Technologie
23. Februar 2021 6:05  Uhr

Die bayerische KI-Initiative läuft

Die Hightech-Agenda Plus der Landesregierung soll Technologie und Forschung im Freistaat voranbringen – auch und gerade in Zeiten der Pandemie. Vertreter der ostbayerischen Hochschulen begrüßen die Initiative.

Gute Nachrichten in Coronazeiten: Die Umsetzung der Hightech-Agenda Plus kommt voran. Foto: NDABCREATIVITY – stock.adobe.com

Von Stefan Ahrens

MÜNCHEN/REGENSBURG/DEGGENDORF. Vorfahrt für Technologie und Forschung: Unter diesem Motto zündete die bayerische Landesregierung angesichts der Auswirkungen der Coronakrise auf die hiesige Wirtschaft Mitte September vergangenen Jahres den „Forschungsturbo“. Um Technologie und Forschung im Freistaat durch zahlreiche Projekte und Maßnahmen schnell und langfristig zu fördern, wollte die Landesregierung 900 Millionen Euro in die Hand nehmen – und das, ohne neue Schulden aufnehmen zu müssen. Denn im Rahmen des Coronahilfsprogramms hatte der Bayerische Landtag zuvor bereits 20 Milliarden Euro bewilligt, von denen im September vergangenen Jahres lediglich 11 Milliarden ausgelobt beziehungsweise verwendet worden waren. Insofern verfügte die Landesregierung für eine beschleunigte Umsetzung ihrer bereits im Oktober 2019 abgesegneten Hightech-Agenda Plus über einen beträchtlichen finanziellen Handlungsspielraum.

„Wir nehmen die Herausforderungen der Coronapandemie aktiv an“, fasste Wissenschaftsminister Bernd Sibler Mitte September die Bedeutung der beschleunigten Umsetzung der Hightech Agenda Plus zusammen: „Wir holen Spitzenforscherinnen und -forscher nach Bayern, sorgen für eine hervorragende Forschungsumgebung und schaffen mehr Studienplätze für unsere Fachkräfte von morgen – und das schneller als ursprünglich geplant.“

Investitionen in Schlüsseltechnologien

Wichtige Bestandteile der Agenda waren es, Innovationen und Investitionen in bedeutende Schlüsseltechnologien wie künstliche Intelligenz, Luft- und Raumfahrt und Quantencomputing voranzubringen, rund 13.200 zusätzliche Studienplätze vorzugsweise in technischen Zukunftsfeldern an bayerischen Hochschulen einzurichten sowie allein für das Zukunftsfeld der künstlichen Intelligenz 100 Professuren zu schaffen. Und tatsächlich scheint die beschleunigte Variante der Hightech-Agenda Plus auf einem guten Weg zu sein.

„Die OTH Regensburg ist mit dem Umsetzungsstand sehr zufrieden“, sagt beispielsweise Professor Dr. Wolfgang Baier, Präsident der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg. Die OTH erhält aufgrund der Hightech-Agenda des Freistaats neue Professuren, Mitarbeiterstellen sowie über 2,1 Millionen Euro für die Informatik, künstliche Intelligenz und die angewandte Forschung. Zusätzlich fördern fünf neue Professuren und Mitarbeiterstellen den Ausbau der Gesundheitswissenschaften. „Ich freue mich sehr, dass die OTH Regensburg aus der Hightech-Agenda unseres Ministerpräsidenten Markus Söder weitere Stellen und Mittel erhält“, erklärt Baier weiter. „Damit können wir nicht nur unsere Aktivitäten in der angewandten Forschung stärken, sondern vor allem unsere Kompetenzen in den Bereichen Informatik und künstliche Intelligenz deutlich ausbauen.“

Alles läuft im vorgesehenen Zeitplan – trotz Corona

Zudem seien keinerlei Verzögerungen durch die Coronakrise beziehungsweise die Pandemiebekämpfung spürbar. Alles laufe laut Wolfgang Baier im vorgesehenen Zeitplan: „Vonseiten der Landesregierung und des Bayerischen Wissenschaftsministeriums sind alle Zuweisungen und notwendigen Schritte für die weitere Umsetzung sehr zügig erfolgt. Mit der Hightech-Agenda Plus hat die Staatsregierung das Verfahren sogar beschleunigt, indem Maßnahmen, die erst für spätere Jahre vorgesehen waren, vorgezogen wurden. Es gibt aus Sicht der OTH Regensburg daher keinen Bedarf weiterer Beschleunigung der notwendigen Prozesse oder Änderung von Prioritätensetzungen.“

