Nominierte des Gründerpreises 2019
20. Mai 2020 16:04  Uhr

Die Gründer mit den besten Ideen

Auch im dritten Jahr seines Bestehens hatte die Jury des Gründerpreises der Wirtschaftszeitung wieder die Qual der Wahl: Über 15 Gründer haben am Gründerpreis 2019 teilgenommen. Hier stellen wir die drei Finalisten vor, der Gesamtsieger wird am 22. Mai bekanntgegeben.

Den Gründerpreis 2018 gewann das Team von Hans Brainfood. Jurymitglied Sean Patrick Saßmannshausen (li.) gratulierte den Jungunternehmern. Foto: Stefan Hanke

Von Thorsten Retta, Barbara Simon, Robert Torunsky und Rainer Wendl

REGENSBURG. Eine junge, digitale Gründerszene ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für wirtschaftliche Entwicklung. Start-ups aus diesem Bereich schaffen zukunftsträchtige Innovationen und Arbeitsplätze. Wie wichtig sie sind, zeigt sich gerade jetzt, da das analoge Leben infolge der Kontaktbeschränkungen sehr reduziert ist. Ohne digitale Übersetzungen analoger Interaktionen wäre vieles – vom Homeoffice bis zum Einkauf – nicht so einfach möglich, wie das heute der Fall ist. Und dennoch brauchen junge Unternehmen Unterstützung, da das finanzielle Polster in aller Regel dünn ist. In Krisensituationen gilt das in besonderem Maß.

Der Gründerpreis der Wirtschaftszeitung soll dazu beitragen. Wir möchten Jungunternehmern in der Region die Möglichkeit geben, sich auf großer Bühne zu präsentieren. Und wir möchten damit auch der großen Bedeutung von Neugründungen für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaftsregion wie auch dem persönlichen Engagement der Gründer Rechnung tragen.

Mehr als 15 hochspannende Bewerbungen haben uns auch im dritten Jahr des Wettbewerbs erreicht. Die aus Jurysicht besten drei stellen wir Ihnen auf dieser Seite vor. Bewertet werden neben dem Produkt, der Wettbewerbssituation und dem Vertriebsmodell auch die Gründerstory.

„Gründer stehen vor vielen Herausforderungen“, sagt Christoph Bräu, Leiter Unternehmerkunden bei der Commerzbank AG in der Niederlassung Regensburg, dem Sponsor des Gründerpreises. „Sie müssen schwierige Entscheidungen treffen, Risiken stemmen und auf die finanzielle Sicherheit einer Festanstellung verzichten. Davor haben wir größten Respekt. Schon allein deshalb sollte unternehmerisches Denken stärker in unserer Gesellschaft verankert werden und auch deshalb unterstützen wir den Wettbewerb.“

Für die Commerzbank war und ist das Unternehmertum laut Christoph Bräu immer wichtig und fest im Geschäftsmodell verankert. Ein eigener Gründerberater ist Ausdruck dieser Ausrichtung. „Es vergeht keine Woche ohne Beratungsgespräch und Kontoeröffnung“, sagt Bräu. Themen wie Finanzplanung und Beratung zu Förderinstituten wie KfW oder LfA sowie dem Geschäftskonto stünden dabei oft im Fokus.
Auch das gehört zu einem guten Gründerumfeld. Gerade in der Startphase sind Kapitalbeschaffung und Finanzplanung kritische Erfolgsfaktoren. Das Bekanntmachen des Unternehmens und der Zugang zu potenziellen Kunden aber ebenso. Hier hoffen wir, mit dem Gründerpreis unseren Beitrag leisten zu können.

Sicherer Transfer von hochsensiblen Daten

Der Name 5F Software ist schnell erklärt – und damit auch die Geschichte zur Gründung 2018: „5F steht für fünf Freunde“, sagt Stephanie Bogendörfer, Mitbegründerin des IT-Start-ups. Fünf Experten verschiedener Fachbereiche – die Kommunikationstrainerin Stephanie Bogendörfer, Projektmanager Marco Bogendörfer, IT-Spezialist Andreas Baier, Rechtsanwalt Thomas Linhardt und Wirtschaftsprüfer Michael Kozikowski – trafen bei einem Projekt aufeinander. Aus der erfolgreichen Zusammenarbeit entwickelte sich eine neue, komplexe Idee: eine Software zur Digitalisierung der Kommunikationsprozesse zwischen Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten und ihren Mandanten. „Da geht es um große Mengen hochsensibler Daten und Dokumente. Bisher wurden diese einzeln über verschlüsselte E-Mails oder USB-Sticks transferiert. Das machte keinen Spaß und war sehr uneffektiv“, sagt Bogendörfer. 5FSoftware entwickelte eine cloudbasierte und flexibel adaptierbare Plattform, die eine strukturierte, nahtlos dokumentierte und schlanke Kommunikation in hochsicheren Datenräumen ermöglicht. Dabei ist die Software für die User leicht und intuitiv nutzbar. Die IT-Security-Lösung fand bei Kunden und Branchengrößen viel Anklang. Seit 2019 ist mit Dr. Klaus Peter Feld ein Business-Angel und erfahrener Wirtschaftsprüfer mit an Bord. Bei der IT-Security-Messe itsa 2019 in Nürnberg zählten sie zu den zwölf besten Start-ups.

