Innovationspreis: Monatssieger April
5. Mai 2022 5:49  Uhr

Das eigene Bett wird zum Schlaflabor

Die Volkskrankheit Schlafstörung wird neu adressiert: Mit innovativer Radartechnologie, die Daten zuverlässig und anonym auswertet, sagen Infineon und Sleepiz Schlafstörungen den Kampf an.

Schnarchen ist nicht nur für die Partnerschaft eine Belastungsprobe: Eine der häufigsten Folgen auch für die Betroffenen selbst ist die Tagesmüdigkeit, die den Alltag schwer belasten kann. Foto: Yakobchuk Olena – stock.adobe.com

Von Robert Torunsky

REGENSBURG/MÜNCHEN/ZÜRICH. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge leiden allein etwa eine Milliarde Menschen an Schlafapnoe, also nächtlichen Atemaussetzern. Sie können zu verschiedenen Beschwerden wie Schnarchen, Reizbarkeit, Kopfschmerzen und Tagesmüdigkeit, aber auch zu gravierenden gesundheitlichen Folgen wie Herzproblemen oder Diabetes führen. Abhilfe zu verschaffen, war bislang schwierig: Die Diagnose von Schlafapnoe erfordert oft die Beobachtung eines Patienten in einem Schlaflabor. Dieser Aufwand ist nun durch eine Innovation nicht mehr nötig: Infineon, ein weltweit führender Anbieter von Halbleiterlösungen, bietet in Kooperation mit der Sleepiz AG, einem Schweizer Unternehmen für digitale Gesundheit, eine Lösung für eine einfach zu bedienende Schlafüberwachung zu Hause an. Der Clou: Das System kann in jedes vernetzte Smart-Home-Gerät integriert werden. Es basiert auf der Infineon-Xensiv-60-GHz-Radartechnologie und den wissenschaftlich geprüften Algorithmen von Sleepiz. Die Lösung wird von Medizinern bereits heute erfolgreich eingesetzt.

Kooperationen als Treiber für Innovationen

„Infineon treibt Neuerungen voran, die das Leben der Menschen verbessern. Wir arbeiten gern mit hochinnovativen Start-ups zusammen“, sagt Jörg Recklies, der Sprecher der Betriebsleitung von Infineon am Standort Regensburg. Partner Sleepiz hat von Anfang an auf Infineon-Radarsensoren gesetzt: Um höchsten Qualitätsansprüchen für die medizinische Diagnose zu genügen, müssen sowohl Hardware als auch Software einwandfrei funktionieren. Der hochempfindliche Xensiv-Radarsensor von Infineon misst präzise und ohne Körperkontakt Vitaldaten wie Atem- oder Herzfrequenz. Komplexe Algorithmen des maschinellen Lernens von Sleepiz ermöglichen die Analyse dieser Vitaldaten. „Erforderlich ist nicht nur medizinisches Know-how, sondern insbesondere eine sehr hohe Datenqualität, die über die Qualität des Algorithmus entscheidet“, sagt Recklies. „Diese Daten wurden in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Kliniken in Europa erhoben, zum Beispiel mit der Charité in Berlin oder der Ruhrlandklinik Essen.“ Im Ergebnis können damit nun wertvolle Erkenntnisse über Schlafmuster oder eine mögliche Schlafapnoe gewonnen werden.

Radarsensor erkennt Bewegungen im Submillimeterbereich

Davor müssen zahlreiche Daten erfasst werden. Der Radarsensor von Infineon ermöglicht die Erkennung von Bewegungen im Submillimeterbereich und kann durch Materialien wie zum Beispiel eine Bettdecke hindurch messen. Dank eines hohen Signal-Rausch-Verhältnisses kann die genaue Messung über einige Meter hinweg gewährleistet werden. Vitaldaten wie Atemfrequenz, Atemmuster und Herzfrequenz können damit genau erfasst werden. Anonymität ist dabei gewährleistet: „Eine Kamera ist nicht vonnöten. Das schützt die Privatsphäre“, sagt Recklies. Die aufgezeichneten Daten werden anonym behandelt und verschlüsselt in einer Cloud gespeichert. Der Zugang zu den Daten kann mit dem Arzt des Nutzers geteilt werden, um die beste Therapie zu bestimmen.

Mehr Daten, weniger Aufwand durch Dauermonitoring

Infineon und Sleepiz haben mit ihrer Innovation einen neuen Markt für hochpräzise Schlafüberwachungslösungen eröffnet. Im Gegensatz zu einem Besuch im Schlaflabor kann das Monitoring über einen längeren Zeitraum hinweg von daheim aus erfolgen. Damit ergibt sich laut Recklies ein differenzierteres Bild. „Die Nutzer werden in die Lage versetzt, durch das fortlaufende Feedback die Schlafqualität langfristig zu verbessern. Mit den generierten Daten erlangen sie konkrete Einsichten in ihr Schlafverhalten und können positiv darauf einwirken, indem sie ihr Verhalten anpassen.“ Die Radarlösung kann dank ihres kleinen Formfaktors problemlos in verschiedene Smart-Home-Geräte integriert werden. „Das kann ein smarter Lautsprecher oder eine Bettlampe sein. Wir arbeiten daran, dass diese Funktionalität in Zukunft mehr Menschen zur Verfügung steht“, so Recklies. Infineon arbeite kontinuierlich an der Weiterentwicklung seiner Sensoriklösungen, einschließlich der Software. „Ein Zukunftsthema im Bereich Schlafmonitoring ist die vorausschauende Gesundheitsanalyse. Sie betrachtet Risikofaktoren für künftige Erkrankungen und ermöglicht damit die Prävention von Krankheiten. Die Therapie beginnt also, bevor das erste Symptom auftritt.“ Bis dahin vergehen aber noch einige Nächte. Durch die aktuelle Innovation von Infineon und Sleepiz profitieren aber viele Menschen und auch deren Partner und Mitmenschen von verbessertem Schlafverhalten.