Unternehmensnachfolge
16. November 2021 5:54  Uhr

Corona sensibilisiert für Fragen der Nachfolge

In der Coronakrise haben sich Firmeninhaber wie potenzielle Übernehmer noch intensiver mit den Chancen und Herausforderungen der Unternehmensnachfolge beschäftigt.

Laut Bundeswirtschaftsministerium wird derzeit die Übergabe an Externe bevorzugt. Das könne, so die Bundesregierung, auch eine Chance für Existenzgründer sein, die im Fall einer Übernahme bereits mit den nötigen Maschinen, Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden durchstarten könnten. | Foto: Minerva Studio – stock.adobe.com

Von Gerd Otto

REGENSBURG. Das Thema Unternehmensnachfolge hängt eng mit der grundsätzlichen Überlegung in unserer Gesellschaft zusammen, sich selbstständig zu machen. Unter dem Brennglas der Coronapandemie scheint dies noch deutlicher zu werden. Wagten im Jahr 2020 laut KfW-Gründungsmonitor nur 537.000 Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit – mit einem absoluten Tiefpunkt bei den Vollerwerbsgründungen – so könnte dieser Trend auch andeuten, dass die Lösung der meist ohnehin komplizierten Frage der Unternehmensnachfolge eher noch schwieriger werden dürfte.

Überalterung an der Spitze

Die Pandemie hat viele Fragen aufgeworfen und zum Teil noch verstärkt, was vor der Krise bereits spürbar war. Gerade die mittelständischen Unternehmen sind vom demografischen Wandel, sprich von einer zunehmenden Überalterung der Inhabergeneration, besonders betroffen. Nach Auskunft des Bundeswirtschaftsministeriums sind derzeit mehr als 1,5 Millionen Unternehmensinhaberinnen und -inhaber 55 Jahre oder älter. Um dem eigenen Unternehmen, aber auch seinen Mitarbeitern und Geschäftspartnern eine langfristige Perspektive zu bieten sowie auch für seine eigene Zukunft zu sorgen, sei es wichtig, sich frühzeitig mit dem Nachfolgethema auseinanderzusetzen. Und in der Tat: Zumindest aus dem Bezirk der Industrie- und Handelskammer Regensburg für die Oberpfalz und den Landkreis Kelheim wird nach dem Lockdown ein steigender Beratungsbedarf in Sachen Unternehmensnachfolge gemeldet. Dies gelte, so erläutert die IHK-Expertin Daniela Klemm, sowohl mit Blick auf die Interessenbekundungen für die Firmenübernahme als auch für die potenziellen Übergeber.

Wie der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) darlegt, habe die aktuelle Krise gezeigt, welche Geschäftsmodelle den künftigen Herausforderungen gewachsen sein dürften. Umso problematischer erweist sich bei der konkreten Umsetzung der Unternehmensnachfolge die Rolle des sogenannten „subjektiven Unternehmenswerts für das Lebenswerk“. Während es sich dabei in Zeiten des Aufschwungs um ein kaum aufzulösendes Missverständnis handle, beobachtet BDU-Partner Michael Hofnagel, dass der eine oder andere Geschäftsführer in der Krise erkennt, dass ein Ausstieg – auch zu niedrigeren Verkaufspreisen – für ihn und seine Lebensqualität bessere Perspektiven mit sich bringt als ein starres Festhalten an der eigenen Wertvorstellung.

Und wie stellt sich die Situation aus dem Blickwinkel eines Übernehmers dar? Die Unternehmensberater glauben, aktuell durchaus Chancen zu erkennen. Zwar könnte der eine oder andere Nachfolgekandidat letzten Endes aufgrund der Verunsicherung durch die Coronapandemie doch das Risiko scheuen. Auf der anderen Seite sei es auch möglich, dass manch eine von ihrem Unternehmen enttäuschte Führungskraft „jetzt erst recht“ ihre Chancen in einer Betriebsübernahme sucht.

Gründerrisiko abmildern

Wie sehr Corona aus Sicht des Arbeitsmarkts ganz konkret die Gründerszene verändert, wollten wir von den Chefs der Oberpfälzer Arbeitsagenturen wissen. Silke Grimm, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Schwandorf, berichtet von rund 60 Personen, die 2020 ebenso wie 2019 einen Gründungszuschuss erhalten haben. Bei diesen Zahlen müsse man allerdings bedenken, dass die Gründungen mithilfe der Agenturförderung nur einen sehr kleinen Anteil ausmachen. Zwar sei eine Gründung in der Krise mit besonderen Belastungen verbunden. Andererseits entstünden aus Sicht der Arbeitsagentur mit innovativen Ideen auch Geschäftsfelder, die durch Corona eher an Bedeutung gewonnen haben, wie der Ausbau der IT in Unternehmen.

Thomas Würdinger, der Chef der Arbeitsagentur Weiden, zeigt sich überzeugt, dass die konjunkturelle Erholung wieder zu mehr Neugründungen führen dürfte. Johannes Beck, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Regensburg, räumt zwar ein, dass Unternehmensgründungen meist ohne Beteiligung der Arbeitsagentur stattfinden. Um jedoch die Risiken abzumildern, empfehle er allen Gründern, die Möglichkeit der freiwilligen Arbeitslosenversicherung ins Auge zu fassen. „Diese Antragstellung erfolgt bei uns, der Agentur für Arbeit.“