Mobilität
22. März 2021 9:35  Uhr

Die Wege in der Stadt der Zukunft sind kurz

Kaum etwas wird die Stadt von morgen so prägen wie ihr Verkehr. Damit er durchstarten kann, müssen wir einen Gang zurückschalten.

Um das Leben in der Stadt der Zukunft lebenswert zu machen, braucht es Fortbewegungsalternativen zum Verbrenner. | Foto: YiuCheung – stock.adobe.com

Von Jonas Raab

REGENSBURG/BERLIN. Laut Weltwirtschaftsforum werden im Jahr 2050 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben, dort arbeiten, Feierabend machen und dann nach Hause wollen. Um die Stadt von morgen lebenswert zu machen, braucht es neue Mobilitätskonzepte abseits rauchender Verbrenner im Dauerstau. Ein erster Schritt ist ein Tritt in die Pedale. Das benzinbetankte Auto spielt in der Stadt von morgen höchstens eine Nebenrolle. Vernetzte Park-and-Ride-, Carsharing- und ÖPNV-Angebote, aber auch das gute alte Fahrrad sollen es an den Stadtrand verdrängen.

Vieles wird sich innerhalb einzelner Stadtbezirke abspielen. Tägliche Mobilitätsziele sollen zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar sein, erklärt das Umweltbundesamt in seiner Vision für die Stadt der Zukunft. Das Konzept der kurzen Wege löst das langjährige Denkmodell der Trennung einzelner Lebensbereiche wie Arbeit und Privates ab. Verkehrsinfrastruktur und Stadtentwicklung beeinflussen sich schon immer gegenseitig. Dass sich diese Strukturen aufbrechen lassen, beweist beispielsweise Barcelona mit seinen Superblocks: Autos müssen draußen bleiben, Fußgänger und Fahrradfahrer haben Vorrang. Das Konzept gilt als Blaupause für die Rückeroberung des öffentlichen Raums.

Gefahren wird in Zukunft trotzdem, am liebsten autonom. In dicht bebauten Städten haben es smarte Fahrzeuge aber schwer. Ein Lösungsansatz ist deshalb, nicht nur die Autos, sondern den ganzen Stadtverkehr smart zu machen. Die Stadt der Zukunft soll über vernetzte Infrastrukturen und aufeinander abgestimmte Verkehrsnetze verfügen. Eine übergeordnete Zentrale regelt das komplette Verkehrssystem, selbst ein autonomes Fahrzeug trifft keine Entscheidungen mehr. Jeder Weg wird vorgegeben. „Ob man in so einer Welt leben möchte, steht natürlich auf einem anderen Blatt“, gibt Daniel Krajzewicz zu bedenken. Er ist Abteilungsleiter Mobilität und urbane Entwicklung am Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Bevor autonome Fahrzeuge durchstarten und allumfassende Systeme den Stadtverkehr regeln, müssen wir allerdings einen Gang zurückschalten, erklärt er im Interview.

Interview

20 Jahre Galgenfrist bekommt das Auto noch

Hyperloops nein, Flugtaxis vielleicht, autonomes Fahren wahrscheinlich, ÖPNV ziemlich sicher: Daniel Krajzewicz, Abteilungsleiter Mobilität und urbane Entwicklung am Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, spricht über urbane Mobilitätskonzepte der Zukunft.

Foto: DLR

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