Bauwirtschaft
2. Mai 2022 6:08  Uhr

Der Bau steht vor wichtigen Aufgaben

Die Coronapandemie, die von den Auswirkungen des Ukrainekrieges noch verstärkte Lieferkettenproblematik sowie die außerordentlich unsichere, kaum vorhersehbare Preisentwicklung machen der Baubranche zu schaffen.

Die Baubranche in Deutschland setzt sich zusammen aus dem Bauhauptgewerbe und dem Ausbaugewerbe. Für das Bauhauptgewerbe wurden zuletzt 76.800 Unternehmen registriert. Jeder Betrieb beschäftigt im Schnitt zehn Mitarbeiter, nur 15 Unternehmen verfügen über 500 Mitarbeiter. Das Ausbaugewerbe umfasst 255.00 Betriebe mit 1,2 Millionen Beschäftigten. Foto: Panumas – stock.adobe.com

Von Gerd Otto

REGENSBURG/BERLIN. Mit rund 2,5 Millionen Beschäftigten, die das Statistische Bundesamt zuletzt ermittelt hat, und einem Umsatz von 444 Milliarden Euro kam das Baugewerbe in Deutschland nicht nur recht glimpflich durch die Coronapandemie. Dieser Bereich gilt vielmehr ganz grundsätzlich als ein bedeutsamer Wirtschaftszweig der deutschen Volkswirtschaft, zumal er mit vielen anderen Branchen und Handwerkszweigen eng verknüpft ist. So sehr die verschiedenen Verbände bei aller Vielfalt und regionalen Besonderheiten der Bauwirtschaft durchaus zusammenarbeiten, wurde erst in den letzten Tagen wieder deutlich, dass diese Kooperation keineswegs selbstverständlich ist – Stichwort: Baumindestlohn!

Bayerns Bauindustrie bedauert Ablehnung

Jedenfalls hat die bayerische Bauindustrie die vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und ihrem eigenen Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDI) getragene Ablehnung des Schlichterspruchs ausdrücklich bedauert. Der Schlichterspruch hätte die Bauwirtschaft zu dreimaligen Erhöhungen des Baumindestlohns in den nächsten Jahren verpflichtet. Danach ist der weitere Anstieg weitere zwei Jahre automatisch an die Inflationsrate gekoppelt. Während die Mehrheit der Arbeitgeberverbände die von Rainer Schlegel, dem Präsidenten des Bundessozialgerichts, vorgeschlagene Erhöhung ablehnte, weil sie zu einer „nicht zu rechtfertigenden Verteuerung einfachster Tätigkeiten im Baugewerbe“ führen würde, sprach der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Bauindustrieverbandes Thomas Schmid zwar auch von „massiven Lohnkostensteigerungen“. Seine Mitgliedsunternehmen aber hätten dies akzeptiert, gehe es ihnen jetzt doch vor allem um Ruhe und Berechenbarkeit auf der Lohnseite: „Sie wollen mit voller Kraft die anstehenden drängenden Bauaufgaben erledigen, und zwar gemeinsam mit ihren Beschäftigten, und nicht gegen ihre verständlichen Interessen.“

Volle Übereinstimmung herrscht in der Baubranche freilich darüber, dass man insbesondere mit Blick auf die Auswirkungen der Coronapandemie, der Lieferkettenproblematik, wie sie durch den Ukrainekrieg noch verstärkt sichtbar wurde, und nicht zuletzt rund um die Energiewende und den Fachkräftemangel vor beträchtlichen Herausforderungen stehe. Der Geschäftsführer des Landesverbands Bayerischer Bauinnungen für den Bezirk Oberpfalz, Christian Huber, verwies in diesem Zusammenhang auf die gewaltigen Preiserhöhungen bei Stahl, Holz und Holzwerkstoffen oder auch Schäumen, Trockenbauprofilen und etwa aus Erdöl verarbeiteten Baumaterialien wie Dämmstoffe, Rohre, Folien und Bitumen. Als sehr transportintensive Branche sei die Baubranche auch von den Preissteigerungen bei Kraftstoffen hart betroffen.

Ein Fall von „höherer Gewalt“

Rechtlich könne man hier durchaus von einem Fall der „höheren Gewalt“ sprechen. Zudem sei es derzeit völlig unklar, ob die aktuellen Preise auf dem hohen Niveau bleiben, sogar noch weiter steigen oder wieder fallen werden. Erschwerend komme noch hinzu, dass zwischen dem Angebot des Bauunternehmens und dem tatsächlichen Baubeginn oft Wochen oder Monate vergehen, in denen sich die Preise erheblich verändern können.

Mehr als 10 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts werden für Baumaßnahmen verwendet. Gleichzeitig erbringt das Baugewerbe mehr als 6 Prozent der gesamten Wertschöpfung. Die kleineren Betriebe mit bis zu 19 Beschäftigten erwirtschaften nahezu zwei Drittel des Umsatzes, und dies hauptsächlich im Wohnungsbau. Insgesamt entfallen auf den Wohnungsbau 38 Prozent, auf den Wirtschaftsbau 35 Prozent sowie 17 Prozent auf den Öffentlichen Bau.