Finanz- und Vermögensberatung
15. Dezember 2021 6:09  Uhr

Die Sicherheit nicht vernachlässigen

Egal ob das Ziel Vermögensbildung oder Alterssicherung heißt: Bei der Kapitalanlage müssen sich Sicherheit und Nachhaltigkeit gegenseitig keineswegs ausschließen.

Laut einer aktuellen Postbank-Umfrage sorgt bereits knapp jeder zweite Wertpapierbesitzer (48 Prozent) mit Aktien und Fonds für sein Alter vor. Insgesamt betrachtet ist der Anteil der Befragten, die Geld an der Börse anlegen, mit 25 Prozent allerdings verhältnismäßig gering. Die Mehrheit der Anleger besitzt Aktien (76 Prozent), Anteile an einem Investmentfonds (49 Prozent) oder Indexfonds (45 Prozent). Wer in Aktien und Fonds investiert, habe die Chance auf eine ansehnliche Rendite, so die Postbank. Foto: Dario – stock.adobe.com

Von Gerd Otto

REGENSBURG. Angesichts der aktuell auf den verschiedensten Ebenen drastisch gestiegenen Preise und einer dennoch unvermindert anhaltenden Niedrigzinsphase ist für Anleger und Investoren guter Rat derzeit geradezu wortwörtlich teuer. Finanz- und Vermögensberater sind im Spannungsfeld zwischen Inflation mit ihren negativen Auswirkungen auf Geringverdiener und Rentner sowie den großen Chancen für private wie staatliche Investitionen mehr denn je gefordert.

Rendite auf Platz zwei

Wie aber ticken die Deutschen, wenn sie in diesen Tagen danach befragt werden, nach welchen Kriterien sie ihr Geld anlegen? Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA), hinter dem sich das Forschungsinstitut des Bundesverbands Deutscher Vermögensberater (BDV) verbirgt, geben zwar mehr als die Hälfte der befragten Bürger an, dass ihnen Nachhaltigkeit bei der Geldanlage wichtig sei. Bei der konkreten Anlageentscheidung aber stünden andere Faktoren im Vordergrund, allen voran die Sicherheit mit 43 Prozent, gefolgt von Rentabilität mit 27 Prozent und Liquidität mit 18 Prozent sowie dem Schlusslicht Nachhaltigkeit, das es nur auf 13 Prozent gebracht hat. Wie der wissenschaftliche Direktor des Hochschulinstituts der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) Dr. Michael Heuser betont, bestätigen auch die vergleichsweise hohen Summen auf deutschen Girokonten und bei Sichteinlagen das traditionell konservative Anlageverhalten. Tatsächlich schließen sich Sicherheit und Nachhaltigkeit nicht gegenseitig aus. Anlagemöglichkeiten mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit sollten auch den Sicherheitsaspekt nicht vernachlässigen.

„Das kann der Markt besser“

Gerade Bayerns regionale Kreditinstitute stehen mit Nachdruck hinter dem Ziel einer solchen Nachhaltigkeit, die marktwirtschaftlich auch tragfähig sein müsse. Wie der Genossenschaftsverband Bayern und der Sparkassenverband des Freistaats in gemeinsam formulierten Leitplanken betonen, lasse sich Nachhaltigkeit nicht über ständige Eingriffe, Verbote und Gebote erreichen. Vielmehr bieten sich Banken und Sparkassen gerne als „Lotsen der Nachhaltigkeit“ an. Die Verantwortung für den Umbau der Wirtschaft müsse vorrangig bei den Unternehmen selbst bleiben. Es sei nicht Aufgabe der Politik, über Produkte und Leistungen zu entscheiden: „Das kann der Markt besser.“

Und wie präsentieren sich vor diesem politischen Hintergrund die Berater selbst? Die Bezeichnung Finanzberater ist zwar rechtlich nicht geschützt, jedoch sind seit einigen Jahren umfassende Kenntnisnachweise erforderlich, um diese Tätigkeit ausüben zu können. Außerdem, darauf verweist die Verbraucherzentrale, müsse der Berater seit der Verordnung zur Finanzanlagenvermittlung 2013 eine Versicherung abschließen, die bei Vermögensschäden haftet.

Kreditfinanzierte Impulse

Für Kapitalverwaltungsgesellschaften gelte dies nicht, da für sie bereits eine Genehmigung durch die Bafin nötig sei. Neben einer Beratung auf Provisionsbasis gewinnt die Honorarberatung immer mehr an Bedeutung. Die Mitglieder des Bundesverbands der Finanzplaner, die sich als „ungebundene Kapitalanlageberater“ verstehen, plädieren schon deshalb dafür, einen professionellen Berater hinzuziehen, um alle relevanten Kriterien zu berücksichtigen, keine wesentlichen Aspekte zu vergessen und hinsichtlich Rendite und Risiko eine ausgewogene Strategie zu entwickeln.

Und was wird den Anlegern aktuell geraten? Laut Robert Beer, dem Gründer und Geschäftsführer der nach ihm benannten Investment GmbH im oberpfälzischen Parkstein, sollte man sich der Risiken, die sich aus den Bereichen Lieferketten, Inflation und Immobilien ergeben, bewusst sein. Gerade deshalb aber müsse man auf eine breite Streuung über die verschiedensten Branchen achten und ein aktives Risikomanagement betreiben. Positiv bewertet Robert Beer angesichts eines Zinsniveaus von Null die Idee von „kreditfinanzierten Klimaimpulsen“.