Interview
1. August 2021 16:46  Uhr

Anteil des Onlinevertriebs wird weiter steigen

Jörg Schlegel, Geschäftsführer der Stern-Center Regensburg GmbH & Co. KG, setzt auf Expansion, um den gestiegenen Anforderungen an die Autohändler zu begegnen.

Jörg Schlegel, Stern-Center Regensburg, Foto: Attila Henning

Von Robert Torunsky

Herr Schlegel, die Hersteller scheinen auf immer weniger, dafür größere Händler zu setzen. Ist das auch Ihre Erfahrung und zahlen die aktuellen Investitionen des Stern-Centers Regensburg auch darauf ein?

Jörg Schlegel: Deutlich gestiegene Anforderungen im Vertrieb und Service aufgrund der Variantenvielfalt, unterschiedlichen Antriebskonzepte aber auch insbesondere der zunehmenden Investitionen in die Digitalisierung zwingen alle deutschen Hersteller, auf größere und damit leistungsfähigere Händler beziehungsweise Händlergruppen zu setzen. Auch deshalb richtet das Stern-Center Regensburg seine Geschäftsfelder für die zukünftigen Herausforderungen neu aus.

Was sind die Schritte?

Im ersten Bauabschnitt wurde in der Benzstraße 23 unsere neue hochmoderne Nutzfahrzeugwerkstatt für Transporter, Lkw und Busse errichtet. Aktuell bauen wir eines der modernsten Mercedes-Benz PKW-Verkaufshäuser in der Benzstraße 2. Die Fertigstellung ist für Frühjahr 2022 geplant. In der Folge werden wir das Verwaltungsgebäude und einige Gebäudeteile entfernen und das Grundstück neu gestalten. Ende 2022 ist die Integration des heute in der Adolf-Schmetzer-Straße beheimateten Gebrauchtwagenstandorts in die Benzstraße 2-4 geplant. Auch in der bestehenden Pkw-Werkstatt sind größere Modernisierungen geplant. So entstehen unter anderem eine neue Waschanlage und ein neuer Fahrzeugaufbereitungsbereich. Ende 2023 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Dann haben wir in der Benzstraße 2-4 ein PKW-Kompetenzcenter für die Marken Mercedes, AMG und Smart und in der Benzstraße 23 unser Nutzfahrzeug-Kompetenzcenter für Transporter, Lkw und Busse.

Wie hat sich das Stern-Center Regensburg auf den sich verändernden Markt – speziell hinsichtlich des Werkstattgeschäfts – aufgestellt?

Wir haben mehrere Antriebskonzepte im Einsatz: Verbrenner, Hybrid, Vollelektrisch, Gas – aber auch das Thema Wasserstoff/Brennstoffzelle wird kommen. Die Herausforderungen liegen zum einen in der Schulung unserer Mitarbeiter. Dies passiert mittlerweile zu hohen Anteilen online. Wir setzen auf eine eigene Ausbildung mit einem extra Lehrausbilder und einer eigenen Lehrwerkstatt. Neben der Qualifizierung ist jedoch auch die Anschaffung der technischen Ausstattung für die Diagnose und Wartung der einzelnen Antriebskonzepte notwendig. Was gern unterschätzt wird, ist die Teilebevorratung, um möglichst unseren Kunden einen kurzen Werkstattaufenthalt zu ermöglichen. Wir haben zum Beispiel momentan einen Lagerbestand von rund 14.000 Teilen in einem Wert von 1,5 Millionen Euro auf Lager.

Welchen Stellenwert nehmen generell E-Fahrzeuge hinsichtlich des aktuellen Booms in den Planungen ein?

Der Anteil der elektrifizierten Fahrzeuge nimmt ständig zu. Dennoch besteht der überwiegende Teil an Fahrzeugen noch aus Verbrennungsmotoren oder Hybridtechnik. Die wichtigste Herausforderung wird die Schaffung einer ausreichenden Ladeinfrastruktur sein. Wir bauen deshalb ein eigene Trafostation, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

Welche Marktentwicklungen erwarten Sie in den kommenden Jahren?

Der Anteil am Onlinevertrieb im Pkw-Verkauf wird weiter steigen. Neben dem Ausbau von elektrischen Antrieben wird auch das Thema Wasserstoff und alternative Kraftstoffe Einzug halten. Im Bereich Werkstatt gehen wir davon aus, dass wir auch bei den Pkw zukünftig im Vorfeld wissen, was dem Fahrzeug fehlt und vermeiden damit außerplanmäßige Werkstattbesuche. Im Lkw-Bereich können wir das mit Hilfe von Online-Diagnosesystemen übrigens heute schon. Auch zu bestimmten Softwareupdates muss der Kunde nicht mehr in die Werkstatt. Durch den vermehrten Einsatz von Assistenzsystemen wird die Häufigkeit insbesondere größerer Unfälle weiter vermieden werden.