Auch in puncto Unterstützung der Denkwelt Oberpfalz, eines gemeinsamen Projekts der OTH Amberg-Weiden und der Lars und Christian Engel Stiftung (LUCE) zur Stärkung der KI-Entwicklung sowie des Technologie- und Wissenstransfers, durch die bayerische Landesregierung zeigt sich Prof. Dr. Erich Bauer, der Vorstandsvorsitzende der LUCE-Stiftung, zufrieden: „Vor dem Hintergrund des Sanierungs- und Beschleunigungsprogramms der Hightech-Agenda Bayern sind uns vom bayerischen Kabinett Sach- und Projektmittel in Millionenhöhe zur Stärkung des Technologietransfers im Bereich KI zugesagt worden – in Kooperation mit der OTH Amberg-Weiden.“

Innovationskraft der Oberpfalz sichern

Die Förderung in Höhe von rund fünf Millionen Euro wurde in einem im Dezember unterschriebenen Kooperationsvertrag vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie schriftlich fixiert – Geld, das laut der Präsidentin der OTH Amberg-Weiden, Professor Dr. Andrea Klug, sinnvoll in die Ausweitung von Forschung und Lehre in der Denkwelt Oberpfalz investiert werden könne: „Angewandte Forschung und Entwicklung sowie der Transfer in die Praxis sind eine zentrale Aufgabe der Hochschule, die wir im Bereich künstliche Intelligenz gemeinsam mit der LUCE-Stiftung und mit Unternehmen und Einrichtungen in der Oberpfalz vorantreiben wollen“, sagt sie. „Damit können wir die Innovationskraft der Oberpfalz, bezogen auf die Digitalisierung und künstliche Intelligenz, sichern und weiterentwickeln, zur Verringerung des akademischen Fachkräftemangels in der Region beitragen und eine regionale, nationale und internationale Vernetzung im KI-bezogenen Wissens- und Technologietransfer erreichen.“

Zustimmung kommt auch von der TU Deggendorf. Patrick Glauner, Professor für künstliche Intelligenz an der dortigen Fakultät für angewandte Informatik, erklärt lapidar: „Es läuft super.“ Und er ergänzt: „Wir an der TU Deggendorf haben den Vorteil, dass wir nicht allzu groß sind und uns somit auch den Pandemieherausforderungen besser stellen können. So ist es umso erfreulicher, dass auch die Landesregierung ihre Zusagen an uns, wie beispielsweise die Einrichtung neuer Professuren, einhalten kann.“

Die KI-Offensive muss weitergedacht werden

Alexander Rupprecht, Geschäftsführer der R-Tech GmbH in Regensburg, lobt ebenfalls die positive Rolle des Freistaats bei der Förderung neuer Technologien. Er ergänzt jedoch: „Die Verantwortung für die Förderung neuer Technologien wie KI kann nicht nur beim Freistaat, sondern muss auch bei den Regionen und Kommunen selbst liegen.“ Hinzu komme laut Rupprecht, dass man auch beispielsweise in der Start-up-Förderung nicht nachlassen dürfe. Dies geschehe zwar auch unter anderem mit Programmen wie den Digitalen Gründerzentren oder dem Programm „Start? Zuschuss!“, das zuletzt finanziell aufgestockt wurde. „Allerdings ist die Förderung der Gründerzentren degressiv und geht ab 2022 deutlich zurück“, sagt Rupprecht. „Ohne die Fördermittel ist eine Fortsetzung der Maßnahmen wie denen der DGO kaum realisierbar, da auch die private Co-Finanzierung durch Corona eher rückläufig sein wird. Hier wäre eine frühzeitige Fortsetzung beziehungsweise Aufstockung der Förderung über 2023 hinaus sehr wichtig.“

Gemeinsam mit vielen Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung habe er deswegen die neue KI-Initiative AIR – Artificial Intelligence Regensburg gestartet. Ihr Ziel ist es, die Aktivitäten am Standort zu bündeln und neue Anwendungsprojekte zu initiieren.

Hightech-Agenda Plus

Im Herbst 2019 hat Bayern die zwei Milliarden Euro schwere Hightech-Agenda Plus zur Stärkung des Wissenschafts- und Technologiestandorts Bayern gestartet. Der Freistaat Bayern stellt angesichts der Coronakrise in den Jahren 2021 und 2022 900 Millionen Euro für beschleunigte tiefgreifende Transformationsprozesse im Bereich Digitalisierung zur Verfügung. Mit der Agenda wurden an den bayerischen Hochschulen unter anderem 2500 neue Stellen für Forschung und Lehre geschaffen. Laut Ministerpräsident Markus Söder können die Hochschulen bereits ab dem 1. April 2021 alle bislang für die Jahre 2021 bis 2023 vorgesehenen knapp 1800 Stellen mit Professorinnen und Professoren sowie wissenschaftlichem Personal besetzen. Dies stärke gerade in schwierigen Zeiten sowohl die Zukunftschancen als auch die langfristige Planungssicherheit für die bayerischen Hochschulen.