Arbeitswelt der Zukunft
18. März 2022 6:07  Uhr

Die Zukunft der Arbeit vom Ende her gedacht

Wie wir in Zukunft arbeiten werden, hängt von vielen Komponenten ab. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen setzt die Politik. Arbeitnehmer in ihrem täglichen Tun optimal zu unterstützen, ist dagegen Aufgabe der Arbeitgeber.

Eine coole Loftatmosphäre kann bereits etwas zur Aufenthaltsqualität im Büro beitragen. Noch wichtiger ist allerdings eine Ausdifferenzierung der verschiedenen Arbeitsplatzfunktionalitäten. Foto: Christian Hillebrand – stock.adobe.com

Von Mechtild Nitzsche

BERLIN/STUTTGART. Die Arbeitswelt ist in Bewegung, und das nicht erst seit Corona: Digitalisierung, Globalisierung, Fachkräftemangel und vermehrt auch Fragen des Klimaschutzes setzen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik unter Druck, tragfähige Lösungen für das Arbeiten in der Zukunft zu finden.

Auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales beteiligt sich an dem Findungsprozess, unter anderem seit Oktober 2018 mit der Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft. Sie beleuchtet das Thema in den vier Schwerpunkten „Künstliche Intelligenz“, „Plattformökonomie“, „Beschäftigtendatenschutz“ und „Arbeitsgesellschaft 2040“. Für Letzteren wurden vier Szenarien entworfen: die smarte Maschinen-Gesellschaft mit den Eigenschaften hochautomatisiert, effizient und stagnierend; die Plattform-Gesellschaft, gekennzeichnet als instabil, individualistisch und vereinzelt; die Welt des Netzwerkkapitalismus, adaptiv, dominant und transnational; und die ressourcenoptimierte Gesellschaft, krisenerfahren, nachhaltig und normierend.

Kein Szenario ist ideal

Dabei fällt auf: Keine der Varianten wird idealisiert, jede bietet Vor- und Nachteile. Die für die jeweiligen Szenarien skizzierten Ausgangspunkte klingen indes plausibel. Der pandemiebedingte Aufstieg der Plattformökonomie, die Herausbildung globaler Digitalkonzerne oder die Auswirkungen des Klimawandels auf Wirtschaft und Gesellschaft: Sie alle könnten Kipppunkte für derart stark divergierende Entwicklungen sein. Was den Autoren der Szenarien allerdings wichtig ist: Sie stellen keine Prognosen dar, sondern sollen zu einer Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Zukünften einladen, um nach dem „Was wird sein, wenn …?“ zu fragen und möglichen Antworten nachzugehen.

Eine „typbasierte“ Arbeitswelt

Einen völlig anderen Ansatz bei der Betrachtung von Bürowelten von morgen verfolgt das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO. Das Institut mit Sitz in Stuttgart hat seine 2018 veröffentlichte Studie „Office Analytics – Erfolgsfaktoren für die Gestaltung einer typbasierten Arbeitswelt“ im Rahmen des Innovationsverbunds „Office 21“ mit Partnern aus der Wirtschaft erstellt. Statt wenig individueller Raumkonzepte wie Einzel- und Doppelbüros bis hin zu Großraumbüros sucht die Studie nach Raumlösungen, die optimal auf die dort geleistete Arbeit und die Bedürfnisse der Mitarbeitenden ausgerichtet sind.

Großteil der Arbeit ist noch immer Stillarbeit

Zur Klassifikation zieht das IAO dabei nicht mehr wie sonst üblich die Funktion der Mitarbeiter – Führungskraft, Fachkraft, Sachbearbeiter, Unterstützer – heran, sondern die tatsächlichen Arbeiten und ihre Anforderungen an die Umgebung. Und die teilen sich, so das Ergebnis der Studie, wie folgt auf: Wissensarbeiter verbringen ihre Arbeitszeit zu 48 Prozent mit Stillarbeit, zu 15 Prozent mit Sprechen am Arbeitsplatz, zu 13 Prozent mit Sprechen im Besprechungsraum, zu 9 Prozent mit Telefonieren am Arbeitsplatz, zu 7 Prozent mit informellen Treffen und zu jeweils 4 Prozent mit Arbeit mit Gegenständen am Arbeitsplatz und Arbeiten in Werkstatt oder Labor.

Traveller und Silent Worker unter einen Hut bringen

Diese Arbeitsanteile sind allerdings nicht an Personen festzumachen, sondern verteilen sich über die gesamte Belegschaft. Deshalb hat das IAO in einem zweiten Schritt sieben Arbeitstypen entwickelt: Silent Worker, Caller, Hands-on-Mitarbeiter, Communicator, Thinker, Hypercross und Traveller. Sie decken ein breites Spektrum ab, nicht nur zwischen stiller und kommunikationsbetonter Tätigkeit, die sich räumlich nur schlecht vertragen, sondern auch zwischen meist anwesend und häufig unterwegs. Wie Arbeitgeber bei der Gestaltung des Arbeitsumfelds die jeweiligen Tätigkeiten optimal unterstützen können, erklärt Alina Käfer vom IAO im Interview.

Interview

Alles eine Frage des Typs

Im Film „Metropolis“ verschlang ein Moloch einst Massen unterschiedsloser Arbeiter. Heute ist die Sicht auf die Mitarbeiter verfeinerter: Im Interview erklärt Alina Käfer vom Fraunhofer IAO, warum Arbeitgeber sich mit verschiedenen Mitarbeitertypen auseinandersetzen sollten.

Hier geht’s zum Interview …