Interview
4. September 2021 6:09  Uhr

Auch in Zukunft für Neues offen sein

Dr. Emil Ott, der Unternehmensgründer der PCO AG, sieht auch nach dem Erwerb seiner Firma durch die amerikanische AEA Investors-Gruppe gute Aussichten für die Entwicklung des Standorts im Kelheimer Donaupark.

Dr. Emil Ott, PCO | Foto: Sebastian Pieknik

Von Gerd Otto

Herr Doktor Ott, zum 30-jährigen Jubiläum 2017 haben Sie und Ihre Gattin als Ziel Ihres Unternehmens „gesundes Wachstum“ genannt. 2021 haben Sie die PCO AG verkauft. Wie passt das zusammen?

Dr. Emil Ott: Gerade deshalb haben wir uns als PCO AG sehr viel Zeit gelassen, um eine zukunftsorientierte Lösung zu erarbeiten. Es war ein Prozess, der schon vor vier Jahren ohne jede Hektik begann, und ohne die Coronapandemie sicherlich früher abgeschlossen worden wäre. Weder waren wir als Gründerfamilie zu einem Verkauf unseres Unternehmens gezwungen, noch handelt es sich bei dem Erwerb von PCO durch die Excelitas Technologie Corp. gar um eine feindliche Übernahme. Dieser Deal, wenn man ihn so bezeichnen möchte, ist für beide Seiten vielmehr von enormer strategischer Bedeutung. Und das ist für mich entscheidend.

Woran kann man dies festmachen?

Nun, wohl am besten daran, dass wir uns seit Langem sehr gut kennen und die Produkte beider Unternehmen sich auf ideale Weise ergänzen. Nicht von ungefähr ist die Excelitas-Gruppe ein langjähriger Kunde von PCO und vertrauensvoller Geschäftspartner. Aus unserer Sicht, also aus dem Blickwinkel Kelheims und der hier tätigen Mannschaft, ergeben sich jedenfalls vielversprechende Möglichkeiten, um mit unseren Hochleistungskameras auf einem immer globaler werdenden Markt erfolgreich auftreten zu können. Waren wir trotz aller – auch international beachteter Erfolge – eher auf Nischenmärkten unterwegs, so könnte die PCO AG über die neue Muttergesellschaft von potenziellen Kunden beachtet werden, bei denen wir bisher kaum einen Zugang gefunden haben.

Innovation ist wohl das entscheidende Stichwort, auf fast allen Sektoren. Worin sehen Sie rückblickend den Ansatz dafür, dass sich Ihr Unternehmen derart erfolgreich entwickeln konnte und Sie persönlich sogar zahlreiche Awards und Innovationspreise einheimsen konnten?

In der Tat haben wir uns natürlich immer über Anerkennung gefreut, ob auf den Märkten in Form von letztlich ja entscheidenden Aufträgen unserer Kunden oder auch im Rahmen von Preisverleihungen. Die Jury Ihrer Wirtschaftszeitung hat uns 2014 ja auch mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. Bis es dazu kommt, ist freilich meistens ein langer, beschwerlicher Weg nötig, den man aber eher locker angehen sollte, fast schon als Hobby. Neben Ausbildung und Studium, bei mir auch danach als Assistent des Lehrstuhls für technische Elektrophysik an der TU München, muss auf dem Weg zu einer eigenen Innovation vor allem Neugier vorhanden sein, und Risikobereitschaft nicht zu vergessen. Dazu gehört aber auch, bisher als gegeben hingenommene Wahrheiten stets zu hinterfragen.

Ist nicht oft auch ein gewisses Maß an Spinnerei nötig, um zu einer Innovation zu gelangen?

Tatsächlich waren es nicht selten Tüftler, Entwickler, ja gemeinhin auch als Spinner angesehene Persönlichkeiten, die ihr Unternehmen, ja ganze Wirtschaftsregionen repräsentiert und weiterentwickelt haben. Für unternehmerische Erfolge ist schließlich auch Beharrlichkeit vonnöten und die Bereitschaft, nicht die Flinte ins Korn zu werfen, wenn man mit seiner Idee vielleicht sogar seiner Zeit etwas voraus war. Für eine gute Idee gibt es immer eine Anwendung. Man muss freilich auch warten können, bis die Zeit reif ist, bei aller inneren Unruhe, die ebenso nötig ist.

Als das wesentliche Know-how Ihres Unternehmens haben Sie stets das Engagement und das Wissen Ihrer Mitarbeiter herausgestellt. Welche Rolle wird dieser Aspekt in Zukunft spielen?

Wie in den vergangenen Jahren bin ich davon überzeugt, dass für die meisten unserer PCO-Mitarbeiter die Arbeit in diesem Unternehmen nicht nur ein Job ist, sondern auch ein Hobby, wie meine Frau Karin als langjährige Personalchefin immer wieder beobachtet hat. Aber auch von den Fakten her bin ich überzeugt, dass meine ehemaligen Mitarbeiter gute Zukunftschancen bei Excelitas erwarten. Die neue Muttergesellschaft hat nicht nur die gesamte Belegschaft übernommen, und dies juristisch abgesichert, nach deutschem Recht. Vielmehr hat man erst kürzlich in Göttingen mit einer 30-Millionen-Euro-Investition unter Beweis gestellt, welche Rolle der Standort Deutschland für die AEA Investors spielt.

Und der Standort Kelheim? Wird er auch unter der Flagge von Excelitas künftig von Bedeutung sein?

Im Donaupark wird sich die PCO AG weiter entwickeln, der Standort mit seinen heute 85 von insgesamt 100 Mitarbeitern wird eher noch ausgebaut. Die ausgehandelten Mietverträge laufen hier immerhin über zehn Jahre.

Und der Name Ott kommt nur noch im Firmennamen PCO vor?

Im Gegenteil! Meine Tochter Dr. Sabine Ott, eine promovierte Diplom-Ingenieurin, bleibt voll an Bord und ist hier als Projektbetreuerin tätig.

Und Sie selbst als der einstige Unternehmensgründer von PCO?

Ich werde mich als Berater einbringen, und zwar mit meiner Erfahrung, dem über die Jahrzehnte angesammelten Know-how, aber nicht als Besserwisser.

Und was muss geschehen, damit all dies auch tatsächlich möglich ist?

Entscheidend wird sein, dass man auch in Zukunft – über die PCO AG hinaus – für Neues offen ist, Mut beweist und keine Scheu vor globalem Denken hat. Gleichzeitig sollten wir uns auch ein gehöriges Maß an Bodenständigkeit bewahren.

Dr. Emil Ott

1987 machte sich Dr. Emil Ott mit Unterstützung des Ostbayerischen Technologietransfer-Instituts (OTTI) selbstständig. Der Grund für diese Unternehmensgründung war letzten Endes wohl, dass er als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Technische Elektrophysik der TU München mit den hier verwendeten Geräten unzufrieden war. Daraus entstand die PCO Computer Optics GmbH im Kelheimer Donaupark, aus der 2013 schließlich die PCO AG hervorging – heute eine weltweit agierende Hightech-Firma mit 100 Mitarbeitern.