Finanz- und Vermögensberatung
24. November 2021 5:56  Uhr

Der „kleine Unterschied“ beim Anlageverhalten

Wenn’s ums Geld geht, sind zwischen Männern und Frauen durchaus Unterschiede erkennbar: Anlegerinnen setzen stärker auf Sicherheitsaspekte als auf höhere Erträge.

Frauen sind in Sachen Wertpapiere deutlich weniger engagiert als Männer. Steigen sie allerdings in diese Form der Geldanlage ein, agieren sie vorausschauender – und sind damit insgesamt erfolgreicher als Männer. | Foto: contrastwerkstatt – stock.adobe.com

Von Gerd Otto

REGENSBURG. Ob nun Frauen oder Männer die besseren Finanzjongleure sind, ist eine Frage, die wohl am wenigsten mit geschlechtsspezifischen Eigenschaften zu tun hat. Vielmehr lassen sich hinter den durchaus vorhandenen Unterschieden im Anlageverhalten ganz konkrete Daten und Entwicklungsprozesse des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfelds festmachen. Hinsichtlich des Geschlechts unterscheiden sich vor allem die Rahmenbedingungen, vor deren Hintergrund die Weichen für die Geldanlage, den Vermögensaufbau oder auch die Altersvorsorge gestellt werden müssen.

In Sachen Altersvorsorge „überraschend optimistisch“

Frauen verfügen im Durchschnitt über weniger Einkommen als Männer, da sie in geringerem Maße berufstätig, häufiger auch in Teilzeit beschäftigt sind und dies oft in schlechter bezahlten Berufen. Trotz dieser ungünstigen Voraussetzungen, so der Bundesverband deutscher Banken mit Blick auf eine von ihm in Auftrag gegebene Meinungsumfrage, geben sich Frauen hinsichtlich ihrer finanziellen Sicherheit im Alter „überraschend optimistisch“. 70 Prozent der Befragten sind der Überzeugung, ihre Absicherung sei gut oder sogar sehr gut, während dieser Wert bei den Männern nur 64 Prozent ausmacht.

Mit Blick auf das Sparverhalten und insbesondere hinsichtlich der verschiedenen Geldanlageprodukte unterscheiden sich Frauen von Männern ganz wesentlich in einem Punkt: Sie setzen in erkennbar geringerem Maße auf Wertpapiere. Während nach der Umfrage des Bankenverbands 27 Prozent der befragten Männer über Aktien oder Aktienfonds verfügen, sind dies bei den Frauen nur 18 Prozent. Befragt nach den für sie entscheidenden Kriterien, stufen 74 Prozent der Frauen den Aspekt „Sicherheit“ als besonders wichtig ein, während Männern das Kriterium „Rendite“ von höherer Priorität erscheint. Die Verfügbarkeit des Anlagekapitals wird wiederum von Frauen mehr geschätzt als von Männern. Die unterschiedliche Risikopräferenz haben die Autoren der Studie quasi per Nachfrage ermittelt. Mit einem höheren Anlagerisiko gegebenenfalls mehr Rendite zu erzielen – diese Option schlossen 60 Prozent der Frauen kategorisch aus, während unter Männern nur 48 Prozent nichts davon wissen wollten.

Auf Niedrigzinsen kaum reagiert

Schaut man europaweit auf die Anlagen am Kapitalmarkt, dann hat auch das Income-Barometer von J. P. Morgan Asset Management einen deutlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern ermittelt. In Österreich, Belgien, Großbritannien, Italien, Spanien und Deutschland zusammen, so das Ergebnis der repräsentativen Befragung durch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg, investiert jedenfalls nur jede fünfte Frau am Kapitalmarkt, während bei den Männern mit über 30 Prozent immerhin fast jeder Dritte auf diesem Gebiet aktiv ist. Mehr als 21 Prozent der Frauen und damit um zehn Prozentpunkte über dem Wert für die Männer, sprechen sich im Übrigen für Sparanlagen aus, und zwar unabhängig davon, ob die Zinsen steigen oder fallen. Obwohl sich wenige Frauen laut dem Income-Barometer mit den erzielten Sparerträgen zufrieden zeigten, haben sie ihr Anlageverhalten auch angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen nicht verändert.

Wer schreckt vom Auf und Ab an der Börse mehr zurück?

Der Marketingleiterin von J. P. Morgan, Pia Bradtmöller, erscheint dieses offensichtlich weniger aktive Geldanlageverhalten der Frauen durchaus gefährlich, haben sie doch gegenüber den Männern eine im Durchschnitt längere Lebenserwartung und benötigten deshalb auch mehr Geld für ihren Ruhestand. Gerade auch wegen der zumeist geringeren Einkommen, beispielsweise durch Teilzeitarbeit oder den sogenannten Gender-Pay-Gap, sollte es für sie umso wichtiger sein, ihr Geld am Kapitalmarkt für sich arbeiten zu lassen. Angesichts der Tatsache, dass rund 40 Prozent der Ehen heutzutage geschieden werden, sei es eine trügerische Sicherheit, sich im Alter über den Partner absichern zu wollen. Dass die Frauen bei ihrer Geldanlage stärker als Männer vor dem Auf und Ab des Börsengeschehens zurückschrecken, liegt laut J. P. Morgan offenbar an ihrer geringeren Risikobereitschaft. 44,9 Prozent der Befragten seien demnach sogar bereit, auf Ertrag zu verzichten, wenn ihre Ersparnisse dadurch möglichst geringen Schwankungen ausgesetzt sind. Dementsprechend bezeichnen sich in dieser europäischen Untersuchung lediglich 7,6 Prozent der Frauen als „etwas risikofreudig“, während die Männer in dieser Rubrik doppelt so häufig vertreten sind.

Anlegerinnen erzielen höhere Renditen als Männer

Speziell in den USA verweisen etliche Studien auch darauf, dass durch die offenkundige Zurückhaltung bei der Anlage in Wertpapieren den Frauen viel Geld entgeht. Denn, so beobachtet der Deutsche Sparkassen- und Giroverband: „Wenn Frauen in Aktien investieren, dann erzielen sie höhere Renditen als Männer.“ Schon 2016 schafften es die amerikanischen Anlegerinnen das dritte Jahr in Folge, besser abzuschneiden als männliche Investoren. Im Rahmen einer Untersuchung von 600.000 Wertpapierdepots wurde für Investorinnen eine Rendite von 5,8 Prozent ermittelt, während männliche Anleger im selben Zeitraum nur 4,1 Prozent schafften.

Hierbei mag das Thema Selbstüberschätzung durchaus eine Rolle spielen. Wie Forscher der Universität Berkeley festgestellt haben, sei dies auch ein Grund für den vorschnellen Aktionismus, mit dem Männer am Kapitalmarkt schneller als Frauen Aktien kaufen und verkaufen. „Dies aber ist an der Börse kontraproduktiv“, sind die Wissenschaftler überzeugt. Zudem könne man beobachten, dass Frauen, wenn sie am Kapitalmarkt teilnehmen, Fonds bevorzugen und damit das Risiko streuen, während Männer stärker in Einzelaktien anlegen.