Interview
4. Januar 2022 14:23  Uhr

Die Erfolgsgeschichte geht weiter

2010 wurde der Ostbayern Index DOX ins Leben gerufen, mittlerweile hat er seinen Wert verdreifacht. Toni Lautenschläger, Leiter des Regensburger Amts für Wirtschaft und Wissenschaft, spricht im Interview über Entwicklung und Aussagekraft des DOX.

Toni Lautenschläger, Leiter des Regensburger Amts für Wirtschaft und Wissenschaft, würde in den DOX investieren, wenn er als Finanzprodukt angeboten würde. Foto: Martin Angerer

Von Thorsten Retta

Seit über elf Jahren gibt es den DOX inzwischen, genauso lange wie die Wirtschaftszeitung. In dieser Zeit kannte die wirtschaftliche Entwicklung lange Zeit nur eine Richtung: nach oben. Doch dann kam Corona. Herr Lautenschläger, wie bewerten Sie heute im Rückblick die Entwicklung des DOX und damit die der Wirtschaft in Regensburg und Ostbayern?

Toni Lautenschläger: Wir haben den DOX vor elf Jahren mit 1.000 Punkten gestartet und zum Jahreswechsel stand er bei knapp 3.000 Punkten. Eine Verdreifachung des Kurses in elf Jahren kann sich durchaus sehen lassen und macht schon deutlich, dass sich die Wirtschaft in der Region – hier beispielhaft aufgezeigt an den börsennotierten Technologiewerten – überdurchschnittlich entwickelt hat. Der DAX, das deutsche Urgestein, hat seinen Wert in derselben Zeitspanne lediglich verzweieinhalbfacht. Aber nicht nur die Börsenentwicklung zeichnet von der Region ein positives Bild: Die Zahl der Arbeitsplätze, die Entwicklung der Bruttowertschöpfung, die Arbeitslosenquote und auch die Einwohnerentwicklung weisen eine ähnliche Trendkurve auf. Dann kam Corona mit aller Härte – dennoch hat sich die Region auch in dieser schwierigen Situation bisher tapfer geschlagen. Die Region scheint also resilient zu sein; ein beruhigendes Zeichen in turbulenten Zeiten.

Was macht die Region so stark – und auch so resilient?

Ich sehe da drei entscheidende Faktoren: die Vielfalt, die Menschen und eine Lagegunst, die in den letzten Jahren deutlich zu tragen kam. Die Region ist stark im Bereich Automotive, steht aber auf viel mehr Beinen. Eine Diversifikation der Branchen und auch der Mix aus stark aufgestellten internationalen Konzernen und dem typischen bayerischen Mittelstand zeichnen die Region aus. Das macht uns stabil, auch wenn wir als wertschöpfende und produktionsorientierte Region von den Entwicklungen der internationalen Märkte abhängig sind. Letztendlich ist aber unsere internationale Ausrichtung auch die Basis für unseren Wohlstand. Die Menschen der Region sind ein weiterer Erfolgsfaktor. Ihr Potenzial hat die Region in den letzten Jahren erfolgreich gemacht. Auch, weil sie gerne in der Region leben und arbeiten und geschätzt sind als hoch qualifizierte, zuverlässige und leistungsstarke Arbeitnehmer:innen. Zuletzt hat auch die hohe Lagegunst Ostbayerns ihren Anteil am Erfolg – von der Randlage zum Zentrum Europas, infrastrukturell bestens in alle Richtungen angebunden und im erfolgreichen und lebenswerten Bayern gelegen. Menschen kommen gerne hierher und leben gerne in Ostbayern. Auch das ist ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Hat sich mit Blick auf die Zusammensetzung des DOX etwas geändert?

Hier gibt es immer wieder Veränderungen, wie auch im DAX oder MDax. Nach der Übernahme von OSRAM ist ams neu im Portfolio, mit Vitesco haben wir in Regensburg das Headquarter eines neuen großen börsennotierten Unternehmen hinzugewonnen. Insgesamt jedoch ist der Index verhältnismäßig stabil.

Was lässt sich mit Blick auf die einzelnen Werte sagen? Welche performen überdurchschnittlich, welche treten eher auf der Stelle? Stichwort digitale Transformation …

Über die letzten Jahre hinweg konnten drei Unternehmen ihren Wert deutlich mehr als verfünffachen, fünf Werte sich mehr als verdreifachen und viele Werte konnten sich mehr als verdoppeln. Verluste gab es auch, jedoch in überschaubarem Umfang. Es zeigt sich schon, dass die Erfolgsstorys auch Innovationsbringer sind. Biotech, Maschinenbau, Halbleiter, IT sind die Kernbranchen der Gewinner, aber auch im Bereich Automotive gab es zum Teil deutliche Zuwächse – auch über die Dividenden.

Im DOX fehlen Dienstleister fast komplett, die Industrie dominiert den Index. Ist das ein Grund zur Sorge? Ist der Mix nicht ausgewogen genug?

Der DOX ist als technologie- und industrieorientierter Index konfiguriert, denn er will die technologische und industrielle Kompetenz der Region abbilden. Klassische börsennotierte Dienstleistungsunternehmen, die ebenfalls in der Region aktiv sind, wie zum Beispiel Versicherungen oder Banken, bleiben im DOX unberücksichtigt. Das heißt noch lange nicht, dass der Standort unausgewogen ist.

Gibt es einzelne Werte, deren Entwicklung Sie in den vergangenen Jahren besonders überrascht hat?

Infineon Technologies AG hat beispielsweise in den letzten Jahren deutlich zugelegt und diese Entwicklung spiegelt sich auch am Standort Regensburg wider. Die Erweiterungen im Frontend in den letzten Jahren und der positive Kursverlauf zeigen, dass hier Bewertung und Erfolg zusammenhängen.

2017 sagten Sie in einem Gespräch über den DOX, Sie würden sofort Anteile kaufen, wenn der Index auch tatsächlich gehandelt würde. Ist das immer noch so?

Ja, aber leider gibt es den DOX immer noch nicht als Finanzprodukt. Ich halte ihn nach wie vor für eine gute Investition. Aktienengagement heißt an das Unternehmen glauben. Und ich glaube an die Stärke und Zukunftsfähigkeit unserer Unternehmen in der Region.

Vielfalt ist die Stärke Ostbayerns

Im Oktober 2017 hat die Wirtschaftszeitung dem DOX einen eigenen Schwerpunkt gewidmet. Zum E-Paper geht es hier.