Innovationspreis: Monatssieger Juni
14. Juli 2021 6:00  Uhr

Ästhetik und Sicherheit aus Glas

Die Mitterteicher Schott AG eröffnet Architekten und Industriedesignern mit innovativen Glasrohren völlig neue Möglichkeiten. Die Glasrohre Duran Tough und Conturax Tough zeichnen sich vor allem durch hohe Bruchfestigkeit aus.

Das Glasrohr Duran Tough behält bei Bruch die Form und verhindert so herabfallende Scherben. | Fotos: Schott AG

Von Robert Torunsky

MITTERTEICH. Design mit Funktionalität und Sicherheit zu verbinden, ist die Königsdisziplin für das produzierende Gewerbe. Die Schott AG hat die Herausforderung von Architekten und Industriedesignern, anspruchsvolle Designideen mit Glasrohren mit einer erhöhten Bruchsicherheit zu verbinden, angenommen und nach drei Jahren intensiver Forschung auch gemeistert. Schott ist Weltmarktführer in vielen Branchen, die Hightechglaslösungen benötigen. „Das größte Teleskop der Welt hat einen Schott-Spiegel, 200 Millionen Haushalte haben ein Cerankochfeld von Schott und auch der Marsrover hat unser Glas an Bord. Ob Flugzeugbeleuchtung, U-Boot-Fenster oder Bürosprinkleranlagen – unser Glas steckt überall drin“, sagt Marion Pyschik, Director Marketing Communication am Standort Mitterteich. Das Glaswerk in der nördlichen Oberpfalz existiert bereits seit 1882, seit 1930 ist Schott Eigner. In Mitterteich arbeiten rund 1300 der weltweit 16 500 Beschäftigten an der Produktion von Glasrohren.

Glasrohre für Impfstoffe

Dabei ist der Pharmasektor das Kerngeschäft. „Impfungen, Betäubungsspritzen, Narkotika – sensible Medizin ist in unserem Glas verpackt. Denn unser Glas reagiert quasi nicht mit Inhaltsstoffen, ist also chemisch inert“, erklärt Pyschik. Rund jede zweite Coronaimpfdosis weltweit stecke in einem Schott-Glasrohr.

Das anspruchsvolle Produktportfolio wurde nun mit Duran Tough und Conturax Tough, die Ästhetik mit Sicherheit kombinieren, zielgruppengerecht erweitert. „Die farblose, auf der Innenseite aufgetragene Polymerschicht ermöglicht Architekten und Designern einen größeren Gestaltungsspielraum. Denn sie bietet Schutz vor Verlust der Form und vor herabfallenden Scherben im Falle einer Beschädigung“, sagt Pyschik. Die Duran- und Conturax-Glasrohre, die jeweils eine Wanddicke von nur fünf Millimetern haben und zwischen 1,5 und vier Meter lang sind, tragen den Beinamen „tough“ völlig zurecht: Die neuartige Polymerschicht hält die Form im Falle des Bruchs aufrecht – und lenkt zusätzlich nicht vom eigenen Produkt ab. „In der Vergangenheit haben wir transparente Folien aufgeklebt, das heutige ,Coating‘ der Polymerschicht wird durch ein komplett anderes Verfahren aufgebracht, das eine ebenmäßige, transparente Beschichtung ermöglicht“, sagt Pyschik.

Vom Raumtrenner bis zur Toilette

Die Einsatzgebiete der neuen Glasrohre sind vielschichtig. Aus Conturax haben Designer elegante Raumtrenner, ausgefallene Lichtquellen und auch Glaselemente für Möbel wie etwa den Empfangstresen an Schott-Standorten geschaffen. Außergewöhnlich ist der Einsatz der Duran-Glasrohre beim französischen Designtoilettenhersteller Trone als Bestandteil des Spülkastens. „Unser innovatives Produkt hat das Ziel, dem Benutzer den Wasserverbrauch vor Augen zu führen“, sagt Camille Mourgues, Chief Technology Officer bei Trone. „Das haben wir durch die Entwicklung eines speziellen Wassertanks geschafft.“ Um die Sicherheit der Toilettennutzer zu gewährleisten, haben wir ein Material gesucht, das nicht so zerbrechlich wie reguläres Glas ist“, beschreibt Mourgues die Anforderung. Schott lieferte mit Duran Tough, das wie Conturax Tough seit März 2021 weltweit verfügbar ist, die Lösung.

Anwendungen im Sicherheitsbereich im Blick

Die Schott AG, deren einzige Aktionärin seit Gründertagen die Carl-Zeiss-Stiftung ist und die mit der Dividende die Wissenschaft in Deutschland etwa durch die Finanzierung von Professuren fördert, arbeitet bereits mit Hochdruck an der Erschließung neuer Einsatzfelder in Spezialgebieten der Beleuchtung. „Für uns sind Anwendungen relevant, bei denen Sicherheit ein entscheidender Aspekt ist, wie beispielsweise Explosionsschutzleuchten“, erklärt Marion Pyschik. Die aktuellen Projekte unterlägen allerdings noch einer Geheimhaltungsvereinbarung. Auch an Weiterentwicklungen wird geforscht. „Wir möchten das Coating zukünftig auch für weitere Formen und Profile unserer Glasrohre anbieten“, nennt Pyschik die Zielsetzung der Glasliebhaber aus Mitterteich.