Interview
19. April 2020 11:38  Uhr

Der Markt wird professionalisiert

Gespräch mit Melanie Hanauer, Immobilienkauffrau und Fachwirtin bei Baumgärtner & Duscher Immobilien in Wackersdorf

Die Maklercourtage kann ab dem 23. Dezember nicht mehr vollständig dem Käufer aufgebürdet werden, wenn der Verkäufer den Makler beauftragt respektive ebenfalls beauftragt hat. | Foto: Antonio Diaz – stock.adobe.com

Von Robert Torunsky

Frau Hanauer, ab dem 23. Dezember greift ein neues Gesetz, das die Verteilung der Maklercourtage beim Verkauf von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen regelt. Welche Änderungen bringt das für die Anbieter mit sich?

Melanie Hanauer: Wir haben uns mit dem neuen Gesetz und den Regelungen beschäftigt und unsere Vertragsunterlagen diesbezüglich überprüft. Für unser Unternehmen hat das neue Gesetz wenige bis gar keine Auswirkungen, da wir für beide Seiten, Verkäufer und Käufer, tätig sind. Die in anderen Bundesländern lauernde Gefahr, dass im Prozess nur eine der beiden Parteien Provision bezahlt und die Makler dadurch einen Wegfall von Einnahmen befürchten, ist bei uns nicht gegeben, da beide Seiten provisionspflichtig betreut werden. Das ist aus meiner Sicht auch korrekt, da der Makler als Vermittler ja für beide Seiten tätig ist.

Ein Kritikpunkt an der neuen Regelung ist, dass Verkäufer ihren Anteil an der Courtage im Vorfeld auf den Verkaufspreis draufschlagen und dadurch die anteiligen Kosten, etwa die Grunderwerbsteuer und die Notarkosten, für den Käufer zusätzlich in die Höhe treiben.

Davon sind wir ebenfalls nicht betroffen, da wir für die Kunden ausführliche Marktwertgutachten erstellen und keine etwaigen Aufschläge berücksichtigen. Viele Kunden stehen ja nicht häufig vor einer Verkaufs- oder Kaufentscheidung, deshalb ist eine fundierte Analyse für beide Parteien wichtig. Der ermittelte Preis wird in der Regel auch am Markt erzielt, deshalb ist er glaubhaft. So wird auch niemand übervorteilt: Der Verkäufer, der zu viel möchte, wird eingebremst und auch ein Käufer, der zu viel bezahlen würde, wird davor geschützt.

Was bedeutet das Gesetz für den Markt?

Die geäußerte Kritik stammt häufig von meist neuen Anbietern, die den Prozess kostenfrei für Verkäufer gestaltet haben. Dieses Modell wird es so nicht mehr geben. Wenn man vom Verkäufer keine Provision verlangt, darf man auch vom Käufer keine verlangen. Ich denke, dass dies zu einer Professionalisierung des Marktes führen wird. Für den Laien ist es ohnehin schwierig, zu überblicken, ob ein Anbieter die dreijährige Ausbildung zum Immobilienkaufmann oder den zweiwöchigen Lehrgang zum Immobilienmakler IHK absolviert hat. Expertise, Erfahrung und Marktkenntnis des Anbieters sind bei Entscheidungen dieser Dimension für Kunden wichtige Kriterien.

Zusammengefasst: Wie beurteilen Sie das neue Gesetz?

Ich finde, dass es eine sehr faire Lösung ist. Der Immobilienmakler vertritt beide Parteien als Vermittler. Das führt zu vernünftigen Preisen und geteilten Kosten.

Melanie Hanauer ist Immobilienkauffrau und Fachwirtin bei Baumgärtner & Duscher Immobilien. Sie ist der Meinung: „Wenn man vom Verkäufer keine Provision verlangt, darf man auch vom Käufer keine verlangen.“ Foto: Baumgärtner & Duscher