Onlinehandel
23. März 2021 6:05  Uhr

Corona sorgt für Rückgang der Retourenquote

Während der Pandemie wird zwar deutlich mehr im Internet bestellt. Die für Händler sehr kostspieligen Retouren fielen aber prozentual geringer aus. Ob dieser Effekt über Corona hinaus anhält, ist allerdings noch unklar.

2020 wurden allein in Deutschland geschätzt 315 Millionen Pakete retourniert. | Foto: fotomowo – stock.adobe.com

Von Robert Torunsky

BERLIN/BAMBERG/LEIPZIG/REGENSBURG. Der Onlinehandel war schon vor Corona nicht aufzuhalten: Seit rund zwei Jahrzehnten hat der E-Commerce jährlich neue Rekordhöhen erklommen. Die Pandemie hat nun zusätzlich als Katalysator gewirkt und für einen noch kräftigeren Zuwachs gesorgt. Suchte man in den vergangenen Jahren ein Haar in der Suppe, stieß man auf das Thema Rücksendungen. Bei einer repräsentativen Befragung des Digitalverbands Bitkom 2019 beklagten 38 Prozent und damit fast vier von zehn Handelsunternehmen in Deutschland in diesem Zusammenhang steigende Kosten, die Rückgaben und Retouren bei ihnen verursachen.

Weltmeister im Zurückschicken

Eine Untersuchung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und des Forschungsinstituts Ibi Research an der Universität Regensburg GmbH hat zudem ergeben, dass die Retourenquote in Deutschland mit über 6 Prozent deutlich höher ist als in anderen Ländern. China und Italien retournieren mit einer Quote von 2,9 Prozent am wenigsten. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass bei der Datenerhebung keine Differenzierung zwischen B2C- und B2B-Bereich vorgenommen wurde. B2B verzeichnet in der Regel deutlich weniger Retouren. Auch unterschiedliche Präferenzen in den Ländern wirken sich auf die Retourenquote aus: Während in Deutschland die kostenlose Rücksendung quasi zum Standard gehört, ist dieser Service in anderen Ländern vollkommen unüblich. Kostenpflichtige Rücksendungen senken das Aufkommen, da sich der Kunde überlegt, ob er Aufwand und Portokosten dafür investiert.

Rücksendungen verursachen hohe CO2-Emissionen

Laut einer aktuellen Studie der Universität Bamberg hat ausgerechnet die Coronapandemie für einen prozentualen Rückgang der Rücksendungen gesorgt – und das, obwohl deutlich mehr bestellt wurde. Nach den Ergebnissen der Umfrage unter 103 Onlinehändlern in Deutschland wurden allein von März bis August des vergangenen Jahres 17,4 Prozent mehr Sendungen als im Vorjahreszeitraum verschickt. Für 2020 rechnen die Wissenschaftler mit einem Zuwachs von mehr als 25 Prozent. Gleichwohl reduzierte sich die Retourenquote bei den befragten Händlern im selben Zeitraum von 17,8 auf 15,9 Prozent. In absoluten Zahlen stiegen aufgrund des Coronabestellbooms die Rücksendungen jedoch an. Waren es 2019 noch 301 Millionen Rücksendungen, liege für 2020 der Wert einer ersten Schätzung nach bei 315 Millionen. Der Zuwachs hat auch negative Auswirkungen auf die Umwelt: Die Bamberger Forscher hatten bereits 2019 – damals waren es „nur“ 280 Millionen Rücksendungen – herausgefunden, dass diese Retouren 238.000 Tonnen CO2-Äquivalente produziert hatten. Analog dürfte dieser Wert im Jahr 2020 bei 35 Millionen Rücksendungen mehr noch einmal deutlich nach oben geschnellt sein. Eine Umkehr des bedenklichen Trends ist nicht in Sicht: Laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom unter mehr als 1100 Internetnutzern bestellt jeder dritte Onlineshopper seit Ausbruch der Pandemie mehr im Netz. Mehr als vier Fünftel der Befragten gehen davon aus, dies nach der Krise beizubehalten.

Retouren nur noch als B-Ware verkäuflich

Der in Leipzig beheimatete Händlerbund veröffentlicht jedes Jahr Logistikstudien, in denen die teilnehmenden Onlinehändler auch zu Retouren befragt werden. Unter den Befragten bestätigten rund zwei Drittel, dass sie beschädigte Retouren erhalten würden. Unter allen Retouren seien 28 Prozent beschädigte Waren, die als B-Ware verkauft werden müssten. Der Preisabschlag betrage dafür durchschnittlich 39 Prozent – im Vorjahr lag dieser Wert mit 28 Prozent noch deutlich niedriger. 59 Prozent der befragten Verkäufer gaben an, dass sie durch Retouren ein Minusgeschäft machen würden, 37 Prozent meldeten, dass dies nicht der Fall sei. Deshalb sieht auch der Händlerbund – wie auch das Gros der Autoren der anderen zitierten Studien – eine hohe Retourenquote als negativ für Händler und Umwelt an.

Interview

Die Analyse der Retouren ist entscheidend

Dr. Georg Wittmann, Geschäftsführer Ibi Research an der Universität Regensburg GmbH, erklärt im Interview, was Onlinehändler tun können, um ihre Retourenquote zu senken.

Foto: Ibi Research

Hier geht’s zum Interview …