Marketing
27. Juli 2020 6:00  Uhr

Business Influencer überzeugen durch Expertise

Es muss nicht immer Fashion oder Lifestyle sein. Zwei Regensburger Business Influencer stellen unter Beweis, dass in den Sozialen Medien auch andere Themen funktionieren – zum Beispiel Finanzen.

Eine Influencerin produziert Content für ihre Social-Media-Kanäle. Ein neuer Influencing-Trend ist, sich als Experte für ein Wirtschaftsthema zu profilieren.|Foto: Dragana Gordic – stock.adobe.com

Von Julia Kellner


REGENSBURG. Anne Fiedler ist selbstständige Unternehmensberaterin. Als Frau Schnabelkraut schreibt sie zudem auf ihrem Finanzblog über passives Einkommen und macht Podcasts. Im Interview sind zumeist Unternehmerinnen, die ihre Gründungsgeschichte erzählen. Auch Steuerberater Roland Elias nutzt verschiedene Onlinekanäle für seine Steuertipps. Zwei Regensburger Business Influencer, die sich mit Inhalten aus dem Geschäftsbereich beschäftigen. Damit unterscheiden sie sich von vielen anderen Influencern, die zum Beispiel Backrezepte empfehlen oder Tipps für die Strandfigur geben. Der Begriff Influencer kommt aus dem Englischen und bezeichnet Menschen, die andere beeinflussen. Sie teilen Bilder und Videos in den Sozialen Netzwerken, ihre Fans lieben ihre Hashtags und oft sind, vermeintlich nebenbei, Produkte platziert. Fiedler und Elias informieren über Finanzen und damit über eine Thematik, die womöglich einen viel größeren Kreis interessiert. Dieses Potenzial haben beide für sich erkannt.

Digitales Selbstmarketing

Ist das Hilfsbereitschaft oder digitales Selbstmarketing? Sowohl als auch. Roland Elias verfolgt als Business Influencer drei Ziele, wie er erklärt: Zum einen wolle er mit Falsch- oder Halbwissen im Steuerdschungel aufräumen, zum zweiten sei es ein kreativer Ausgleich zum Arbeitsalltag. Zum dritten würde er damit aber auch seine familiengeführte Steuerkanzlei voranbringen. Denn auf seinem Blog „Finanzgeflüster“, seinem Youtube-Kanal „Steuern mit Kopf“ mit knapp 40.0000 Abonnenten, Instagram und Facebook informiere er insbesondere über Steuerthemen, die für andere Influencer, Immobilieninhaber und Gründer interessant seien – Bereiche, die er von beiden Seiten kenne. Zudem fokussiere er sich auf Kryptowährungen, also digitale Zahlungsmittel. Damit beschäftige sich nicht jeder Steuerberater. User, die bei der Suche nach Informationen auf seine Kanäle stießen, seien auch potenzielle neue Klienten. Ein positiver Nebeneffekt: „Auch, wenn in unserer Branche Fachkräftemangel herrscht, spüren wir in unserer Steuerkanzlei nichts davon“, sagt Elias. Bewerber und künftige Mitarbeiter könnten sich vorab online ein gutes Bild von der Kanzlei machen. Für manche Unternehmer seien Youtube und Co. dank Werbeeinnahmen auch zusätzliche Einnahmequellen, etwa für Handwerker.

Content mit Mehrwert

Expertenstatus dank sozialer Netzwerke, dieser Ansatz kann für viele Branchen, Gründer und Unternehmer funktionieren, meint Anne Fiedler. „Die Menschen kaufen keine Produkte, sondern Lösungen und Gefühle, die sie über den persönlichen Kontakt bekommen. Social Media hilft dabei ungemein.“ Fiedler zufolge ist es wichtig, die eigenen Kunden zu kennen, die gleiche Sprache zu sprechen und nur dort aktiv zu sein, wo auch die Zielgruppe unterwegs ist: „Für meine Unternehmensberatung nutze ich Linkedin und Xing. Themen rund um finanzielle Freiheit veröffentliche ich hingegen auf Instagram und Facebook.“ Steuerberater Elias empfiehlt unterhaltsame Inhalte, die für jedermann verständlich sind und nicht nur für Fachleute. Laut Fiedler ist auch entscheidend, Content mit Mehrwert zur Verfügung zu stellen – und das kostenfrei. Dadurch ließen sich nicht nur Kontakte zu künftigen Kunden, sondern auch zu Gleichgesinnten oder möglichen Projektpartnern knüpfen. Sie selbst wolle als Influencerin ein Netzwerk aufbauen, sich weiterentwickeln und inspirieren lassen, aber auch andere motivieren und Vorbilder schaffen.

Finanzielle Freiheit

Dass Frau Schnabelkraut alias Anne Fiedler in Social Media sich mit ihren Beiträgen über passive Einnahmequellen und Selbstständigkeit direkt an Frauen richtet, hat einen Grund. „Ich schreibe zwar über die gleichen Themen wie männliche Finanzblogger, aber ich glaube, dass es einen Unterschied macht, wer es schreibt.“ Auch hätten beide Themen für Frauen eine enorme Bedeutung. Führungskraft in Teilzeit, das sei so gut wie unmöglich. Passives Einkommen, also etwa über Zinsen, würde zudem frei und unabhängig machen: Geld und Zeit sind entkoppelt, anders als im Angestelltenverhältnis.

Virtuelle Assistenten

All die Inhalte für die Sozialen Medien erstellen sich gewiss nicht von selbst. Doch man muss als Influencer auch nicht alles alleine realisieren, erklären sowohl Anne Fiedler als auch Roland Elias. Beide arbeiten mit mehreren virtuellen Assistenten. So nennen sie ihre ebenfalls selbstständigen Partner, die für sie auf Rechnung arbeiten und beispielsweise ihre Videos schneiden oder in Abstimmung mit ihnen Beiträge posten. Die Zeit, die sie dadurch sparten, könnten sie in ihrer eigentlichen Tätigkeit nutzen – als Unternehmensberaterin und Steuerberater. Laut Roland Elias ist auch der gegenseitige Austausch innerhalb der Bloggerszene hilfreich, ganz ohne Konkurrenzgedanken. Zwar gebe es in Ostbayern kaum Business Influencer, doch deutschlandweit ließen sich einige nennen. Und Anne Fiedler ist überzeugt: Kooperationen mit anderen und auch innerhalb der Branche helfen, sowohl in der Online- als auch in der Offlinewelt. Sie folgt dem Motto „miteinander statt gegeneinander“.