Wettbewerbe
22. Mai 2020 18:45  Uhr

Die Preisträger 2019 stehen fest!

Herzlichen Glückwunsch an EMZ Hanauer, Matthias Putz und Techreach! Die Unternehmen und der 22-Jährige Projektmanager für IT-Projekte bei Netto-Markendiscount gewinnen Innovationspreis, Studentenpreis beziehungsweise Gründerpreis der Wirtschaftszeitung.

Das Start-up Techreach hat den Gründerpreis der Wirtschaftszeitung 2019 gewonnen. Lea Frank und Tobias Gubo (Mitte) vom Gründerteam haben den Pokal und die Glückwünsche in der Techbase von WZ-Redaktionsleiter Thorsten Retta (li.) und den beiden Vertretern der Jury, Alexander Rupprecht und Veronika Fetzer (re.) entgegengenommen. | Foto: Attila Henning

Von Thorsten Retta

REGENSBURG. Die Spannung war groß, die Konkurrenz stark und die Auswahl für die Jury entsprechend schwer. 2019 haben sich wieder zahlreiche Unternehmen, Studierende und Gründer mit ihren Innovationen, Abschlussarbeiten und Start-ups für die Wettbewerbe der Wirtschaftszeitung beworben. In einer ersten Runde haben die Juroren die mit Blick auf die Auswahlkriterien besten Bewerbungen ausgewählt. Diese wurden bereits in der Wirtschaftszeitung sowie auf der Homepage vorgestellt.

Weil es – wie so oft – auch beim Innovationspreis, Studentenpreis und Gründerpreis der Wirtschaftszeitung nur je einen Sieger geben kann, musste die Jury aus den Finalisten nun den jeweiligen Gesamtsieger bestimmen. Die Entscheidung war nicht leicht, in keiner der beiden Auswahlrunden. Was die ostbayerische Wirtschaft an Innovationskraft, klugen Köpfen und Gründermut zu bieten hat, ist außergewöhnlich und stimmt angesichts der Herausforderungen, die nicht zuletzt infolge der Coronakrise in Zukunft zu erwarten sind, zuversichtlich.

Trotz der Vielzahl hochkarätiger Bewerber hat die Jury eine Wahl getroffen. Unter normalen Umständen bekämen die drei Sieger im Rahmen der großen Gala der Wirtschaftszeitung eine entsprechende Bühne. Wegen des Coronavirus sind die Umstände jedoch nicht normal – und die ursprünglich für den 13. Mai geplante Galaveranstaltung musste ausfallen. Wir bieten unseren Siegern aber dennoch eine angemessene Bühne.

Machen Sie sich einen Eindruck von Gewinnern und deren außergewöhnlichen Leistungen und freuen Sie sich mit EMZ Hanauer, das den Innovationspreis der Wirtschaftszeitung 2019 gewonnen hat, mit Matthias Putz, dem Sieger des Studentenpreises der Wirtschaftszeitung 2019 und mit dem Team von Techreach, das mit dem Gründerpreis der Wirtschaftszeitung 2019 ausgezeichnet wird. Herzlichen Glückwunsch allen Gewinnern!

Innovationspreis : EMZ Hanauer – Egate Digi

Vor mehr als zehn Jahren hatte EMZ Hanauer mit dem Egate ein intelligentes Zugangssystem für Müllgroßcontainer auf den Markt gebracht. Das Prinzip ist einfach: Gemeinschaftsmülltonnen werden verschlossen und können nur von registrierten Nutzern mit einem personalisierten elektronischen Schlüssel geöffnet werden. Die Tonne hält fest, wer wann wie viel hineinkippt. Diese Daten werden an den Entsorger oder die Kommune übermittelt. Die Vorteile: Der Verbraucher zahlt nicht mehr pauschal, sondern nur die tatsächlich abgelieferte Abfallmenge, die Entsorger wissen über die Füllmenge ihrer Behälter Bescheid und Mülltouristen müssen zu Hause bleiben. 2017 hat EMZ Hanauer das System weiterentwickelt zur Applösung Egate Digi. Die App ist benutzerfreundlich und bietet neben der reinen Öffnungsfunktion eine Fülle von Möglichkeiten: Sie liefert Infos über Standort und Zustand der Tonne. Ebenso kann der Müllkunde direkt mit dem Entsorger oder der Kommune Kontakt aufnehmen. Zudem bekommt der Nutzer über das Smartphone direkt Feedback, was zusätzlich Umweltbewusstsein erzeugt.

