Bauwirtschaft
13. Mai 2020 11:35  Uhr

Die Baubranche macht Hoffnung in der Krise

Die Baubranche ist vom Shut-down kaum betroffen, doch der Aufwand ist durch Abstands- und Hygieneregeln gestiegen. Der Digitalisierung könnte Corona sogar helfen.

Während andere Branchen von Corona hart getroffen wurden, geht es auf dem Bau immer noch voran. Foto: eyetronic – adobe.stock.com

Von Stephanie Burger

REGENSBURG. Äußerst positiv startete die bayerische Bauindustrie ins Jahr 2020: Laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik erzielte sie im Januar einen Umsatz von rund 800 Millionen Euro und damit 6,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Dieser Start ließ auf ein weiteres Wachstumsjahr hoffen. Doch dann kam ein „Schwarzer Schwan“ in Gestalt des Coranavirus, der das Wirtschaftsleben in nahezu allen Branchen abrupt abbremste – nicht jedoch den Bau.

„Im Vergleich zu anderen Branchen läuft es verhältnismäßig gut“, sagt Martin Schneider, Leiter der Geschäftsstelle Ostbayern des Bayerischen Bauindustrieverbandes e. V. „Auf vielen Baustellen kann gearbeitet werden.“ In der Region beispielsweise würden der A-3-Ausbau und diverse Hochbauprojekte fortgesetzt, wenn auch unter veränderten Rahmenbedingungen. So verursachen laut Schneider die notwendigen Vorsorgemaßnahmen zusätzliche Kosten. „Die Baufirmen unternehmen große Anstrengungen, um Abstands- und Hygieneregeln auf Baustellen und Transportwegen einhalten zu können.“ Problematisch sei – wie in vielen anderen Bereichen auch – der stockende Nachschub an Masken. Vereinzelte Engpässe stellt Schneider auch bei der Materialversorgung und beim Personal fest. „Die Grenzschließungen erschweren die Arbeit mit ausländischen Subunternehmen.“

So manche Arbeiten könnten aufgrund der geringen Verkehrsbelastung sogar besser abgewickelt werden, sagt Schneider. Zu begrüßen sei es auch, dass die Politik nun einer alten Forderung der Bauindustrie entsprochen habe, mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten zu ermöglichen. „Gerade jetzt ist es nicht einzusehen, dass Lenk- und Arbeitszeiten in den Baumaschinen zu restriktiv gehandhabt werden. Es geht nicht um Mehrarbeit, sondern darum, Arbeit dann durchführen zu können, wenn sie anfällt.“ Zu schaffen mache der Branche die unzureichende Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung, betont Schneider. Das erschwere und verzögere die Erteilung von Genehmigungen, beispielsweise für Transporte oder das Aufstellen von Containern.

Aus einem Tablett kommt ein Hologramm eines Bauplans

 

 

 

 

BIM ist noch nicht etabliert: Im Fokus der Digitalisierung am Bau steht die Methode „Building Information Modeling“, kurz BIM. Sie soll es ermöglichen, alle für den Bauprozess relevanten Informationen digital zu bündeln – mithilfe eines virtuellen Abbilds des geplanten Bauwerks. Wie der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie in einem Positionspapier feststellt, hat sich BIM in der Branche noch nicht als neue Form der Bauprojektabwicklung etabliert. Denn BIM mache auch ein Umdenken in der Organisationskultur erforderlich. Foto: Chaay_tee – stock.adobe.com

Die Digitalisierung des Baus selbst indes geht langsam, aber kontinuierlich voran. In Regensburg soll nun ein neues Innovationszentrum, in dem Wirtschaft und Wissenschaft am digitalisierten Bauen forschen, dieser Entwicklung Nachdruck verleihen. Und auch innovative Techniken wie der 3-D-Druck bergen enormes Potenzial – vielleicht noch nicht für die Herstellung komplexer Bauwerke, aber doch für Fertigteile oder einfache Gebäude. Die Coronakrise werde auch am Bau die Digitalisierung weiter beschleunigen, ist Schneider überzeugt.Seiner Ansicht nach sollte die Politik die Krise aber auch nutzen, um überholte Regelungen zu kippen, wie beispielsweise die Billigstpreisvergabe. Ob die Bauindustrie von den Auswirkungen der Krise zu einem späteren Zeitpunkt noch eingeholt werden wird, sei noch nicht ausgemacht, meint Schneider. Allerdings erwartet er eine Nachfrageverschiebung. So könne das Wohnen auf dem Land wieder attraktiver werden, was öffentliche Infrastrukturinvestitionen begünstige. Für Letztere als stimulierende Maßnahmen nach der Krise hat sich auch Prof. Dr. Clemens Fuest, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung an der Universität München (ifo) stark gemacht. Die Baubranche gibt also Anlass zur Hoffnung in der Krise. „Sie könnte zum Impulsgeber für die Wiederbelebung der Gesamtwirtschaft werden“, sagt Schneider.

Bauordnungsreform beschleunigt das Bauen

Mit dem Ziel, das Bauen schneller, einfacher und nachhaltiger zu machen, hat die Staatsregierung Ende 2019 die größte Reform der bayerischen Bauordnung seit 2008 initiiert. Sie basiert auf fünf Schwerpunkten: der Erprobung der digitalen Baugenehmigung in einem Pilotprojekt, der Einführung der Genehmigungsfiktion, das heißt, nach Dreimonatsfrist wird so getan, als wäre die Baugenehmigung erteilt, der Verwendung von Holz in allen Gebäudeklassen als Baustoff, der Verfahrenserleichterung bei der Aufstockung von Gebäuden und der Flexibilisierung der Spielplatzpflicht.