Arbeitsmarkt
3. Juni 2020 14:49  Uhr

Arbeitsmarkt steht weiter stark unter Druck

Die Coronakrise schlägt auf alle Bereiche des Arbeitsmarktes durch und übertrifft in vielen Punkten die Finanzkrise von 2008/2009. Die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern stabilisiert sich leicht.

Die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg veröffentlicht monatlich Statistiken über den Arbeitsmarkt in Deutschland. Foto: doganmesut – adobe.stock.com


Nürnberg/Regensburg. „Der Arbeitsmarkt ist wegen der Corona-Pandemie weiterhin stark unter Druck. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind auch im Mai gestiegen, allerdings nicht mehr so stark wie im April. Bei der Beschäftigung sind erste Spuren sichtbar. Die Kurzarbeit hat das Niveau der Krise von 2009 deutlich überschritten. Die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern ist weiterhin rückläufig, hat sich aber immerhin gefangen“, sagte Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit (BA), auf der monatlichen Pressekonferenz zur Situation auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland und in den Regionen. Die Arbeitslosenzahl ist von April auf Mai infolge der Coronakrise erneut kräftig gestiegen, wenn auch nicht mehr so stark wie im Vormonat. Mit 2.813.000 liegt sie 169.000 höher als im Vormonat. Saisonbereinigt entspricht das einem Zuwachs um 238.000. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Arbeitslosenzahl um 577.000 erhöht. Die Arbeitslosenquote steigt um 0,3 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent und verzeichnet auch im Vergleich zum Mai des vorigen Jahres ein Plus von 1,2 Prozentpunkten.

Arbeitgeber agieren vorsichtig

Auch in Bayern ist die Arbeitslosigkeit weiter gestiegen: So waren im Mai 290.580 Frauen und Männer im Freistaat arbeitslos gemeldet. Das sind laut Bundesagentur für Arbeit 18.727 Betroffene. Gegenüber Mai vergangenen Jahres beläuft sich der Anstieg auf 44,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt 3,8 Prozent. Im Agenturbezirk Regensburg, dazu gehören Regensburg Stadt/Land, Kelheim und Neumarkt, sind im Berichtsmonat 10.858 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Das sind 795 Personen oder 7,9 Prozent mehr als im Vormonat und 3.002 oder 38,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote beträgt aktuell 3,0 Prozent und liegt damit 0,1 Prozentpunkte über Vormonat und 0,8 über dem Prozentwert des Mai letzten Jahres.

„Unsere Wirtschaft ist momentan geprägt von den einschneidenden Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Auch wenn die Einschränkungen nach und nach gelockert werden und die Produktion hochfährt, wird es weiterhin zu Beeinträchtigungen der Lieferketten kommen, wodurch der Handel eingeschränkt bleibt“, erklärt Johann Beck, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Regensburg, die verhaltene Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Die Unternehmen agierten verständlicherweise vorsichtig. „Wenn in den nächsten Wochen die Infektionszahlen stabil bleiben und kein erneuter Shutdown zu befürchten ist, wird die Sicherheit in den Unternehmen zunehmen. Das wird sich dann auch auf den Arbeitsmarkt auswirken, man wird schrittweise wieder Personal aufstocken“, so Beck. Ein Lichtblick sei auch der Ausbildungsmarkt im Agenturbezirk Regensburg: „Wir verzeichnen nach wie vor ein größeres Angebot an Ausbildungsstellen, als wir Bewerber hierfür haben. Dies lässt die positive Hoffnung zu, dass sich zumindest am Ausbildungsmarkt die negativen Auswirkungen des Shutdown in Grenzen halten.“

Kurzarbeit steigt weit über die Werte von 2008/2009

Die Unterbeschäftigung – unter dem Begriff werden die Arbeitslosen summiert, aber auch diejenigen Personen, die im Sinne des Sozialgesetzbuches nicht als arbeitslos gelten oder sich in einem arbeitsmarktpolitischen Sonderstatus, wie zum Beispiel in Weiterbildung oder Altersteilzeit, befinden – hat sich gegenüber dem Vormonat um 170.000 erhöht. Damit wächst die Unterbeschäftigung weniger stark als die Arbeitslosigkeit. Dies liegt zu einem großen Teil daran, dass wegen der Kontaktbeschränkungen Angebote der Arbeitsmarktpolitik nicht zum Einsatz kamen. Insgesamt lag die Unterbeschäftigung im Mai 2020 bei 3.573.000 Personen. Das waren 383.000 mehr als vor einem Jahr. Im Agenturbezirk Regensburg kommen zu den 10.858 als arbeitslos gemeldeten Personen, weitere 3.353 Personen in Unterbeschäftigung. Damit gelten insgesamt 14.211 Männer und Frauen als unterbeschäftigt. Das sind 521 Personen oder 3,8 Prozent mehr als im Vormonat und 2.302 oder 19,3 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Vor Beginn der Kurzarbeit müssen Betriebe Anzeige über den voraussichtlichen Arbeitszeitausfall erstatten. Nach aktuellen Daten zu geprüften Anzeigen wurden bundesweit vom 1. bis einschließlich 27. Mai für 1,06 Millionen Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt, nach zusammen 10,66 Millionen im März und April. Das heißt aber nicht, dass diese Menschen schlussendlich auch alle kurzarbeiten werden. Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis März zur Verfügung und umfassen damit zeitlich den ersten Monat der Verschärfung der Corona-Krise. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im März für 2,02 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit lag damit schon im März weit über den Werten zur Zeit der Rezession 2008/2009.

Stellenneumeldungen haben sich im April etwas gefangen

Die Coronakrise hat auch zu einem Rückgang der Erwerbstätigkeit geführt: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat sich die Zahl der Erwerbstätigen im April saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 275.000 verringert. Mit 44,90 Millionen Personen fiel sie im Vergleich zum Vorjahr um 218.000 niedriger aus. Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften ist infolge der Corona-Krise ebenfalls massiv zurückgegangen. Im Mai waren 584.000 Arbeitsstellen bei der BA gemeldet, 208.000 weniger als vor einem Jahr. Saisonbereinigt hat sich der Bestand der bei der BA gemeldeten Arbeitsstellen um 44.000 verringert. Die Stellenneumeldungen haben sich nach dem starken Einbruch im April aber etwas gefangen – auch im Agenturbezirk Regensburg. Hier haben die Arbeitgeber im Berichtsmonat 771 Arbeitsstellen gemeldet. Das sind 140 Ausschreibungen oder 22,2 Prozent mehr als im Vormonat, jedoch 497 oder 39,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Seit Jahresbeginn wurden 4.791 Stellen gemeldet. Das sind 2.001 Angebote oder 29,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Mit 5.166 offenen Stellen umfasst der Bestand 464 Vakanzen oder 8,2 Prozent weniger als vor einem Monat und 1.055 oder 17,0 Prozent weniger als im Mai letzten Jahres. (wz/bu)