Finanzen
17. Mai 2022 5:52  Uhr

Beteiligungen als eine „wichtige Säule“

Im vergangenen Jahr haben deutsche Beteiligungsgesellschaften in Start-ups knapp vier Milliarden Euro investiert. Die zusätzliche Stärkung des Eigenkapitals trägt gerade in Krisenzeiten zur Stärkung der Resilienz bei.

Venture Capital als Startsignal | Illustration: Feodora – stock.adobe.com

Von Gerd Otto

REGENSBURG/MÜNCHEN. Was haben Haix, der Mainburger Hersteller von Spezialschuhwerk für Feuerwehr und Polizei, oder der Nürnberger Fachhändler für Spiel und Freizeit Vedes mit dem Kartoffelknödelproduzenten Burgis aus dem Oberpfälzer Neumarkt, mit Matt Optik in Regensburg, Ziegler Holzindustrie in Plößberg und Dallmeier Elektronic mit Sitz in Regensburg gemeinsam? All diese Unternehmen gehören derzeit zu den insgesamt 430 mittelständischen Firmen im Beteiligungsbestand der BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft, die aktuell einen Gesamtumsatz von elf Milliarden Euro erwirtschaftet haben. 2021 betrug dieses Portfolio 318 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 300 Millionen Euro. Inzwischen ist dieser Wert sogar auf 330 Millionen Euro angestiegen.

Herausforderungen bewältigen

Allein im Geschäftsjahr 2020/21 wurde mit 57,6 Millionen Euro das höchste Investitionsvolumen in der 50-jährigen Geschichte der BayBG verzeichnet. Als Gründe für diese hohe Nachfrage nach Beteiligungskapital nannte Peter Pauli, Sprecher der Geschäftsführung, dass Beteiligungskapital ein wichtiger Baustein sei, um die Krisenresilienz zu stärken, also die in Zeiten der Coronapandemie so gefragte Widerstandsfähigkeit, aber auch zur Finanzierung von Investitionen in die Zukunft und diverse Transformationsmaßnahmen: „Gerade in Krisenzeiten ist es besonders wichtig, sein Eigenkapital zu erhöhen, um den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen gewachsen zu sein.“

Die Investitionen der BayBG in Expansions- und Transformationsmaßnahmen der Unternehmen, an denen sie auf unterschiedlichste Art beteiligt sind, verdoppelten sich auf 30 Millionen Euro. Mit Venture-Capital-Investments in Höhe von 11 Millionen Euro finanzierte die BayBG im vergangenen Geschäftsjahr technologieorientierte Start-ups. In einem fast identischen Umfang engagierte sich die Bayerische Beteiligungsgesellschaft auch in puncto Unternehmensnachfolge. Wie Vorstandsmitglied Peter Herreiner erläuterte, geht es dabei um mittelständische Unternehmen, die eine familienexterne Nachfolge oder eine Vermögensdiversifikation verwirklichen, um den Fortbestand der Firma zu ermöglichen. Schließlich betrug das Neuinvestment bei Unternehmen in Turnaround-Phasen, um etwa Krisen zu überwinden, oder auch für Restrukturierungssituationen rund drei Millionen Euro. Das Neugeschäft im Zusammenwirken mit kleinen und jungen Unternehmen (KJU) rund um Existenzgründungen belief sich bei der BayBG auf 2,1 Millionen Euro.

Investitionsvolumen mehr als verdoppelt

Deutschlandweit wurde im Bereich Venture Capital, also mit Blick auf das Engagement aller Gesellschaften in deutsche Start-ups, mit knapp vier Milliarden Euro ein historischer Rekord geschafft. Wie der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgsellschaften (BVK) betonte, habe man das Investitionsvolumen des Vorjahres von 1,9 Milliarden Euro damit mehr als verdoppelt. Nach Auffassung von Mark Schmitz, dem stellvertretenden BVK-Vorstandssprecher, sei 2021 für den deutschen Venture-Capital-Markt ein herausragendes Jahr gewesen, wobei der neue Investitionsrekord bereits nach sechs Monaten festgestanden habe. Deutschland habe ein „weltweit beachtetes und anerkanntes Ökosystem“ aus verschiedensten Investoren, Business Angels, Gründern und der Wissenschaft geschaffen, unterstützt auch von der öffentlicher Hand.

Dem Rekordwert beim Venture Capital steht ein Rückgang bei den Investitionen aller deutschen Beteiligungsgesellschaften um 16 Prozent auf 12,6 Milliarden Euro gegenüber, und dies nach dem Rekordjahr 2019 in der Größenordnung von 16 Milliarden Euro. Insgesamt wurden 2021 in Deutschland fast 1000 Unternehmen mit Beteiligungskapital finanziert. Als Zentren der Branche gelten Berlin und München, wo die BayBG gemeinsam mit Bayern Kapital auch die Coronaeigenkapitalhilfen von Bund und Land umgesetzt hat. Bisher, so Peter Herreiner, wurden aus diesem Programm rund 100 Millionen Euro in Start-ups und mittelständische Unternehmen investiert.

Interview

Mit Erfahrung, Netzwerk und Wissen

Peter Pauli, Sprecher der Geschäftsführung der BayBG Bayerischen Beteiligungsgesellschaft, erläutert im Interview die wichtige Rolle von Beteiligungsgesellschaften für den Mittelstand.

Hier geht’s zum Interview …