Interview
1. Juni 2021 13:15  Uhr

Berufsbilder unterliegen einem ständigen Wandel

Ralf Kohl, Leiter Berufsbildung bei der Industrie- und Handelskammer Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, spricht im Interview über den Prozess  der Definition neuer Berufsbilder.

Ralf Kohl, Leiter Berufsbildung bei der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim

Von Rebecca Sollfrank

Herr Kohl, wer definiert wie und in welchem Turnus neue Berufsbilder?

Ralf Kohl: Das berufliche Bildungswesen wird ständig weiterentwickelt, um der Realität im Wirtschaftsleben gerecht zu werden. Die Sozialpartner, also Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter, sind bei neuen Berufsbildern gefragt, den Bedarf in der Wirtschaft zu eruieren und entsprechende Neuordnungsverfahren für Berufe einzuleiten.

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung hier inzwischen?

Digitale Aspekte des Berufslebens werden seit ein paar Jahren mit jeder Neuordnung berücksichtigt. Der Fortschritt der technischen Entwicklung spiegelt sich dann in den Neuordnungen wider. Ein Beispiel aus jüngerer Zeit ist der Kaufmann beziehungsweise die Kauffrau für E-Commerce. Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung des Handels entstand ein enormer Bedarf, Nachwuchsfachkräfte für diesen Bereich fit zu machen, den regionalen Mittelstand zu stärken und das Feld im E-Commerce nicht den internationalen Branchenplayern zu überlassen.

Kann das bürokratische Verfahren der Neuordnung angesichts der Geschwindigkeit, in der sich unsere Arbeitswelt derzeit verändert, überhaupt noch Schritt halten?

Ausbildungsordnungen sind offen formuliert und haben in der Regel sehr lange Bestand. Veränderungen der Arbeitswelt können somit gut abgebildet werden.

Wird die Forderung nach der Definition neuer Berufsbilder oft an die IHKs herangetragen?

Regionale Industrie- und Handelskammern sind in der Regel nicht die Ansprechpartner und Ausgangspunkt für Neuordnungsverfahren. In den Bildungsausschüssen der IHKs diskutieren wir jedoch mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern aus der Region neue Trends in der Berufswelt. Für die Neuordnung von Berufen ist das Bundesinstitut für Berufsbildung, kurz BIBB, zentraler Partner der Sozialpartner, also der Arbeitgeber und Gewerkschaften, und der Bundesregierung. Das BIBB wirkt bei deren Abstimmung mit den entsprechenden schulischen Rahmenlehrplänen der Länder mit. Die Anträge erfolgen durch die Sozialpartner beim zuständigen Fachministerium.

Was sind aus Ihrer Sicht die interessantesten Berufe der Zukunft?

Berufsbilder unterliegen einem ständigen Wandel und werden den aktuellen Bedarfen entsprechend angepasst. Der Bedarf der Wirtschaft ist vielfältig. Fachinformatiker und die Kaufleute für E-Commerce sind zum Beispiel sehr digital orientierte Berufsbilder. Jedoch finden sich mittlerweile digitale Inhalte in der Mehrheit der Ausbildungsberufe wieder, da beispielsweise Buchungen, Abrechnungen oder die Bedienung von Maschinen heute kaum mehr analog abgewickelt werden und der EDV-technische Tätigkeitsanteil in der Regel zunehmend ist.