Einzelhandel
19. März 2021 6:07  Uhr

Beachtliches Wachstum trotz Coronakrise

Trotz Corona, Lockdown und Co. verzeichnete der bayerische Einzelhandel im vergangenen Jahr ein Plus von 6,4 Prozent. Ein Stück vom Kuchen bekam allerdings nur ab, wer auch online präsent war.

Shoppen vom heimischen Laptop aus: Für viele, auch regionale Händler gab der Lockdown den Anstoß, neue digitale Wege zu gehen. | Foto: Mymemo – stock.adobe.com

Von Thomas Tjiang

OSTBAYERN. Seit Jahren hören gerade kleine und mittlere Einzelhändler, dass sie ihr stationäres Geschäft im digitalen Raum ausbauen sollen. Um am boomenden Onlinehandel zu partizipieren, ist allerdings eine aktuelle Homepage nur eine erste Visitenkarte. Ein eigener Shop gilt als nächster Schritt.

In der Coronapandemie und insbesondere während der beiden Lockdowns hat sich gezeigt, wie wichtig digitale Kanäle zu den Kunden sind. Schon war von Corona als Turbo für den digitalisierten Einzelhandel die Rede, der neue Innovation im Vertrieb schaffe. Doch die Euphorie ist im Schatten von Lockdown, Abstandsgeboten oder begrenzten Kundenzahlen in den Verkaufsräumen nur bedingt gerechtfertigt. Denn weil der Einzelhandel im eigentlich umsatzstarken Dezember zur Monatsmitte weitgehend dicht machen musste, brach das Klingeln an der Ladenkasse gegenüber dem November vorläufigen Zahlen zufolge real um rund 10 Prozent ein.

Überraschendes Umsatzplus im Coronajahr

Gleichwohl überrascht auch das vorläufige Umsatzplus von bundesweit fast 4 Prozent für das erste Coronajahr 2020. Die bayerischen Einzelhändler schnitten im Vergleich sogar noch besser ab. Die Ladenkassen – ohne Kraftfahrzeughandel – klingelten preisbereinigt um 6,4 Prozent häufiger.
Doch hinter diesem bayerischen Durchschnitt verbirgt sich ein heterogenes Bild. Erwartungsgemäß legte die Sparte Versand- und Internet-Einzelhandel mit einem realen Umsatzsprung von 24 Prozent mit Abstand am stärksten zu. Auf der Verliererseite findet sich unter anderem das stationäre Geschäft insbesondere mit Bekleidung, Schuhen und Lederwaren sowie mit Uhren und Schmuck. Das Gesamtjahr 2020 sorgte hier für einen realen Um-satzrückgang von 8 Prozent.

Über 5000 Unternehmen kreist der Pleitegeier

Schon Anfang des Jahres schlug der Handelsverband Bayern Alarm. Jeder Lockdown-Tag beschere dem betroffenen Einzelhandel 150 Millionen Euro weniger Umsatz. Über mindestens 5000 Unternehmen kreise der Pleitegeier und rund 20.000 Jobs im Handel wären gefährdet. Einige Beispiele aus dem ostbayerischen Einzelhandel illustrieren, wie bunt die Facetten in Coronazeiten sind. Digitale Kanäle bis zum eigenen Webshop können ein Weg, aber keine Garantie für zusätzliche Umsätze sein.

E-Commerce

Zeit für neue Ideen im Einzelhandel

Ob Kundenchat mit Pfiffilotta, mehrsprachige Cyberevents oder das konsequente Nutzen digitaler Netzwerke: Viele Einzelhändler in Ostbayern haben sich so einiges einfallen lassen, um der Coronakrise zu trotzen. Manches fruchtete, manches nicht – und manche sehen trotz aller digitalen Bemühungen ihre einzige Hoffnung in der baldigen Wiedereröffnung ihres stationären Geschäfts.

Foto: Nikola Stanisic – stock.adobe.com

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