Interview
12. Mai 2020 13:26  Uhr

„Der große Exodus muss verhindert werden“

Alexander Rupprecht, Geschäftsführer der R-Tech GmbH, Betreiber der Techbase Regensburg, spricht über die Folgen der Coronakrise – und über die Hoffnung, die er in die Innovationskraft von Gründerfirmen in Krisenzeiten setzt.

Alexander Rupprecht, Geschäftsführer der R-Tech GmbH, sieht die staatlichen Sofortmaßnahmen wie Kurzarbeit und Soforthilfen positiv. Dennoch rechnet er mit einer Marktbereinigung infolge der Coronakrise. Die Techbase unterstützt ihre Gründer mit eigenen Initiativen und Formaten. Foto: Istvan Pinter

Von Robert Torunsky

Herr Rupprecht, wie hart trifft die Corona-Krise die Start-ups?

Alexander Rupprecht: Bei einer Umfrage des Bundesverbandes der Start-ups gaben über 70 Prozent der Befragten an, durch die Krise existenziell bedroht zu sein. Dieses Szenario ist nicht unrealistisch, denn nur wenige Start-ups verfügen über große Rücklagen, mit denen sie sich lange über Wasser halten können. Mit den Sofortmaßnahmen wie Kurzarbeit und Soforthilfe können sie die ersten Monate überbrücken, aber eine drohende Wirtschaftskrise wird viele wirtschaftlich an die Wand drücken. Auch Start-ups mit externen Investoren werden sich schwer tun, neue Finanzierungsrunden abzuschließen. Trotz der Hilfsmaßnahmen wird es also eine gewisse „Marktbereinigung“ geben.

Gibt es branchenbedingte Unterschiede?

Absolut. Wer beispielsweise in Tourismus, Gastronomie oder Handel tätig ist, wird sehr hart getroffen. Digitale Dienstleistungen und Projekte laufen dagegen meist normal weiter. Dies hat auch eine Umfrage bei den Unternehmen der Techbase ergeben. Allerdings geht auch hier der Blick vielfach sorgenvoll Richtung 2021. In die Zukunft gedacht, führt eine Krise mit großen gesellschaftlichen Problemen zu großen Veränderungen, also auch zu neuen Chancen und Produkten. Denn Krisen beflügeln den Erfindergeist. Das heißt, die Unternehmen passen ihre Geschäftsmodelle an und wir werden auch wieder neue Gründungen sehen. Das stimmt mich zuversichtlich.  

Wie hilft hier die Techbase beziehungsweise die Digitale Gründerinitiative Oberpfalz?

Wir informieren die Unternehmen regelmäßig über die laufenden Förder- und Hilfsprogramme, in engem Austausch mit der Stadt Regensburg. Wir haben auch selbst gemeinsam mit Experten aus unserem Netzwerk eine Webinar-Reihe mit aktuellen Themen aufgesetzt, beispielsweise zu Steuerentlastungen oder Förderprogrammen für Technologieprojekte. Da das reale „Netzwerken“ und Kontakteknüpfen aktuell kaum möglich ist, haben wir mit „Pitch & Match“ ein neues digitales Format entwickelt, bei dem wir etablierte Unternehmen mit Start-ups vernetzen.

Wie lief die erste Veranstaltung?

Am 19. Mai pitchten dieses Mal die großen Unternehmen und die Start-ups durften lauschen. Anschließend konnte man in virtuellen Räumen individuell Kontakte knüpfen und Geschäfte machen. Zusätzlich starten wir über unsere Social-Media-Kanäle eine neue Porträtreihe mit den Mietern der Techbase und im April haben wir den neuen Podcast „Gründerlift“ initiiert, bei dem Start-ups über ihre Geschäftsidee und ihre Erfahrungen berichten. Ansonsten werden unsere Mieter, die durch Corona in eine finanzielle Notlage geraten, von uns individuell betreut und beraten.

Stichwort Zukunftsfonds: Sind die zehn Milliarden Euro noch ausreichend oder sollte die Regierung nachbessern?

Zunächst ist es positiv zu bewerten, dass innerhalb kürzester Zeit diverse Hilfsprogramme entwickelt wurden und die notwendigen Mittel dafür bereitgestellt werden. Da geht es ja auch um Steuererleichterungen, Kurzarbeit oder die Soforthilfe. Hier muss man auch der Regierung der Oberpfalz und der Stadtverwaltung ein großes Lob aussprechen. Ohne große Vorbereitungszeit wurden quasi im Akkord Soforthilfen für Tausende Unternehmen genehmigt. Das sieht der einzelne Unternehmer ja nicht, welcher Aufwand dahinter steckt. Ansonsten kommt es nicht allein auf die bloße Größe des Pakets an, sondern darauf, dass die Hilfe unbürokratisch und schnell abgerufen werden kann. Was helfen zehn Milliarden Euro vom Bund oder auch 25 Milliarden von der EU, wenn das Geld nicht bei den Firmen ankommt?

Wo drückt der Schuh konkret?

Bei den Kreditprogrammen der KfW haben die Bonitätsprüfungen der Kreditinstitute viel Zeit in Anspruch genommen. Zeit, die viele Unternehmen leider nicht haben. Ich verstehe aber auch, dass man das Geld nicht völlig blind verteilen will. Es sind öffentliche Gelder und die sollten nur dahin fließen, wo sie auch benötigt werden.

Müssen die sogenannten Mitnahmeeffekte in Kauf genommen werden?

Wir müssen davon ausgehen, dass es gewisse Mitnahmeeffekte geben wird. Wichtiger ist aktuell, den großen Exodus an Firmen zu verhindern, denn die Folgekosten wären weitaus höher. Bei aller notwendigen Hilfe müssen die Gründer aber natürlich auch ihr eigenes Liquiditätsmanagement optimieren.