Arbeitswelt
15. Januar 2021 6:00  Uhr

Corona fordert die Personalabteilungen heraus

Auch in den Personalabteilungen ist die Coronakrise das beherrschende Thema. Homeoffice als Massenphänomen, neue Schichtsysteme und Infektionsschutz sind nur einige der vielen Herausforderungen, die neu entstanden sind.

Auch wenn die Coronakrise dem Homeoffice zum Durchbruch verholfen hat, gehen Experten davon aus, dass viele Arbeitnehmer wieder ins Büro zurückkehren werden. Foto: JackF – stock.adobe.com

Von Stephanie Burger

REGENSBURG. Es ist noch kein Jahr her, als die Personalabteilungen vor allem eine Frage umtrieb: Wie kommen wir an qualifizierte Fachkräfte? Auch wenn diese Frage nicht vom Tisch ist, wird sie derzeit doch von der Coronakrise verdrängt. Denn bei der Bewältigung ihrer Auswirkungen auf die Unternehmen kommt den Human-Resource(HR)-Abteilungen eine Schlüsselrolle zu. „In jedem Krisenteam ist HR vertreten – und oft auch die treibende Kraft“, stellt Prof. Dr. Susanne Nonnast, Professorin für Personalmanagement an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg, fest.

Systemrelevanz spaltet

Nonnast hat hier fünf Handlungsfelder identifiziert: Das wichtigste ist der Schutz der Mitarbeiter vor einer Infektion am Arbeitsplatz. „Die Unternehmen reagierten auf das Kontaktbeschränkungsgebot mit Homeoffice und flexiblen Schichtsystemen. Die Personalabteilungen haben die organisatorischen Anpassungen erarbeitet.“ Das Aufrechterhalten der Geschäftstätigkeit ist das zweite Handlungsfeld. Hier gehe es etwa darum, wie man Kunden bedienen könne, wenn kein Vertriebsmitarbeiter sie besuchen kann, oder wie man die Produktion aufrechterhält, wenn Mitarbeiter krank oder in Quarantäne sind. „Etwas Neues kam in dieser Krise hinzu: die Frage der Systemrelevanz. Diese markiert eine Trennlinie zwischen zwei Welten. Während sich in der Welt der systemrelevanten Unternehmen die Arbeitsbelastung deutlich erhöht hat, können in der Welt nicht systemrelevanter Unternehmen Produkte nicht mehr produziert oder verkauft werden, die Beschäftigung ist rückläufig.“

Problemfeld Liquidität

Daran schließt sich ein drittes Handlungsfeld an: die Sicherung der Liquidität. „Neben den Kosten für die Infrastruktur geht es hier um die Frage, wie die Mitarbeiter weiter bezahlt werden können.“ Das probate Mittel sei die Kurzarbeit, deren Einführung aber aufwendig sei – beginnend bei der Frage, welche Abteilungen in Kurzarbeit gehen sollen. „Knifflig ist dies vor allem, wenn es um Zentralfunktionen geht, wie Instandhaltung, Controlling oder IT.“ Die Unternehmen hätten zur Liquiditätssicherung außerdem ihre Investitionen heruntergefahren. „Leider auch die in Weiterbildung.“ Aber auch die Umstrukturierung von analogen in digitale Weiterbildungsformate werde derzeit vorangetrieben – ein Aufgabengebiet, das zu einem großen Teil von den Personalabteilungen übernommen werde. Die Krisenkommunikation ist laut Nonnast das vierte Handlungsfeld. „Schnell eingeführte Veränderungen müssen gut kommuniziert werden.“ Und mit zunehmender Dauer der Pandemie gewinne ein weiteres Thema an Bedeutung: die Aufrechterhaltung des Engagements der Mitarbeiter. „Viele beklagen, dass ihnen im Homeoffice der persönliche Austausch fehlt und sie von den virtuellen Meetings erschöpft sind. Wir sprechen schon von Zoom-Fatigue.“

Büro wurde einst hart erkämpft

In Sachen Homeoffice sieht die Professorin allerdings noch weitere Herausforderungen auf die Unternehmen zukommen – zum einen, was die Mitarbeitergesundheit betrifft, zum anderen durch die Entgrenzung der Arbeit. „Nicht jeder hat eine adäquate Infrastruktur zu Hause. Bei zunehmender Homeoffice-Frequenz könnte das negative gesundheitliche Folgen haben.“ Auch das Verschwimmen von Privatleben und Erwerbsarbeit könne sich als problematisch erweisen. Hier seien die Personalabteilungen gefragt, die Beschäftigten durch Trainings und Sensibilisierungsmaßnahmen zu unterstützen. Auch wenn das Homeoffice nach der Krise Bestand haben wird, erwartet Nonnast einen Schwenk zurück zum Büro. „Wir vergegenwärtigen uns das meistens nicht, aber das Büro ist eine im Zuge der Industrialisierung hart erkämpfte Errungenschaft.“