Umwelt
1. Februar 2021 6:00  Uhr

Der Geschmack von Erde in der Brottüte

Gesunder Boden, gutes Brot: Nach dieser Devise hat der Verein Die Freien Bäcker e. V. die Aktion Boden-Brot gestartet. Mit dem Erlös soll eine Bildungsinitiative gestartet werden.

Für Vielfalt auf dem Acker stehen auch besondere Getreidesorten wie etwa Emmer. Foto: ©Cavan – stock.adobe.com

Von Mechtild Nitzsche

HANNOVER/REGENSBURG. Der Zustand der Böden schafft es selten in die Schlagzeilen. Am ehesten gerät er bei extremen Hochwasserereignissen oder im Zusammenhang mit der zunehmenden Bodenversiegelung kurz in den Fokus, um schnell wieder in der medialen Versenkung zu verschwinden. Das Problem der anhaltenden Bodendegradation dagegen wird noch immer vor allem in Fachkreisen diskutiert.

Vielfalt in Acker und Brotregal

Dem Boden die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die er verdient, hat sich die Regensburger Interessengemeinschaft gesunder Boden zur Aufgabe gemacht. Nun erhält die IG Unterstützung von einer Bäckerinitiative: Die Freien Bäcker e. V. bringen den Menschen das Thema Bodengesundheit so nah, wie es überhaupt geht – bis auf den Teller: Mit der Aktion Boden-Brot will der Verein auf den Zusammenhang zwischen gesunden, mikrobiell aktiven Böden, gesundem Getreide, gesundem Brot und einer gesunden regionalen (Land-)Wirtschaft aufmerksam machen. Im Zeitraum von 16. Januar bis 27. Februar werden im Rahmen der Aktion spezielle Boden-Brote verkauft, gebacken von Handwerksbäckereien, die aktiv die Ziele der Aktion unterstützen. Die Brote werden aus Getreide gebacken, das direkt von regionalen Erzeugern, Erzeugergemeinschaften oder Mühlen stammt, und stehen für die Vielfalt auf und im Ackerboden und im Brotregal.

Backen ohne industriellen Input

Die Freien Bäcker e. V. gründeten sich 2011 als unabhängige Berufsorganisation handwerklich arbeitender Bäcker und Konditoren in Hannover. „Unsere Mitglieder backen so, wie der Konsument denkt, dass alle Bäcker backen“, erklärt die Vereinsvorsitzende Anke Kähler. „Also ohne industriellen Input, ohne komplexe Backmittel, technische Enzyme oder fertige Teiglinge. Unsere Bäcker wollen abends zufrieden aus der Backstube gehen und ihre Arbeit als sinnstiftend erleben.“ Unter dem Motto „Zeit für Verantwortung“ sei der Vereinszweck, Wissen zu erhalten und weiterzuentwickeln, so Kähler: „Wir wollen nicht backen wie unsere Urgroßväter, sondern nach dem neuesten Stand des Wissens und Könnens. Doch unser Anliegen ist es, das Verfahren an den Rohstoff anzupassen – und nicht umgekehrt.“

Tüten für 320.000 Boden-Brote ausgegeben

44 Bäckereien nehmen an der Aktion teil, darunter auch neun aus Bayern. Laut Kähler wurden im Vorfeld 320 000 Tüten ausgegeben – und die Teilnehmer hätten sich eine unglaublich große Vielfalt an speziellen Boden-Broten einfallen lassen. Von ihnen wird nun täglich eines auf der Vereinswebsite www.die-freien-baecker.de vorgestellt. Pro verkauftem Boden-Brot spenden die teilnehmenden Betriebe einen Euro an die in Gründung befindliche gemeinnützige Organisation Atelier Ernährungswende gUG. Das Ziel ist, interessierte Menschen aus verschiedenen Netzwerken durch ausgewiesene Bodenexperten in Workshops zu den unterschiedlichen Aspekten zum Thema Boden zu qualifizieren. Im Anschluss sollen sie wiederum ihr Wissen weitergeben. Vor allem Berufsschulen sowie Auszubildenden und Mitarbeitern in Betrieben des Lebensmittelhandwerks soll die Durchführung von Veranstaltungen zum Thema Boden angeboten werden, da dieser Themenkomplex in den Lehrplänen nicht vorkommt.

Konsumenten als Forscher

Nicht zuletzt regt die Aktion Boden-Brot auch die Neugier der Konsumenten an, denn, so Kähler: „Statt immer nur Hiobsbotschaften zu verbreiten, wollen wir zeigen, wo jeder einzelne etwas tun kann.“ Und so findet sich auf der Brottüte unter anderem auch ein Aufruf des Senckenberg Museums für Naturkunde in Görlitz, sich an einer Kartierung des Bodens zu beteiligen. Ziel ist es, einen möglichst umfassenden Überblick über den Zustand der Böden in Deutschland zu bekommen.

Interview

Den Wert der Lebensmittel neu schätzen lernen

Simon Fink, Inhaber und Betreiber des Finkennests im oberbayerischen Zillham, setzt in seinem Betrieb auf Getreide aus eigenem Anbau und auf umfassende Kundeninformation. Im Interview erklärt er, warum er die Aktion Boden-Brot unterstützt.

Foto: Simon Fink

Hier geht’s zum Interview …