Zukunftsmuseum
1. Oktober 2021 11:22  Uhr

Dem Altern Einhalt gebieten

Mensch und Technik verschmelzen in der Zukunft immer mehr zu einer Einheit: In der Themenwelt „Körper und Geist“ geht es auch um ethische Aspekte des Machbaren.

In der Themenwelt „Körper und Geist“ werden auch ethische Auswirkungen neuer Technologien auf dem Gebiet der Medizin beleuchtet. | Foto: Thomas Tjiang

Von Thomas Tjiang

NÜRNBERG. Die Themenwelt „Körper und Geist“ erzählt von dem Traum, mit modernen Technologien die Krankheiten in der Welt zu besiegen und dem Altern des menschlichen Körpers Einhalt zu gebieten. Die Prothetik beispielsweise ist mittlerweile weit fortgeschritten. Fehlende Gliedmaßen können schon jetzt technisch ersetzt werden. Bei den Paralympischen Spielen lassen sich diese medizinischen Leistungen ebenso bewundern wie in Kriegsgebieten, in denen die Prothetik den Versehrten wieder ein halbwegs normales Leben ermöglicht.

Was macht den Menschen zum Menschen?

Solche Errungenschaften gehören zu den eindeutigen Vorteilen moderner Medizintechnik und Biotechnologie. Andere Themen laden aber auch zur kontroversen Diskussion über ethische Grenzen der Medizin ein. Dabei geht es beispielsweise um die Fragen, was einen Menschen zum Menschen macht und wo die Grenzen des Möglichen liegen. Besonders offensichtlich ist das etwa an der sogenannten Ohrmaus, einem Mausmodell mit einem auf dem Rücken wachsenden, menschlichen Ohr aus den 1990er-Jahren. Das war damals noch kein genetisches Verfahren, sondern es wuchsen Knorpelzellen eines Rindes in einem vorgefertigten Gerüst. Das Ohr selbst allerdings wurde nie auf einen Menschen verpflanzt.

Heute könnte eine Genschere dabei helfen, ein Wunschbaby zu planen. Wer Nachwuchs wünscht, der intelligent, neugierig und emotional stabil in die Welt hineinwächst, müsste allerdings 250.000 Euro aufbringen, verrät der begleitende Kostenrechner. Das wirft die Frage auf, wie viel menschliche Eigenschaften per genetischem Eingriff vorab gestaltet werden sollten.

Eine Welt voller Wunschbabys

Die neuen Optionen der pränatalen Diagnostik illustriert das Zukunftsmuseum an einer Mitmachvitrine, in der 15 gleiche Pflanzen wachsen. Besucher können die Pflanze, die ihnen am wenigsten gefällt, virtuell aussortieren und vernichten. So lassen sich die neuen Untersuchungsmethoden vor der Geburt diskutieren, die immer auch mit der umstrittenen Frage „Sollen werdende Eltern dieses Kind austragen?“ verknüpft ist.

Die medizinische Datenwelt hingegen bietet große Chancen bei der telemedizinischen Diagnostik von Unfallopfern: Auf Knopfdruck werden Knochenbrüche übertragen. Gesundheitsdaten können auf Trimmrädern genutzt werden, um nach der sportlichen Leistungsfähigkeit den passenden Lebenspartner zu finden.