial Intelligence, englisch für „künstliche Intelligenz“ – der Forschungsschwerpunkt liegt hierbei an der Schnittstelle zwischen Software Engineering und KI.

Technische Hochschule Deggendorf (THD)

Die Technische Hochschule Deggendorf (THD) bietet bereits jetzt einen eigenen Bachelor-Studiengang zur künstlichen Intelligenz an. Dass sie – als vergleichsweise kleine Hochschule – nun auch noch im Wettbewerb um weitere KI-Professuren so erfolgreich war, kommt laut Prof. Dr. Andreas Grzemba nicht von ungefähr: „Man traut uns einiges zu im Ministerium“, sagt der Hochschul-Präsident. Die neu eingerichtete Professur „Sensorbasierte KI-Systeme in der Pflege“ wird sich intensiv damit beschäftigen, mithilfe künstlicher Intelligenz Daten in konkrete Handlungsvorschläge für Pflegepersonal und Pflegebedürftige zu übersetzen. Ein weiterer Schwerpunkt ist „Big Geospatial Data“. Dort soll künstliche Intelligenz im ländlichen Raum angewandt werden, um das Leben dort effizienter sowie technologisch und sozial inklusiver zu gestalten. Die dritte Professur „Künstliche Intelligenz für Cybersicherheit“ hat das Ziel, die Sicherheit von IT-Systemen durch KI zu verbessern.

Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Regensburg

Der eindeutige Gewinner des KI-Wettbewerbs ist in Ostbayern jedoch Regensburg: Sechs der 13 neu bewilligten Professuren gehen in die Domstadt. Drei davon werden an der OTH entstehen. Durch den neu initiierten „Regensburg Center of Artificial Science“ (RCAI) soll die breit angelegte Forschung für KI an der OTH gebündelt und ausgebaut werden. „Mit dem RCAI wird die KI ein über all unsere Disziplinen hinweg etablierter Schwerpunkt werden“, erklärt der Präsident der OTH Prof. Dr. Wolfgang Baier. „Technikfolgenabschätzung für KI-gestützte Mobilität“ ist einer dieser neuen Schwerpunkte. Gemeinsam mit der Professur für „Künstliche Intelligenz für Infrastruktur und Stadtentwicklung“ ist die Forschung am autonomen Fahren Teil des Verbundantrags „KI-Knoten Mobilität“, an dem auch die TH Ingolstadt beteiligt ist. Eine weitere Professur wird den Arbeitsschwerpunkt „Edge AI & Kooperative Systeme“ setzen. Sie wird an der Fakultät für angewandte Natur- und Kulturwissenschaften eingerichtet.

Universität Regensburg

Die drei anderen Professuren werden an der Universität entstehen. „Die zusätzlichen KI-Professuren sind ein wesentlicher Baustein für die Zukunftsfähigkeit und innovative Vernetzung der Universität Regensburg“, würdigt deren Präsident Prof. Dr. Udo Hebel diese Entscheidung. Die neue Professur „Computational Immunology“ steht dabei im Zusammenhang mit dem Gesundheitsknotenpunkt in Erlangen. Die beiden anderen Professuren „KI in der IT-Sicherheit“ und „Maschinelles Lernen, insbesondere Uncertainty Qantification“ sind an den bayernweiten KI-Knotenpunkt in Data Science in Würzburg gekoppelt. Die gewählten Forschungsschwerpunkte sind hochaktuell und praxisbezogen: Es geht unter anderem um digitales Krankheitsmanagement, also personalisierte Diagnostik, Therapie und Versorgung.

Der KI Campus Ostbayern bietet ein breites wissenschaftliches Spektrum aus künstlicher Intelligenz und Digitalisierung und deren Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft. Die Professuren haben dort das Potenzial, in der Spitzenforschung mitzuwirken sowie nachhaltige und innovative Schwerpunkte zu setzen. So könnte durch man durch gezielte Förderung in diesem Verbund der KI-Forschung in Privatunternehmen, vor deren Risiken Experten schon lange warnen, entgegenwirken.

Die neuen Professuren im Überblick

HAW Landshut: „Diagnose von KI-Methoden für hochautomatisiertes Fahren“

Universität Passau: „KI und Nachhaltigkeit“, „Künstliche Intelligenz im Strafrecht“, „AI Engineering“

TH Deggendorf: „Sensorbasierte KI-Systeme in der Pflege“, „Big Geodata und Spatial AI“, „Künstliche Intelligenz für Cybersicherheit“

OTH Regensburg: „Technikfolgenabschätzung für KI-gestützte Mobilität“, „Künstliche Intelligenz für Infrastruktur und Stadtentwicklung“, „KI-Knoten Mobilität“

Universität Regensburg: „Computational Immunology“, „KI in der IT-Sicherheit“, „Edge AI & Kooperative Systeme“