Mobilität
13. Juni 2022 6:00  Uhr

Airport-Chef ist überzeugt: „Menschen wollen fliegen“

Der coronabedingte Einbruch scheint in der Flugbranche bald ausgeglichen zu sein. Speziell seit den diesjährigen Osterferien verzeichnet der Flughafen Nürnberg eine deutliche Erholung.

Auch für Nürnberg gilt: Es wird wieder häufiger abgehoben. Foto: Max Haselmann-Airport Nürnberg

Von Gerd Otto

NÜRNBERG/MÜNCHEN. Hatte der Albrecht Dürer Airport Nürnberg im Jahre 2017 erstmals seit 2010 wieder die 4-Millionen-Marke bei den Passagierzahlen erreicht, so zeigt sich Flughafengeschäftsführer Dr. Michael Hupe trotz der Coronakrise auch hinsichtlich der künftigen Entwicklung zuversichtlich. Bereits im Sommer des zweiten Coronajahres 2021 konnte vorübergehend fast die Hälfte des üblichen Aufkommens erreicht werden. Exakt steigerte der Airport 2021 mit rund 1,1 Millionen Fluggästen sein Passagieraufkommen im Vorjahresvergleich um 16 Prozent.

Corendon und Ryanair vor Ort

Für 2022 seien 2,7 Millionen Passagiere geplant, zeichne sich doch spätestens seit den Osterferien eine spürbare Erholung ab. Mit knapp 70 Zielen habe der Airport Nürnberg mit seinen derzeit wieder knapp 1000 Mitarbeitern den früheren Umfang erreicht. „Menschen wollen fliegen“, ist Michael Hupe überzeugt. Im April konnte man in Nürnberg erstmals wieder über 250.000 Passagiere in einem Monat begrüßen. 2021 starteten und landeten am Albrecht Dürer Airport 33.094 Flüge, was zwar ein Plus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutete, aber nur die Hälfte der Flugbewegungen des Jahres 2019. Aufgrund der Coronamaßnahmen nahm der Linienverkehr um 10 Prozent ab, vor allem aber stellten die meisten klassischen Netzwerkfluggesellschaften wie Lufthansa, Air France, Swiss und Austrian Airlines ihr Flugangebot zeitweise komplett ein. „Lediglich KLM und Turkish Airlines boten ganzjährig regelmäßige Verbindungen in die Drehkreuze nach Amsterdam bzw. Istanbul an“, erinnert sich Dr. Hupe. Aktuell hat Corendon Airlines weiterhin zwei Flugzeuge in Nürnberg stationiert, ebenso wie Ryanair, dessen Streckennetz von hier aus 29 Flugziele umfasst. Ab Juni wird die Fluggesellschaft SmartLynx ein Flugzeug am Albrecht Dürer Airport stationieren, das von TUI Deutschland vermarktet wird. Außerdem erwähnt der Flughafendirektor weitere Airlines wie British Airways, Condor, Turkish Airlines, SunExpress, Wizz Air, Eurowings oder Aegean Airlines, wodurch der Airport Nürnberg über ein vielfältiges Reiseangebot verfügt. Insgesamt wird die Noris regelmäßig von mehr als 20 Fluggesellschaften angeflogen.

Innerdeutscher Verkehr verliert weiter an Bedeutung

Der innerdeutsche Verkehr hat mit weniger als 6 Prozent der Passagiere weiter an Bedeutung verloren, wobei generell eine Tendenz „weg von kürzeren und hin zu Flugdauern von zwei und mehr Stunden“ ab Nürnberg zu erkennen ist. Während ein Großteil des Geschäftsreiseverkehrs derzeit nicht stattfindet, werde das Wiederaufleben des Messegeschäfts, so hofft Michael Hupe, auch international den Businessverkehr mittelfristig wieder ankurbeln. Verändert habe sich auch das Buchungsverhalten: „Derzeit werden Flugreisen eher kurzfristig gebucht und angetreten.“ Auch das Reisebüro und die Pauschalreise erlebt dank Beratungskompetenzen und Versicherungen eine Renaissance.

Positive Entwicklung beim Frachtaufkommen

Das Luftfrachtaufkommen entwickelte sich 2021 ausgesprochen gut. Bei der direkt ab beziehungsweise nach Nürnberg geflogenen Luftfracht war eine deutliche Steigerung feststellbar, die mit einem Plus von 11 Prozent über das Vorkrisenniveau 2019 hinausging. Sowohl regelmäßig verkehrende Expressdienste, wie auch die ab Nürnberg als Beiladung oder per Frachtcharter transportierte Luftfracht konnten von dieser Entwicklung profitieren. Auch bei der in Nürnberg abgefertigten, aber nicht ab/bis Nürnberg geflogenen Luftfracht, dem sogenannten Trucking, war mit einer Steigerung um 18 Prozent eine positive Entwicklung erkennbar. Vor diesem Hintergrund schloss der Konzern 2021 pandemiebedingt mit einem Jahresfehlbetrag in Höhe von 14,9 Millionen Euro ab, was immerhin eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr um 26,3 Millionen Euro bedeutete. Berücksichtigt werden müssten dabei die Vorhaltekosten von 13,8 Millionen Euro, die während des Lockdowns im zweiten Quartal 2020 als Kompensationshilfe angefallen waren.

Vorkrisenniveau erst 2024?

Der Münchner Flughafen verbuchte im Jahr 2021 mit 12,5 Millionen Passagieren zwar einen Anstieg von mehr als 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr, blieb aber weit hinter dem Rekordergebnis von 2019 zurück, als rund 48 Millionen Fluggäste registriert worden waren. Eine vollständige Rückkehr zum Vorkrisenniveau erwartet Jost Lammers, Vorsitzender der Geschäftsführung, erst im Jahre 2024.