Urbanisierung
7. Oktober 2020 12:58  Uhr

Die Stadt der Zukunft bauen

Die Urbanisierung wird in den „neuen Zwanzigern“ massiv voranschreiten. Die Herausforderungen werden beträchtlich sein.

Wie viele Megacitys in Asien steht auch die Skyline der indonesischen Hauptstadt Jakarta für den unaufhaltsamen Trend der Urbanisierung. | Foto: Creativa Images – stock.adobe.com

Von Stefan Ahrens

REGENSBURG. In den 1950er- und 1960er-Jahren stellten sich viele Menschen die Stadt der Zukunft mehr oder weniger wie eine Art bewohnbare Raumstation auf Erden vor. Stellvertretend für diese Art der Architekturästhetik stehen die grafischen Entwürfe von Syd Mead (1933-2019): Der legendäre US-Industriedesigner und visuelle Futurist, der auch die Sets für Science-Fiction-Filmklassiker wie „Blade Runner“ und „Aliens“ entwarf und dessen Autodesignentwürfe erst jüngst Elon Musk zu dessen Tesla Cybertruck inspirierten, blickte durchaus optimistisch in die Zukunft. Dennoch liebte er es, Menschen gedanklich in hochtechnologisierte und visuell beeindruckende, aber letztendlich kalte und unbewohnbare Betonkolosse zu verfrachten.

Angesichts der Bevölkerungsentwicklung, der ökologischen Krise und des Klimawandels sowie immer älter werdender Gesellschaften braucht es jedoch in den „neuen Zwanzigern“ mit Blick auf die zukünftige Stadtentwicklung realistischere architektonische Maßstäbe: Laut UN-Prognosen wird es bis 2030 mehr als 40 Megacitys mit jeweils mehr als zehn Millionen Einwohnern geben. Aktuelle Riesenstädte wie Tokio – in der Metropolregion leben 37 Millionen Einwohner –, Shanghai mit 23 oder New York City mit 20 Millionen werden keine großen Ausnahmen mehr sein. Die naheliegende Frage angesichts der aus allen Nähten platzenden „Stadtstaaten“ muss lauten: Wie können die Menschen in der Zukunft umwelt- und energiefreundlich, bezahlbar, sozial gerecht und sicher in den Metropolen der Welt wohnen?

Auch in Europa und Deutschland muss diese Frage beantwortet werden, denn auch hier werden die Städte immer größer und breiten sich ins Umland aus. Landwirtschaftliche Flächen und Lebensraum für Tiere werden zunehmend knapper. Und trotz aller Bestrebungen für mehr innerstädtischen Wohnraum kann das Angebot der hohen Nachfrage oft nicht standhalten. Die Folge sind unerschwingliche Immobilienpreise für Normalverdiener. Hinzu kommt, wie Prof. h.c. Dr. Chirine Etezadzadeh im Interview verrät: Für ein lebenswertes Leben in der Stadt benötigen Menschen mehr als nur Wohnraum. Sie brauchen beispielsweise auch eine ausreichende Trinkwasser-, Nahrungsmittel-, Medizin- und Energieversorgung sowie Orte, an denen sie sich als Einwohner gerne aufhalten. Kurzum: Es bedarf einer Smart City.

Interview

Das Ziel muss eine rundum lebenswerte Stadt sein

Für Prof. h.c. Dr. Chirine Etezadzadeh, promovierte Volkswirtin und Leiterin des von ihr gegründeten SmartCity.Institute in Stuttgart, sind Nachhaltigkeit und Ressourcenmanagement die großen Themen der Stadt der Zukunft. Foto: Stefanie Koesling

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