Nominiert für den Gründerpreis 2021
20. März 2022 16:37  Uhr

Die Gründer mit den besten Ideen

Auch 2021 haben sich viele Start-ups um den Gründerpreis der Wirtschaftszeitung beworben. Aus allen Bewerbungen hat die Jury die drei aussichtsreichsten Kandidaten ausgewählt. Sie stehen im Finale des Gründerpreises 2021.

Unser Preis für Durchstarter: Der Gründerpreis präsentiert wieder clevere und vielversprechende Start-ups aus Ostbayern. | Grafik: Irene Daxer

Von Thorsten Retta

BERLIN/REGENSBURG. Im März hat das Bundeswirtschaftsministerium mit der Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Start-up-Strategie begonnen. Das Detailkonzept soll im Sommer vorliegen und im Verlauf der Legislaturperiode umgesetzt werden, so die Beauftragte des Ministeriums Digitale Wirtschaft und Start-ups, Anna Christmann: „Wir wollen beste Bedingungen für Start-ups in Deutschland und Europa.“ Besonders wichtig sei ein intensiver Austausch mit allen Beteiligten und ein transparenter Prozess. Unter anderem möchte die Bundesregierung die Rahmenbedingungen für die Gewinnung der nötigen Fachkräfte optimieren und einen besseren Zugang zu Daten ermöglichen.

Gute Bedingungen für Start-ups existieren in Ostbayern bereits. Das zeigt sich nicht zuletzt in den vielen Gründern, die sich mit ihren Ideen für den Gründerpreis der Wirtschaftszeitung bewerben. Sie profitieren auch von der guten Infrastruktur in Ostbayern, von den Gründerzentren, den Verbindungen zu Hochschulen, Firmen und Kapitalgebern. Zuerst jedoch braucht es eine Idee und Mut. Diesem Mut und Erfindungsreichtum gibt der Gründerpreis eine Bühne. Bewiesen haben beides auch die drei Start-ups, die im Finale um den Gründerpreis 2021 stehen. Am 18. Mai wird der Sieger auf www.die-wirtschaftszeitung.de bekanntgegeben.

Datenschätze wollen gehoben werden

Industriebetriebe im Werkzeug- und Formenbau warten schon lange auf eine Idee, um die Prozesskette vom Auftragseingang bis zum Qualitätsmanagement durchgängig zu digitalisieren. Deshalb war die Entwicklung skalierbarer Lösungen auch der Motor der Geschäftsidee von ti4f. Sie ist im Zuge des Masterstudiums Technologiemanagement der Technischen Hochschule Deggendorf durch Constantin Vogel und Thomas Brunner entstanden. Der Branche eröffnet sich damit die Welt der Daten und verborgene „Schätze“ werden in sichtbare Potenziale verwandelt.

Die Analyse und Visualisierung von anonymisierten Betriebsdaten aus der Wertschöpfungskette ermöglichen neue Erkenntnisse über bestehende Prozesse, Störungen und Engpässe. So werden, unterstützt durch die Mecker-App und das Lern-Management-System, auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten Optimierungsvorschläge bereitgestellt. Auf dieser Basis werden die Gesamtanlageneffektivität und somit die Kapazität, die Verfügbarkeit von Ressourcen und die Effizienz von Maschinen gesteigert und Fehler, Ausfälle und Zeit reduziert.

Das in der Datenbank hinterlegte Branchenwissen aus über 40 Jahren wächst dank dem Datenkreislauf kontinuierlich weiter und bildet einen unschätzbaren Wissensspeicher. Deshalb ist es auch das ehrgeizige Ziel der Gründer, die Daten- und Wissenshoheit zu gewinnen – ähnlich einem „Google der Branche“.

Wer die Datenmengen in der unikatfertigenden Branche in den Griff bekommt, kann Prozesse optimieren. Aus diesem Grund haben Constantin Vogel (li.) und Thomas Brunner ti4f gegründet. Foto: THD

Mikroorganismen als Schlüssel zur Energiewende

Im Zuge der Energiewende müssen große Mengen Ökostrom in Energieträger wie Wasserstoff oder Methan umgewandelt werden. Sie sollen in 47 Untertagegasspeichern lagern, die aktuell noch für fossiles Erdgas genutzt werden. Aber sie spielen als Lager- und Produktionsstätten für regenerative Gase eine entscheidende Rolle. In diesen Anlagen leben anaerobe Mikroorganismen. Manche Mikroben können aus Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid Methan herstellen, das direkt in das Erdgasnetz geleitet wird. Dieser Prozess ermöglicht die Umwandlung von grünem Wasserstoff in grünes Erdgas. Andere Mikroben bilden aber auch Schwefelwasserstoff, der die Qualität verschlechtert und zu massiven Schäden führen kann.

Gespräche mit Vertretern der Energiebranche ergaben, dass es bisher keinen Dienstleister gab, um die Lagerstätten zuverlässig zu untersuchen. Um die mikrobiologischen Prozesse zu entschlüsseln, zu kontrollieren und zu steuern, wurde die Microbify GmbH gegründet. Die Gesellschafter Andrea Böllmann (Laborleitung), Linda Dengler (Geschäftsführerin) und Dr. Georg Schmid (Geschäftsführer) arbeiten aktiv im Unternehmen, Prof. Dr. Dina Grohmann und Dr. Harald Huber agieren als Berater im Hintergrund. Als Ausgründung des Lehrstuhls für Mikrobiologie und Archaeenzentrums der Universität Regensburg kann Microbify auf die Expertise aus 40 Jahren Spitzenforschung mit anaeroben Mikroorganismen zurückgreifen.

Mit mikrobiologischen Analysen unterstützt die Microbify GmbH die Energiebranche bei der Energiewende. Das Bild zeigt (v. li.) Georg Schmid, Anja Kaul (leitende Ingenieurin), Linda Dengler und Andrea Böllmann. Foto: J. Jahnke

Ein Stück vom E-Commerce-Kuchen für alle

Das Wachstum im Bereich E-Commerce sprengt jedes Jahr alle Rekorde. Um hier mitspielen zu dürfen, benötigen gerade kleine und mittlere Händler Software mit einer niedrigen Einstiegshürde und einfacher Bedienung, um den Versand effektiv abwickeln zu können.

Simon Kollross kennt diese praktischen Herausforderungen durch den von seinen Eltern geführten Onlineshop für Spielwaren genau. Zusammen mit Elias Rapp hat er deshalb die SimpleSell GmbH gegründet. Dank der von ihnen entwickelten cloudbasierten Versandsoftware werden die Bestellungen angebundener Marktplätze und Onlineshops automatisch importiert. Ein lernfähiger Algorithmus wählt die optimale Versandart aus, die so festgelegte Kombination kann automatisch wiederverwendet werden. Eine Vollständigkeitsprüfung der Empfängeradressen und die automatische Erstellung von Packlisten und Lieferscheinen helfen außerdem, Versandfehler zu vermeiden. Mit der einfachen Benutzeroberfläche und der fast konfigurationsfreien Einrichtung automatisieren so auch technisch weniger versierte Händler ihren Versandprozess.Partnerschaften mit Verkaufsplattformen und großen Versanddienstleistern wurden schnell geschlossen, die beiden Informatiker verfolgen jetzt ein sportliches Ziel: SimpleSell soll die Versandlösung Nummer eins für kleine und mittlere E-Commerce-Händler in Deutschland und Europa werden.

Elias Rapp (li.) und Simon Kollross kennen die Herausforderungen im Handel. Ihre Software SimpleSell hilft Händlern, Versandfehler zu vermeiden. Foto: Simplesell