Karriere
19. Januar 2022 5:56  Uhr

Der Stellenmarkt unter der Hand

Weniger als die Hälfte aller vakanten Stellen wird ausgeschrieben. Oft werden sie unter der Hand vergeben. Dr. Daniel Detambel und Hans Rainer Vogel stellen in ihrem Buch Erfolgsstrategien für den verdeckten Stellenmarkt vor.

Viele offene Stellen werden ohne Ausschreibung vergeben. | Foto: jeremias münch – stock.adobe.com

Von Anna Schätzler

NÜRNBERG. Die Suche nach einem neuen Job unterscheidet sich nicht groß von der Wohnungssuche: Oft hat man das Gefühl, die besten Angebote werden gar nicht ausgeschrieben, sondern unter der Hand vergeben. Und dieses Gefühl trügt nicht: Nur ein kleiner Teil der Positionen, die jeden Tag neu besetzt werden, wird in Jobbörsen offen ausgeschrieben – ein Großteil wird bereits vorab vergeben.

Grau und verdeckt

Solche Stellenangebote, die weder inseriert noch anderweitig veröffentlicht, sondern unter der Hand besetzt werden, werden als grauer beziehungsweise verdeckter Stellenmarkt bezeichnet. Manche Arbeitgeber verzichten darauf, eine freie Stelle auszuschreiben, weil sie auf schnellere und kostengünstigere Lösungen setzen. Laut Stellenerhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gab es im dritten Quartal 2021 in Deutschland insgesamt 1,38 Millionen offene, also neu geschaffene oder neu zu besetzende Stellen. Dem IAB nach lag die Meldequote im dritten Quartal 2021 bei 49 Prozent. Rund die Hälfte der offenen Stellen waren also zu diesem Zeitpunkt der Bundesagentur für Arbeit mit Vermittlungsauftrag gemeldet.

Außerdem befragte das IAB 8300 Betriebe, über welche Such- und Besetzungswege sie bei ihren Neueinstellungen gesucht haben und welcher Weg entscheidend für die Stellenbesetzung war. Ein wichtiger Suchweg vor allem in kleineren Betrieben war „über Mitarbeiter/persönliche Kontakte“.

Suche über das Netzwerk

Bei 55 Prozent aller erfolgreichen Stellenbesetzungsprozessen im Jahr 2020 wurde dem IAB zufolge auch über diesen Weg gesucht – was aber nicht ausschließt, dass die Betriebe auch über andere Wege, wie Zeitungsannoncen oder Onlineportale, suchten. Denn Betriebe nutzen bei ihrer Personalsuche meistens verschiedene Wege.

Bei 12 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Neueinstellungen haben die befragten Betriebe im Jahr 2020 ausschließlich den Weg „Eigene Mitarbeiter/persönliche Kontakte“ genutzt. „Nur ein kleiner Teil der Positionen, die jeden Tag neu besetzt werden, wird in Jobbörsen ausgeschrieben, der Großteil ist bereits im Vorfeld besetzt“, weiß auch Dr. Daniel Detambel. In Kooperation mit Hans Rainer Vogel hat Detambel das Buch „Erfolgsstrategien für den verdeckten Stellenmarkt“ geschrieben.

„Der offene Stellenmarkt ist nichts anderes als die Resterampe, denn die besten und meisten Positionen werden unter der Hand besetzt, ohne dass davon jemand etwas mitbekommt“, sind sich Vogel und Detambel einig. Die beiden Autoren gehen davon aus, dass sogar nur 30 Prozent aller Positionen öffentlich ausgeschrieben werden. Die Zahl der Führungspositionen, die offen ausgeschrieben werden, sei nochmals deutlich geringer, heißt es im Vorwort ihres Buches.

Nur Zitronen muss man anpreisen

„Die besten Positionen muss man nicht vermakeln, die gehen meist unter der Hand weg. Für die Zitronen, die Jobs, die kaum einer will, muss man ausschreiben und sagen, das wäre der beste Job der Welt“, sagt Detambel. Denn Ausschreibungen kosten Geld und Zeit und ziehen viel Arbeit nach sich, die das Unternehmen meist gerne vermeiden möchte oder sich gar nicht leisten kann, weil die Fachleute dafür fehlen.

In ihrem Buch erklären die beiden Autoren, wie man sich den verdeckten Stellenmarkt erschließt und wie wichtig es ist, sich gut zu vermarkten und aussagekräftige Initiativbewerbungen zu verschicken. Denn die Bewerbung sei nichts anderes als Vertrieb der eigenen Person.

Interview

Klinken putzen statt abwarten

Laut Dr. Daniel Detambel, Autor von „Erfolgsstrategien für den verdeckten Stellenmarkt“, funktioniert die Stellensuche nach den Prinzipien des Vertriebs. Marktkenntnis und ein klares Bild von dem, was man anzubieten hat, ist nach seiner Beobachtung der beste Weg zum Traumjob.

Hier geht’s zum Interview …