WZ-Forum
9. März 2021 6:02  Uhr

Das Mindset jedes Einzelnen ist entscheidend

Pia Burkarth, Corporate Controllerin bei G+D, referiert beim Wirtschaftszeitung Forum am 25. März virtuell über „New Work in Controlling & Finance: Zeit für innovative Interaktion“.

Pia Burkarth ist am 25. März zu Gast beim WZ-Forum. | Foto: Max Reinwald

Von Robert Torunsky

Frau Burkarth, die Coronapandemie hat dem Thema Homeoffice einen neuen Stellenwert verschafft. Zu welchen Herausforderungen hat dies bei G+D geführt?

Pia Burkarth: Da wir auch ein produzierendes Unternehmen sind, mussten die Kollegen an den Produktionsstandorten vor Ort sein. Auch in den Bereichen IT, Corporate Tax und Forschung & Entwicklung war mitunter kein Homeoffice möglich. Deshalb mussten schnell Hygienekonzepte ausgearbeitet und umgesetzt werden. Bei den Büroarbeitsplätzen gab es teilweise auch schon vor Corona die Möglichkeit, vom Homeoffice aus zu arbeiten. Mit Corona mussten alle Berufe und Tätigkeiten, bei denen die Möglichkeit gegeben war, ad hoc ins Homeoffice verlagert werden. Speziell für unsere IT war das eine große Herausforderung. Da mussten VPN-Zugänge beantragt und für stabile Verbindungen für den Zugriff auf die lokalen Server gesorgt werden. Das hat alles sehr gut funktioniert.

Daraus hat sich aber eine neue Herausforderung, Remote Leadership, also Mitarbeiterführung auf Distanz, ergeben, oder?

Absolut. Das mobile Arbeiten stellt ganz neue Anforderungen an Führungskräfte, etwa den Teamgeist und die Motivation der Mitarbeiter im Homeoffice aufrechtzuerhalten. Zu Remote Leadership kommt auch die digitale Zusammenarbeit zwischen Führungskräften und Mitarbeitern und im Kollegenkreis. Dafür haben wir neben E-Mails zunächst Skype for Business und seit Dezember 2020 Microsoft Teams genutzt. Die Videokonferenzen verbessern die digitale Zusammenarbeit durch den persönlichen Touch doch erheblich. Der bislang aus dem Büro gewohnte spontane Austausch fehlt vielen Kollegen. Deshalb muss dafür gesorgt werden, dass allen Kollegen die relevanten Informationen zugehen. Diesbezüglich ist deutlich mehr Aktivität seitens der Führungskräfte, aber speziell auch innerhalb der Teams und Projektgruppen gefordert als vor Corona. Man muss sich nun einfach gezielter austauschen.

Wie fördert die Unternehmensleitung diese Prozesse?

Unser CEO Ralf Wintergerst hat die Initiative „Growing.Together“ ins Leben gerufen, die aus den vier Workstream genannten Projektteams „New Work“, „Mobile Work“, „Flexible Office“ und „Tools & Platforms“ besteht und die durch Corona entstandenen neuen Herausforderungen thematisiert. New Work beschäftigt sich beispielsweise damit, wie die Mitarbeiter im Homeoffice weiterhin sich G+D zugehörig fühlen. Bei Mobile Work geht es um die Neuregelung der Betriebsvereinbarungen zum mobilen Arbeiten. Flexible Office beschäftigt sich mit der künftigen Arbeitsplatzgestaltung zu Themen wie gemeinsame Schreibtische und Begegnungsflächen. Tools & Platforms ist so etwas wie die Basis für New Work, da Tools und Plattformen entscheidend dafür sind, sektorenübergreifend effizient zusammenarbeiten zu können.

Das mobile Arbeiten stellt ganz neue Anforderungen an Führungskräfte, etwa den Teamgeist und die Motivation der Mitarbeiter im Homeoffice aufrechtzuerhalten.

Apropos Effizienz: Ihr Vortrag im Wirtschaftszeitung Forum am 25. März thematisiert konzernweite Zusammenarbeit bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung und Kostenreduktion. Wie lassen sich diese Ziele realisieren?

Ein Beispiel sind einheitliche Tools, da so auch nur einmalige Lizenzkosten anfallen. Durch die Harmonisierung der Tool- und Plattform-Landschaft kann man das eine oder andere Tool abschalten. Das steigert gleichzeitig auch die Effizienz, da jeder sofort weiß, wo die entsprechenden Informationen verfügbar sind.

Welchen Stellenwert nimmt dabei der Verzicht auf Dienstreisen ein?

Das ist ein ganz essenzieller Punkt, gerade bei einem Konzern wie G+D, der 76 Gesellschaften in 33 Ländern hat. Wir haben uns das Ziel gesetzt, auch nach Corona die Reisekosten für interne Meetings signifikant gegenüber dem Niveau vor der Pandemie zu senken. Diese Einsparungen sollen sich durch alle Abteilungen, aber auch durch die Chefetage ziehen.

Wie schaffen es Unternehmensführung und Controlling, die Standorte und Mitarbeiter zu überzeugen?

Die neuen Arbeitsweisen bringen einen Wandel der Unternehmenskultur mit sich. Das ist ein großer Change-Prozess, schließlich müssen sich Mitarbeiter von Gewohnheiten verabschieden. Dafür ist das Mindset, die Einstellung jedes Einzelnen entscheidend, schließlich haben einige Kollegen naturgemäß Vorbehalte gegenüber der Digitalisierung, da sie um ihren Arbeitsplatz fürchten. Ein ganz wichtiger Punkt ist deshalb sicherlich, dies vorzuleben und die Mitarbeiter von den Vorzügen zu überzeugen. Auf der anderen Seite soll sich dies auch in den Zielvereinbarungen und Incentives widerspiegeln und dadurch zusätzliche Anreize schaffen.

Pia Burkarth spricht als Keynote Speakerin am 25. März beim Wirtschaftszeitung Forum Controlling. Weitere Informationen zur Veranstaltung und zu Anmeldemöglichkeiten finden sich hier.

Pia Burkarth

Pia Burkarth arbeitet als Financial Controller im Corporate Controlling von Giesecke+Devrient (G+D). Im Konzerncontrolling verantwortet sie den Forecast- und Budgetprozess und agiert als Expertin für die Konzeption und Implementierung eines konzernweiten Planungstools. Im Bereich Risikomanagement nimmt sie die Rolle des Corporate Risk Managers wahr und ist die zentrale Ansprechpartnerin für themenspezifische Fragestellungen. Zudem erstellt sie die Risikoberichterstattung an interne und externe Stakeholder.