Mitarbeiterführung
30. März 2021 6:00  Uhr

Die hohe Kunst des Führens auf Distanz

Fast 20 Millionen Arbeitnehmer sind derzeit ganz oder teilweise im Homeoffice tätig. In Coronazeiten ist es deshalb für Entscheider wichtiger denn je, den Kontakt mit den Mitarbeitern zu suchen.

Der Trainer und Berater Anton Mayer ist Referent beim Seminar der M-Akademie „Motivierende Mitarbeitergespräche führen“. | Foto: Attila Henning

Von Robert Torunsky

REGENSBURG. Rund 10,5 Millionen Beschäftigte arbeiten laut einer Bitkom-Erhebung während der Coronapandemie ausschließlich im Homeoffice, weitere 8,3 Millionen zumindest teilweise. Zusammengenommen sind dies rund 45 Prozent aller Berufstätigen in Deutschland. Bitkom hat hochgerechnet, dass auch nach dem Ende der Pandemie 35 Prozent und damit mehr als jeder Dritte den Arbeitsort ganz oder teilweise flexibel wählen wird. Remote Leadership, das Führen auf Distanz, wird die Chefs also auch in Zukunft begleiten und bringt neue Herausforderungen mit sich.

Jetzt sind mehr Planung, Initiative und Vertrauen gefordert

„Führung muss jetzt deutlich bewusster gelebt werden. Vor Corona begegnete man seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Büro, hatte viel mehr Kontakte, hat die Arbeit direkt gesehen – das ist jetzt komplett anders“, sagt Anton Mayer. Der Trainer und Berater berät seit 2007 Unternehmen in Personal- und Führungsfragen. „Als Führungskraft muss ich bewusst auf meine Mitarbeiter zugehen, Zeiten reservieren, in denen ich mit meinen Mitarbeitern zusammenkomme, aber auch Zeiten für den Austausch der Mitarbeiter untereinander.“ Dies alles fordere mehr Planung und mehr Initiative von der Führungskraft. „Und es braucht vor allem Vertrauen, dass meine Leute auch zu Hause einen guten Job machen oder machen wollen.“

Mitarbeiter fühlen sich vom Informationsfluss abgeschnitten

Die Realität sieht indes vielerorts anders aus. Mitarbeiter, die als Schutzmaßnahme ins heimische Büro geschickt wurden, fühlen sich häufig mit ihren Aufgaben und Sorgen allein gelassen und vom Informationsfluss abgeschnitten. Diese Erfahrung hat Mayer ebenfalls bereits gemacht. Grundsätzlich laufe das Thema Homeoffice aber deutlich besser als erwartet. Dennoch müssten Führungskräfte aktiv den Dialog suchen. „Ich führe sehr viele Gespräche mit Mitarbeitern und Führungskräften, die sich schon über einen langen Zeitraum im Homeoffice befinden. Häufiges Feedback: Es wird beschwerlich, zäh, die Arbeit geht nicht mehr so leicht von der Hand, wie es vor der Pandemie der Fall war“, berichtet Mayer. Deshalb müssten Zusammenkünfte – so wie sonst beispielsweise beim zufälligen Treffen in der Kaffeeküche – bewusst gestaltet werden.

Die Mitarbeiterpersönlichkeit als entscheidender Faktor

Der Output der Mitarbeiter sei sehr unterschiedlich, aber auch steuerbar. Die Effizienz hängt laut dem Personalexperten von den Aufgaben, hauptsächlich aber von der Persönlichkeit des Mitarbeiters ab. „Wie auch beim normalen Führen muss ich unterscheiden: Einen erfahrenen, kompetenten Mitarbeiter führe ich anders als einen, der beispielsweise neu in den Job einsteigt und den ich begleitend-unterstützend führen muss“, sagt Mayer. „Bei Mitarbeitern im Homeoffice muss ich mir noch einmal ein Stück mehr bewusst machen, wie ein Mitarbeiter arbeitet, was er braucht und wie er zu führen ist.“ Manche könne und müsse man an der langen Leine laufen lassen und nur anstehende Ziele, Schwerpunkte oder Ergebnisse durchsprechen. Andere müssten dagegen enger geführt werden, mit klaren Vorgaben, mit To-do-Listen sowie begleitendem Feedback. „Hier zeigt sich die Kunst des Führens: Ich muss mir ein möglichst genaues Bild des Mitarbeiters machen – diesbezüglich unterscheidet sich Remote Leadership nicht vom normalen Führen“, erklärt Mayer.

Bei neuen Mitarbeitern, die im Homeoffice arbeiten, sei dies naturgemäß schwierig. „Im Endeffekt gibt es nur ein Tool dafür: das Mitarbeitergespräch“, sagt Mayer, der diesbezüglich die Vorbereitung, aber vor allem auch die Einstellung der Führungskraft unterstreicht: „Die besten Ergebnisse werden gemeinsam erzielt. Dazu gehören auch Ideen, Bedürfnisse und Vorschläge des Mitarbeiters.“

Seminare „Motivierende Mitarbeitergespräche führen“

Anton Mayer unterstützt seit 2007 als selbstständiger Trainer und Berater Unternehmen auf den Gebieten Führungskräftetraining, Personalentwicklung sowie Vergütungsmanagement und begleitet Change-Prozesse. Neben zahlreichen Mittelständlern und Global Playern aus der Region hat Mayer auch die Personalabteilungen von Konzernen wie Siemens, Infineon oder Unilever beraten. In Kooperation mit der Wirtschaftszeitung bietet die M-Akademie des Medienhauses am 13. und 15. April zwei Seminare zum Thema „Motivierende Mitarbeitergespräche führen“ an, für die Anton Mayer als Referent gewonnen werden konnte. Alle Informationen zu den Seminaren gibt es auf www.mittelbayerische-akademie.de.