Nachdem EMZ Hanauer bereits den German Innovation Award 2019 für Egate Digi gewinnen konnte, durften sich EMZ-Geschäftsführer Thomas Hanauer (re.), Alexander Salomon, Leiter der Geschäftseinheit Haus- und Umwelttechnik (li.) sowie der per Videokonferenz zugeschaltete Geschäftsführer der EMZ Environmental Technology GmbH, Raoul Janssen, auch über den Innovationspreis der Wirtschaftszeitung 2019 freuen. Neben dem Pokal erhält EMZ ein doppelseitiges Firmenporträt in der Wirtschaftszeitung. Foto: Istvan Pinter

Dazu Alexander Stahl, Geschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz und Jurymitglied: „Einfach aber doppelt hilfreich. Die App spart auf der einen Seite dem Verbraucher Kosten, andererseits leistet sie einen nicht zu unterschätzenden Umweltbeitrag, wenn nur volle Tonnen zur Leerung vom Entsorger angefahren werden.“ Ebenso überzeugt ist auch Jurykollge Sean Patrick Saßmannshausen: „EMZ Hanauer hat auf einem sehr schwierigen Markt eine Lösung entwickelt, die die Akzeptanz der Kunden findet. Ich habe mich mit ähnlichen Konzepten bereits vor Jahren als Jurymitglied bei Gründerwettbewerben in Estland und Finnland befasst, doch bei der Umsetzung hat EMZ Hanauer klar die Nase vorne“, so der Professor für Betriebswirtschaftslehre und Entrepreneurship an der OTH Regensburg. „Das Unternehmen steht damit stellvertretend für wichtige Schlüsselqualitäten des deutschen Mittelstands, die wir auch unseren Studierenden in der Lehre an der OTH vermitteln: Solidität gepaart mit Innovation und Internationalität gepaart mit einem starken Heimatstandort.“

Studentenpreis: Matthias Putz – Netto Marken-Discount

Digitaler Self-Service gilt laut Matthias Putz, der nach seinem dualen Studium bei Netto Marken-Discount als Junior Projektmanager für IT-Projekte tätig ist, dabei als ein vielversprechendes Zukunftsfeld des Lebensmitteleinzelhandels. In seiner Bachelorarbeit „Scan & Go – Einführung von Self-Scanning und Self-Checkout bei Netto Marken-Discount“ beleuchtet der 22-Jährige die Technologien Self-Scanning und Self-Checkout. Dabei analysierte Putz detailliert die mögliche optimale Umsetzung dieser Technologien bei Netto Marken-Discount. Dies verdichtete er dann zu einem Konzept.

Studentenpreis Matthias Putz vor Netto Marken Discount

32 hochkarätige Abschlussarbeiten musste die Jury prüfen und kürte schließlich Matthias Putz als Gewinner des Studentenpreises der Wirtschaftszeitung 2019. Putz, dualer Student bei Netto Marken-Discount, hatte in seiner Bachelorarbeit die Einführung von Self-Scanning und Self-Checkout als Bezahlmöglichkeiten untersucht. Redakteur Robert Torunsky (vo. li.) überreichte im Beisein von Markus Lohner (re.), Teamleitung IT-Projektierung und Harald Eichhammer (hi. li), Bereichsleiter IT, den Siegerpokal, eine Urkunde und einen Scheck über 3000 Euro an Matthias Putz (vo. re.). Foto: Axel Griesch