Stephanie Bogendörfer, Marco Bogendörfer und Andreas Baier von 5FSoftware

Stephanie Bogendörfer, Marco Bogendörfer und Andreas Baier (v. li.) von 5FSoftware. Foto: Attila Henning

App sorgt für das Ende der Zettelwirtschaft

Die seit dem 1. Januar geltende Kassensicherungsverordnung und die daraus resultierende Belegpflicht sorgte für den ersten Aufreger des Jahres. Insbesondere Bäckereien, Kioske und Imbisse mit kleinen Umsatzbeträgen kritisierten den Aufwand und unnötigen Müll. Das Start-up Techreach hatte im Vorfeld längst eine digitale und umweltfreundliche Alternative zum Papierkassenbon entwickelt und laut Firmenangaben „einen riesigen Nachfrageanstieg“ verzeichnet. Mit der kostenlosen Anybill-App haben Kunden die Möglichkeit, auf den Bon, der häufig auf schadstoffbelastetem Thermopapier gedruckt ist, zu verzichten und ihn stattdessen per QR-Code oder Foto auf dem eigenen Smartphone zu speichern. „Da man das Handy immer dabei hat, gibt es nie wieder vergessene, verschwundene oder verblasste Belege“, sagt Lea Frank, Mitbegründerin und CEO der Techreach GmbH. Die Kassenzettel werden dabei automatisch kategorisiert. „Mit Anybill findet man jederzeit den richtigen Kassenzettel wieder – und das mit nur einem Klick“, erklärt Frank das Ende der Zettelwirtschaft. Nicht nur bei Umtausch oder Garantieleistungen sind die passenden Belege nun immer zur Hand, die App lässt sich auch mit der zentralen Rechnungsmanagementsoftware Get My Invoices oder Fileee, einem Tool zur Digitalisierung von privaten Dokumenten, koppeln. Weitere Features sowie Kooperationen mit Handelspartnern, Kassensoftwareanbietern und Finanzinstituten sind bereits in Vorbereitung.

Gründerteam Anybill

Das Gründerteam Patrick Göttler, Lea Frank und Tobias Gubo (v. li. n. re.) entwickelte die Anybill-App. Foto: Techreach GmbH

Die Revolutionäre der Datenspeicherung

Es begann mit einem Projekt für den Europa Möbel-Verbund GmbH & Co. KG, ein Handelsriese mit über 500 Einrichtungshäusern. Dessen Datenbank kam an seine Grenzen: Sie war weder schnell noch stabil, also völlig untauglich für die ständig steigenden Anforderungen. Bis 2013 die Umstellung auf Microstream erfolgte, ein in Regensburg entwickeltes Verfahren zur Datenspeicherung. Dank dem Alleinstellungsmerkmal, der totalen Kompatibilität mit Java, ermöglicht es bis zu tausendmal schnellere Datenbankzugriffe. Seither wickelt der Möbel-Verbund Transaktionen über dieses System ab. „Und es läuft absolut stabil“, sagt Softwareentwickler Markus Kett. Dieses und weitere Referenzprojekte sowie Anfragen von immer neuen Interessenten führten zur Weiterentwicklung von Microstream zu einem allgemein verwendbaren Softwareprodukt. Im März 2019 gründete Kett mit Thomas Schmetzer und Florian Habermann Microstream Software. Ein Jahr später zählt das Unternehmen bereits 15 Mitarbeiter und ist auf dem Sprung ins Sillicon Valley.

Dort wäre Kett schon Ende März gelandet. Da Microstream Software in das vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützte Förderprogramm German Accelerator aufgenommen wurde, hätte das Start-up Präsentationsrunden vor US-Investoren gehabt. Wegen der Coronakrise mussten diese nun online abgehalten werden, die physischen Begegnungen werden nachgeholt.

Gründerteam Microstream

Die Microstream-Gründer Thomas Schmetzer, Markus Kett und Florian Habermann (v. li.). Foto: Microstream