Recht und Steuern
8. März 2022 6:07  Uhr

Steuerberatungskanzleien sind am Limit

Die Bearbeitung der Corona-Überbrückungshilfen neben den bestehenden Aufgaben ist für die Steuerberater eine enorme Belastung. Mit der Grundsteuerreform steht ab Juli die nächste Herausforderung an.

Zusatzaufgaben beispielsweise aufgrund von Corona und zu knapp gesetzte Fristen sorgen in der Steuerberaterbranche derzeit für Überlastung. Foto: Andrey Popov- stock.adobe.com

Von Robert Torunsky

REGENSBURG/BERLIN. Während die Coronapandemie und vor allem auch die Maßnahmen der Politik in vielen Branchen für Auftragseinbrüche oder sogar Stillstand gesorgt haben, türmt sich bei den Steuerberatern die Arbeit. Ausgerechnet die Branche, die vielen Unternehmen durch die Bearbeitung der Coronahilfen das Weiterbestehen sichern soll, fühlt sich selbst von der Bundesregierung im Stich gelassen. Der Präsident der Bundessteuerberaterkammer (BStBK) Hartmut Schwab sieht viele Kanzleien durch das Mehraufkommen nicht in der Lage, ihre originären Aufgaben, Steuererklärungen und Jahresabschlüsse, fristgerecht abzugeben. Aufgrund der Zusatzbelastungen durch die Überbrückungshilfen seien für viele Kollegen die Abgabedeadlines nicht einzuhalten. „Als Dank für ihren Einsatz im Überbrückungshilfe-Dschungel wartet dann ein saftiges Ordnungsgeld auf sie, weil sie die Frist nicht gehalten haben“, sagte Schwab im Interview mit der Augsburger Allgemeinen.

Hier scheint jedoch zwischenzeitlich Besserung in Sicht: Die konstante Forderung der Kammern und Verbände nach dem Verzicht auf eine Sanktionierung sowie eine Fristverlängerung für die Abgabe der Steuererklärungen 2020 um mindestens drei Monate scheint endlich Gehör gefunden zu haben. Das Bundeskabinett plant nun tatsächlich, die Frist zur Abgabeverlängerung in beratenen Fällen um drei Monate zu verlängern. Hieran anknüpfend sollen zudem die Erklärungsfristen für 2021 und 2022 – auch für nicht beratene Steuerpflichtige – ausgeweitet werden.

Erneut zu knappe Fristen

Das wären dringend benötigte gute Nachrichten für die Steuerberater, denn die nächste Herausforderung steht bereits an. Zu der strapaziösen Aufgabe als „prüfende Dritte“ im Rahmen der Corona-Überbrückungshilfen folgt nun mit Blick auf die Grundsteuerreform quasi eine zweite Steuererklärung – mit allen Unwägbarkeiten. Zwischen Juli und Oktober müssen Eigentümer von Grundstücken und Gebäuden ihre Steuererklärung abgeben. Auch bei der zeitlich sehr sportlichen Umsetzung der Grundsteuerreform spart Schwab nicht mit Kritik: „Wie binnen vier Monaten insgesamt 36 Millionen wirtschaftliche Immobilieneinheiten neu bewertet werden und die Feststellungserklärungen eingereicht werden sollen, ist uns schleierhaft“, sagte der Präsident der Bundessteuerberaterkammer der Welt am Sonntag.

Eigentümer von Grundstücken und Gebäuden müssen zwischen Juli und Oktober dieses Jahres für ihre Liegenschaften eine Steuererklärung an die Landesfinanzämter schicken. Die benötigten Daten wie etwa Bodenrichtwert, Baualtersklasse oder Nutzungsart der Immobilie, jeweils zum Stichtag 1. Januar 2022, seien nicht ganz einfach zu beschaffen. Aufgrund des zu erwartenden Aufkommens drohten nicht nur bei den zuständigen Stellen, sondern erneut auch bei den Steuerberatern Flaschenhälse. Schwab hält das Vorhaben der Bundesregierung in der bisher vorgesehenen Zeitschiene für nicht umsetzbar und fordert deshalb auch in diesem Fall eine Abgabefristverlängerung.

Silberstreif am Horizont

An Arbeit wird es den Steuerberatern in absehbarer Zeit also nicht mangeln und da trifft es sich gut, dass wieder mehr Jugendliche die Ausbildung zum Steuerfachangestellten ergreifen und in der krisensicheren Branche arbeiten möchten. Die Verstärkung ist ein Silberstreif am Horizont. Das unter anderem von der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim geforderte einfachere, transparentere Steuersystem würde sicherlich auch auf diese positive Entwicklung einzahlen.