Businessclub
21. März 2019 12:33  Uhr

„Die Zukunft ist ein gestaltbarer Raum“

Lars Thomsen, Gründer und Chief Futurist der Denkfabrik Future Matters AG in Zürich, gilt als einer der einflussreichsten Trend- und Zukunftsforscher. Er referierte vor rund 100 Mitgliedern im Businessclub über das Deutschland im Jahr 2030.

Zukunftsforscher Lars Thomsen sprach im Businessclub über „die Welt in 600 Wochen“. | Foto: Stefan Hanke

Von Robert Torunsky

REGENSBURG. Humanoide Roboter als Haushaltshilfen zum Preis eines Kleinwagens, autonom fahrende Autos, Lufttaxis, durch Drohnen ersetzte Paketboten und gigantische Gewächshochhäuser mit dem Potenzial, den Hunger in der Welt zu stillen: Was sich für viele Ohren möglicherweise noch wie eine weit entfernte Zukunftsvision anhört, wird laut Lars Thomsen schon bald Realität werden. Vieles davon in 600, manches sogar bereits in 300 Wochen. Der Gründer und Chief Futurist der Denkfabrik Future Matters AG in Zürich, der als einer der einflussreichsten Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum gilt, skizzierte im Businessclub ein Bild von Deutschland im Jahr 2030. Über 100 Mitglieder und Gäste waren in das Stammhaus der Hypovereinsbank gekommen, um den gefragten Keynote Speaker zu erleben, der viele führende Unternehmen und Institutionen bei ihrer strategischen Innovations- und Zukunftsplanung berät. Gastgeber Rainer Ehbauer vom Businessclub-Sponsor Hypovereinsbank begrüßte die Gäste in dem historischen Gebäude.

Martin Angerer, Redaktionsleiter der Wirtschaftszeitung, hatte Lars Thomsen als „kreativen wie provokanten Vor- und Querdenker“ angekündigt, der wie kein Zweiter chancenorientiert in die Zukunft blicke. Der Referent hielt das Versprechen und sorgte gleich einmal für einen Paukenschlag: „Wenn Sie sich am Arbeitsplatz oder zu Hause umsehen oder durch Regensburg fahren, sind Sie umgeben von Dummheit.“ Der Trendforscher relativierte die knackig formulierte Aussage aber umgehend: „Ich meine nicht menschliche Dummheit, sondern die Art und Weise, wie wir derzeit mit Maschinen und Computern umgehen.“ Thomsens Vortragstitel „Künstliche Intelligenz – Das Ende der Dummheit“ bezog sich auf den Einfluss der Megatrends wie KI und Digitalisierung auf das Arbeiten und Leben in einer Zukunft, die viel näher liegt, als man glaubt. „Am nächsten Montag sind es nur noch 599 Wochen.“ Den anstehenden Umbruch bezeichnete Thomsen als ebenso dramatisch wie die Erfindung der Dampfmaschine vor 220 Jahren. „Wir dürfen uns in Deutschland nicht auf eine Position zurückziehen, in der wir sagen: ,Solange der Datenschutz nicht geklärt ist, wird und soll das nicht kommen.‘ Wir müssen den Rahmen schaffen, in dem sich diese Technologie ausbreiten kann.“ Thomsen gab anschließend detaillierte Einblicke in die Zukunftsmärkte. Nur eines der zahlreichen Beispiele: „Die Robotik ist aktuell noch ein kleiner Markt, hat aber das Potenzial, das des Automobilmarkts zu übersteigen.“ Bereits in 300 Wochen gebe es humanoide Roboter für unter 20 000 Euro, die im Haushalt zahlreiche Aufgaben erfüllen könnten. Diese Einschätzung sei kein Blick in eine Kristallkugel, sondern basiere auf einer Delphi-Umfrage unter 31 Robotikherstellern. Die Entwicklung würde einen Wandel der Berufsbilder, etwa bei Reinigungskräften in Hotels oder der Paketzustellung, nach sich ziehen, auf den es sich vorzubereiten gelte. Eine entscheidende Rolle komme andererseits den Arbeitgebern zu, die sich laut Thomsen künftig den Mitarbeitern anbieten müssten, um sie von ihren Vorzügen zu überzeugen. „Arbeitgeber und -nehmer bilden zukünftig eine Wertegemeinschaft, die man mit einem Verein vergleichen kann“, blickte er voraus. Um sich auf die Transformation vorzubereiten, sollte man sich zwei Stunden pro Tag mit Dingen beschäftigen, die man nicht bereits kenne, und eine gewisse Neugier kultivieren. „Die Zukunft ist ein gestaltbarer Raum.“

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung zum Businessclub gibt es hier.