Ziel war es, anschließend eine fundierte Handlungsempfehlung für eine mögliche Umsetzung und Implementierung abzugeben. Dazu führte Putz eine empirische Untersuchung in Form einer Kundenbefragung durch. Über 100 Kunden sollten sich nach ihrem Einkauf in einer Netto-Filiale für eine von drei Varianten von Self-Scanning und Self-Checkout entscheiden. Ein weiterer Pluspunkt der von Putz vorgestellten „Scan and Go“-Variante ist der mobile kontaktlose Zahlungsvorgang. Der Kunde hat die Möglichkeit, seine Produkte selbst einzuscannen und mobil zu bezahlen. Dies sorgt für ein zügiges und stressfreies Einkaufserlebnis. Für Jurymitglied Daniel Brandt, Leiter Kommunikation und Design bei Horsch Maschinen, verdient die Arbeit nicht zuletzt aufgrund der „hohen Relevanz für den Einzelhandel bundesweit und damit die ganze Gesellschaft“ Anerkennung.

Gründerpreis: Techreach

Die seit 1. Januar geltende Kassensicherungsverordnung und die daraus resultierende Belegpflicht sorgte für den ersten Aufreger des Jahres. Insbesondere Bäckereien, Kioske und Imbisse mit kleinen Umsatzbeträgen kritisierten den Aufwand und unnötigen Müll. Das Start-up Techreach hatte bereits im Vorfeld eine digitale und umweltfreundliche Alternative zum Papierkassenbon entwickelt: Mit der Anybill-App haben Kunden die Möglichkeit, auf den Bon, der häufig noch auf schadstoffbelastetem Thermopapier gedruckt ist, zu verzichten und ihn stattdessen per QR-Code oder Foto auf dem Smartphone zu speichern. „Da man das Handy immer dabeihat, gibt es nie wieder vergessene, verschwundene oder verblasste Belege“, sagt Lea Frank, Mitbegründerin und CEO von Techreach. Die Kassenzettel werden dabei automatisch kategorisiert. „Mit Anybill findet man jederzeit den richtigen Kassenzettel wieder – und das mit nur einem Klick.“ Weitere Features sowie Kooperationen mit Handelspartnern, Kassensoftwareanbietern und Finanzinstituten sind bereits in Vorbereitung, verrät Frank.

Start-up Techreach

Das Start-up Techreach hat den Gründerpreis der Wirtschaftszeitung 2019 gewonnen. Lea Frank und Tobias Gubo (Mitte) vom Gründerteam haben den Pokal und die Glückwünsche in der Techbase, dem Sitz des Unternehmens, von WZ-Redaktionsleiter Thorsten Retta (li.) und den beiden Vertretern der Jury, Alexander Rupprecht und Veronika Fetzer (re.) entgegengenommen. Für den Erfolg erhalten die jungen Gründer neben Pokal und Urkunde die Möglichkeit, sich und ihr Team sowie ihre Ideen im Rahmen eines einseitigen Firmenporträts in der Wirtschaftszeitung zu präsentieren. Foto: Attila Henning

IHK-Geschäftsführer und Jurymitglied Dr. Martin Kammerer sieht viel Potential in der Geschäftsidee. „Mit der digitalen papierlosen Erfüllung der lästigen Belegausgabepflicht ist die Geschäftsidee Anybill am Puls der Zeit“, sagt Kammerer. „Einzelhändler und andere Unternehmen können Kassenbelege digital auf das Smartphone ihrer Kunden übertragen. Durch die Digitalisierung wird aufgrund der Einsparung des Thermopapiers auch die Umwelt geschont. Kunden wiederum profitieren von Anybill, indem sie sämtliche Belege komfortabel mit ihrem Smartphone verwalten können.“ Auch für Professor Saßmannshausen ist Techreach ein würdiger Sieger: „Die Kunst des Gründens liegt nicht so sehr im Planen, sondern im ‚In-Kraft-Setzen‘ der Idee, etwas, was wir in der Wissenschaft auch als ‚Effectuation‘ bezeichnen. Lea Frank und ihr Team zeigen die dazu nötige Kombination aus strategischem Denken und hoher, flexibler Handlungsorientierung.“