Interview
2. Februar 2022 13:30  Uhr

Die Trends wechseln heute viel schneller

Günter Hölzl, Regensburger Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern HBE, sieht auch in der Region einen steigenden Bedarf für Category Manager im E-Commerce.

Günter Hölzl, Foto: Handelsverband Bayern

Von Rebecca Sollfrank

Herr Hölzl, welche Bedeutung hat für Ihre Mitglieder der Category Manager allgemein und speziell im E-Commerce?

Günter Hölzl: Die Strukturierung von Warengruppen ist sowohl im stationären Handel als auch im E-Commerce von entscheidender Bedeutung. Gerade dort steigt aber die Bedeutung, da sich dieser Vertriebszweig bekanntlich immer mehr Anteile am Gesamtumsatz des Handels sichert.

Hat Corona auch die Bedeutung des Online Category Managers für den Handel in unserer Region erhöht?

Corona hat den ohnehin schon boomenden Onlinehandel noch weiter befeuert, sowohl in der Großstadt als auch in kleineren Städten und ländlichen Gebieten. Gerade zu Beginn der Krise waren mitunter die kleineren Händler sehr innovativ, um im Rahmen der Beschränkungen weiterhin verkaufen zu können. Sie verkauften per Whatsapp, Click & Collect und mit kontaktloser Warenbereitstellung vor der Tür. „Online“ ist also nicht nur ein „Onlineshop“, sondern alles, was unter dem Begriff „digital“ zu subsumieren ist. Auch die kleinen Händler haben gesehen, dass die Kaufkraft verstärkt auf Online- beziehungsweise digitale Plätze abwandert, und haben sich entsprechend gerüstet. Dabei ist natürlich auch die Bedeutung des Online Category Managers in der Region gestiegen.

Wie mischen sich vielleicht alte Tugenden hier mit neuen Kompetenzen?

Die Frequenz neuer Trends hat exponentiell zugenommen. Früher waren Produkte und Styles länger „in“. Durch die sozialen Medien ist die Halbwertzeit deutlich geringer – es gibt aber auch viel mehr solcher Trends. Früher musste das Warensortiment weniger oft auf Aktualität überprüft werden beziehungsweise wurden Neuheiten durch Messen, Produktschulungen oder Produktvorstellungen im Unternehmen verbreitet. Heute muss ein CM vermutlich einfach „nur“ die sozialen Medien verfolgen, um zu wissen, was gerade Trend ist. Insofern ist die alte Tugend – nämlich Sortimentsüberprüfung und Optimierung – weiterhin aktuell. Sie findet nur dynamischer und auf anderen Kanälen statt.

Wie sehen die Karrierechancen für den Warengruppenmanager im Onlinehandel künftig aus?

Er stellt die Schnittstelle zwischen Konsumgüterindustrie und Handel dar und kann auf beiden Seiten arbeiten, also nicht nur im E-Commerce, sondern auch im klassischen stationären Handel. Nicht nur die Zunahme des reinen Onlinehandels, sondern auch der zunehmende Multi-Channel-Handel wird zu einem verstärkten Bedarf an diesem Berufsbild führen. Category Manager ist jedoch kein Ausbildungsberuf. Viele haben ein betriebswirtschaftliches Studium absolviert, wobei ein Studium nicht zwingend notwendig ist. Um den Beruf auszuüben, reicht eine Ausbildung mit passender kaufmännischer Weiterbildung ebenfalls aus. Seit 2018 gibt es eine Alternative zum Studium: Kaufmann/frau im E-Commerce mit Weiterbildung zum Fachwirt E-Commerce. Letzterer eignet sich besonders für Berufspraktiker aus dem Onlinehandel, die nach einer Führungsposition im Bereich E-Commerce streben. Durch die Qualifizierung erhalten sie neben einem hochwertigen IHK-Abschluss gleichzeitig den allgemeinen Hochschulzugang. Diese Weiterbildung in Form eines berufsbegleitenden Studiums dauert circa 18 Monate.