Innovation
8. Juli 2020 6:00  Uhr

Die Bereitschaft zu Innovation gerät ins Stocken

Der Innovationsreport 2020 des DIHK liefert Erkenntnisse über die Investitionsaktivitäten von Unternehmen in Forschung und Entwicklung. Hat Corona die Innovation eingeschränkt? Und wie ist die Lage in der Region?

Unternehmen auch in der Region bekunden einen starken Willen, in Innovation zu investieren. Derzeit gibt es dafür allerdings einige Hindernisse. | Foto: hedgehog94 – stock.adobe.com

Von Jonathan Ederer

REGENSBURG. Der Innovationsreport 2020 des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zeigt zwei Haupttendenzen: Einerseits werden Innovationsvorhaben zurückgestellt, andererseits bekunden Unternehmen ihren Willen, in Neuerungen zu investieren. Dazu kommt, dass ausgerechnet die Forschung etwa in der Medizintechnik besonders leidet – gesetzliche Vorgaben schränken derzeit so manche Bestrebung ein. Ähnliche Beobachtungen lassen sich auch in Regensburg machen: Sabrina Schmid, Innovationsreferentin bei der IHK Regensburg, sieht die Neigung der heimischen Betriebe, in Innovation zu investieren, in der aktuellen Situation stark eingebrochen.

Strukturelle Probleme und Corona

Die Umfrage bei den 1800 Betrieben im Rahmen des Innovationsreports hat bereits im Februar und März stattgefunden. Da waren die wirtschaftlichen Spuren der Coronakrise zwar schon sichtbar, doch für die im Report geschilderten Probleme kann das Virus nicht allein verantwortlich gemacht werden. „Der DIHK-Innovationsreport verdeutlicht eine gestiegene Innovationsbereitschaft vor der Coronakrise“, erklärt Schmid. Die Pandemie habe aber den Unternehmen und ihren anziehenden Innovationsvorhaben einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Die grundsätzlichen Probleme sind eher struktureller Art. Der DIHK identifiziert im Report Innovationshemmnisse, Einschränkungen einzelner Forschungsbereiche und, als zwei große Bremsklötze, Bürokratie und Lücken in der digitalen Infrastruktur. Besonders die Unternehmen aus der Medizintechnik seien hier betroffen. „Sie leiden unter der Fülle und Unverständlichkeit bürokratischer Auflagen und Anforderungen“, meint Schmid. Zudem trete nächstes Jahr eine neue, umfassende EU-Medizinprodukteverordnung in Kraft.

Bürokratie reduzieren

Die strengen gesetzlichen Auflagen werden im Bericht als ein großes Hindernis für Innovationsvorhaben der deutschen Betriebe angesehen. „Richtig durchstarten können die Unternehmen dann, wenn es baldmöglichst gelingt, Bürokratie zu reduzieren, für schnelleres Internet zu sorgen und die Innovationsförderung aufzustocken“, sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Dennoch ist eine Forschungsförderung bereits möglich. Am 1. Januar wurde ein Gesetz verabschiedet, das besonders kleinen und mittleren forschenden Betrieben zugutekommen soll. Das werde übrigens auch von den regionalen Betrieben sehr positiv beurteilt, sagt Sabrina Schmid. Die IHK Regensburg sehe sich in der Verantwortung, das Gesetz und seine Vorzüge an die Unternehmen heranzutragen.

Report bildet auch Situation in der Region ab

Und wie sieht es konkret in der Region um Regensburg aus? „Die Ergebnisse des Reports sind zwar auf Deutschland bezogen, lassen sich aber durchaus auf den Raum Regensburg herunterbrechen.“ Schmid geht davon aus, dass das Innovationsgeschehen im Wirtschaftraum insgesamt durch Corona ausgebremst werde – allein schon deshalb, weil durch die Beschränkungen viele Netzwerke nicht mehr funktionierten. Und da durchschnittlich ein Drittel aller Unternehmensinvestitionen direkt in Innovationen fließe, wirke es sich natürlich auch negativ aus, dass Investitionen generell zu großen Teilen gestoppt worden seien.

Einen Sonderfall in Coronazeiten stellt die Digitalisierung dar, wenn auch mit Einschränkungen. Denn sie geht zwar voran, durch die erzwungene Reaktion auf die Coronakrise ist sie zum Teil aber, so Schmid, eher eine Notfalldigitalisierung: „Viele Unternehmen mussten durch die Maßnahmen in der Krise schnell reagieren“, erklärt Schmid. Dadurch hätte die Digitalisierung einen gewaltigen Schub bekommen. Doch oft sei der Wille für neue Investitionen größer als die Kapazität und es mangle an der digitalen Infrastruktur. Die Lösung liege, so Schmid, in der Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft: Eine gute Abstimmung könne komplizierte Genehmigungsverfahren erleichtern, damit eine lückenlose und schnelle Internetverbindung Realität wird.

Unsicherheit und Angst vor zweiter Infektionswelle

Die Tendenz zu digitaler Innovation und Vernetzung ist schon lange erkennbar, doch der Prozess wird auch ausgebremst – etwa durch Bürokratie und fehlende finanzielle Mittel. Sabrina Schmid hat noch ein weiteres Hemmnis ausgemacht: „In Coronazeiten bremst wahrscheinlich auch die Unsicherheit über die wirtschaftlichen Entwicklungen“, sagt sie. Deshalb hofft sie gemeinsam mit den Wirtschaftstreibenden vor allem eines: dass eine zweite Infektionswelle ausbleibt. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wäre eine solche zweite Infektionswelle mit allen mit ihr einhergehenden wirtschaftlichen Einschränkungen verheerend.