Interview
1. März 2021 18:55  Uhr

Aktienquote in Deutschland muss weiter steigen

Gespräch mit Matthias Herold, Direktor bei der Robert Beer Investment GmbH

Von Robert Torunsky

Herr Herold, ist der derzeitige Aktienboom in Deutschland auch in Ostbayern angekommen?

Matthias Herold: Absolut. Es ist positiv, zu sehen, dass es deutschlandweit eine breitere Resonanz dafür gibt, im Aktienbereich zu investieren.

Worin liegen die Gründe?

Das ist eine Mischung aus Vielem. Null- und Negativzinsen haben das Festgeldkonto unattraktiv gemacht, dazu verlangen ja einige Banken mittlerweile Gebühren für die Geldaufbewahrung. Dadurch ist ein gewisser Druck entstanden, das Kapital zu investieren. Aufgrund der Lockdowns gab und gibt es für Privatanleger auch weniger Möglichkeiten, Geld auszugeben. Auch die verschiedenen Trader-Apps sind hilfreich, da sie den Zugang zum Aktienmarkt erleichtert haben.

Hat der Boom auch seine Schattenseiten?

Gewisse Tendenzen muss man tatsächlich kritisch sehen. Die Themen Bitcoin und auch Highflyer-Aktien haben eine gewisse Gier ausgelöst. Gerade in den USA wird von Aktionärsseite sehr viel in Firmen investiert, die kein Geld verdienen. Goldman Sachs hat ja sogar einen Non-Profitable Technology Index aufgelegt, der seinen Wert mehr als verfünffacht hat.

Wird sich der Trend zum Aktienbesitz fortsetzen?

Ja, dafür werden die Niedrig- und Negativzinsphase sowie die weltweiten Staatsverschuldungen sorgen. Das Geld wird in die Wirtschaft gepumpt und die hohen Wachstumsraten in den USA und China ziehen auch Deutschland nach oben. Dazu ist vielfach trotz Corona das Gehalt weiter geflossen und die Menschen haben weiterhin nur wenige Möglichkeiten, ihr Geld auszugeben. Und aus Anlegersicht sind Aktien weiterhin das Nonplusultra, da sie langfristig mindestens die Inflation ausgleichen, während Zins- und sichere Rentenpapiere derzeit stets negative Effekte verzeichnen. Selbst der risikobehaftete Rentenpapierbereich bietet nur eine sehr geringe Verzinsung. Wer also etwas verdienen möchte, muss in Aktien investieren.

In Schweden wird vom Monatsgehalt ein fester Prozentsatz einbehalten und in Aktienfonds zur Vorsorge investiert. Was wäre Ihrer Ansicht nach ein guter Ansatz für Deutschland?

In Deutschland fließt aktuell das Gros der Dividenden ins Ausland. Sinnvoll wäre es daher, die Aktienquoten zu steigern, damit Gewinne auch in Deutschland bleiben und nicht auf Null-Prozent-Tagesgeldkonten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Matthias Herold, Direktor bei der Robert Beer Investment GmbH

Foto: Robert Beer Investment GmbH