Außenhandel
8. November 2021 5:56  Uhr

Den Fuß schon lange in der Region Indopazifik

Der indopazifische Wirtschaftsraum ist in aller Munde. Nach Deutschland 2020 hat im September nun auch die EU eine eigene Indopazifik-Strategie aufgelegt. Für Ostbayern ist die Region kein Neuland mehr.

Die Boomregion Indopazifik ist gerade für das exportstarke Deutschland von großer Bedeutung. | Foto: mehdi – stock.adobe.com

Von Rebecca Sollfrank

REGENSBURG/HAIPHONG. Wenn der junge vietnamesische Autohersteller VinFast im kommenden Jahr die ersten eigenen Elektroautos auch in Deutschland auf den Markt bringt, steckt darin ein Stück weit ostbayerische Ausbildungskompetenz, deren Basis bereits im Januar 2018 gelegt wurde. Knapp vier Jahre später ist die Region Indopazifik, die von der Ostküste Afrikas über Indien und Südostasien, Australien und Neuseeland bis zu den pazifischen Inseln reicht, in aller Munde. Nach Deutschland 2020 hat jetzt auch die EU im September 2021 eine eigene Indopazifik-Strategie aufgelegt.

Handel trifft Geopolitik

Zum einen erhofft man sich natürlich interessante neue Exportmärkte. Zum anderen muss sich die EU auch geopolitisch in diesem Bereich selbstbewusst positionieren. Nicht nur, um dem immer stärkeren Einfluss Chinas in dieser Weltregion etwas entgegenzusetzen, sondern auch, um gegenüber den derzeit hier sehr aktiven Playern USA und Australien nicht ins Hintertreffen zu geraten. „Dass sich die EU stärker mit der wirtschaftlichen Boomregion Indopazifik beschäftigt, ist für die auslandsaktiven deutschen Unternehmen von großer Bedeutung“, sagte dazu der DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier in einer aktuellen Meldung seines Hauses.

Mit über 400 Milliarden Euro macht das deutsche Handelsvolumen mit der Region jetzt schon fast zwei Fünftel des außereuropäischen deutschen Handelsvolumens gesamt aus. Der Regensburger IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes bestätigt im Interview mit der Wirtschaftszeitung, dass „die Mischung aus Beschaffungs- und Absatzmärkten für verschiedene Wirtschaftszweige auch ostbayerischen Unternehmen mannigfaltige Möglichkeiten“ eröffne.
Generell erhofft man sich durch neue Handelsabkommen mit den Pazifikanrainerstaaten ein diverseres Angebot an möglichen Lieferketten. Die Coronakrise und die chinesische Dominanz in Asien haben schmerzlich problematische Abhängigkeiten aufgezeigt, die bis tief in die ostbayerischen Wirtschaftsstrukturen durchschlagen.

In ihrem Fortschrittsbericht zur Umsetzung ihrer Indopazifik-Leitlinien wartet die Bundesregierung nach einem Jahr im September mit ersten Erfolgen auf. Nach acht Jahren Stillstand haben EU und Indien im Mai 2021 angekündigt, die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen wieder aufzunehmen. Für 2022 erwartet man den Abschluss des lange verhandelten Freihandelsabkommens mit Australien. Auch mit Neuseeland sieht man einen Abschluss um den Jahreswechsel als realistisch. Geopolitische Stabilisierung erhofft sich die EU unter anderem vom Investitionsabkommen CAI (Comprehensive Agreement of Investment) mit China. Ziel ist mehr Transparenz und weniger Protektionismus vonseiten Chinas.

Gemeinsame grüne Zukunft

In Sachen Klimaschutz und innovative Technologien sticht die Gründung eines deutsch-australischen Wasserstoffakkords im Juni 2021 hervor. Damit soll grüner Wasserstoff nicht nur als Schlüsseltechnologie, sondern auch als Wirtschaftsfaktor gefördert werden.

Das im August dieses Jahres in Singapur geschaffene regionale Deutschlandzentrum wiederum soll mit Informationskampagnen Desinformation über die deutsche Außenpolitik bekämpfen. Ein weiterer Punkt der deutschen Indopazifik-Strategie führt indirekt zurück nach Ostbayern. Ende 2020 hat man die Kooperation über die Reform des philippinischen beruflichen Bildungssystems bis 2023 verlängert. Ziel ist unter anderem die Implementierung der dualen Berufsausbildung in philippinische Praxis.

Die Regenstaufer Eckert Schools International haben hier im indopazifischen Raum schon 2018 vorgelegt. 18 Lehrer aus Vietnam kamen im Januar vor fast vier Jahren nach Regenstauf zu einem Train-the-Trainer-Programm. Drei Monate verbrachten sie in Ostbayern, weitere drei Monate gingen Eckert-Dozenten mit ihnen nach Haiphong/Vietnam. Im September 2018 startete der erste duale Jahrgang von Auszubildenden zum Industriemechaniker und Mechatroniker, die künftig wohl auch an den VinFast-Elektrofahrzeugen für den deutschen Markt mitbauen werden.

Interview

Diverse und dynamische Weltregion

Im Interview spricht Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, über die Bedeutung der Region Indopazifik für die Unternehmen in Ostbayern.

Hier geht’s zum Interview …