Kombinierter Verkehr
25. September 2021 6:05  Uhr

Drehscheibe für Regensburgs Exporterfolg

Die Region Regensburg beheimatet exportorientierte Weltunternehmen wie BMW oder Krones, für die der kombinierte Verkehr zur essenziellen Infrastruktur zählt. Aber gerade hier sind wichtige große Ausbaumaßnahmen ins Stocken geraten.

Die internationale Logistik basiert auf einer engen Verzahnung der verschiedensten Verkehrsträger. | Bild: Intpro – stock.adobe.com

Von Rebecca Sollfrank

REGENSBURG. „Es ist mehr Öffentlichkeitsarbeit und Informationsmaterial über die Bedeutung der Logistik am Standort Regensburg erforderlich. Eine Missachtung der aufgezeigten Entwicklungen führt zu negativen Auswirkungen für die Region Regensburg, zum Beispiel zu zunehmendem Verkehr auf der Straße oder einem Rückgang von Arbeitsplätzen.“ Die Entwicklungen, von denen hier die Rede ist, stammen aus der Studie zu den „Umschlaganlagen des kombinierten Verkehrs in der Region Regensburg“. Sie wurde 2014 vom Amt für Stadtentwicklung in Auftrag gegeben und 2015 abgeschlossen. Experten des Logistik-Kompetenz-Zentrums (LKZ) in Prien am Chiemsee und das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) in Dortmund sollten standortgenau die damalige Situation des sogenannten kombinierten Verkehrs (KV) einschätzen. Und die Studie sollte eine Prognose für die Entwicklung der Branche in der Region bis 2033 liefern. Das Resultat löste damals ein kleines Beben bei den Akteuren des KV aus: Regensburg hatte 2015 bereits die Umschlagzahlen erreicht, die der Bundesverkehrswegeplan erst für 2025 prognostiziert hatte.

Im kombinierten Verkehr zeichnet sich der gemischte Transportweg von Gütern auf verschiedenen Verkehrsträgern ab. Regensburg ist ein wichtiger Knotenpunkt für die Verladung von Gütern von der Straße auf die Schiene und die Wasserstraße. Große Verlader aus der Region wie BMW, Krones oder ZF Passau lassen hier ihre Güter zum Weitertransport disponieren. „Wenn es um den kombinierten Verkehr geht, sind wir in Regensburg auf den ersten Blick in einer komfortablen Situation, weil wir im Stadtgebiet mit dem privatwirtschaftlich von der Firma CTR betriebenen Umschlagterminal im Hafen und der von der Bahntochter Deutsche Umschlaggesellschaft Schiene Straße DUSS betriebenen Anlage in der Robert-Bosch-Straße gleich zwei KV-Umschlaganlagen haben“, sagt Dr. Jan-Erik Beuttel, stellvertretender Leiter des Amtes für Wirtschaft und Wissenschaft.

„Es geht um nicht weniger als die Versorgungssicherheit“

Beuttel lässt keinen Zweifel an der Bedeutung des KV als Wirtschaftsfaktor: „Es geht dabei um nicht weniger als die Versorgungssicherheit für unsere exportorientierten Betriebe.“ Doch der in der Studie von 2015 empfohlene Ausbau der KV-Kapazitäten geht zumindest teilweise schleppend voran. Das Containerterminal Regensburg (CTR) im Hafen kann als privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen weitgehend eigenverantwortlich ausbauen. Am 9. Dezember 2019 brachte Verkehrsminister Andreas Scheuer dafür ein Nikolausgeschenk – einen „Zukunftsscheck“ in Höhe von 433.700 Euro. Die DUSS dagegen benötigte für ihren Neubau die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan. Beuttel: „Ein Ziel unserer Studie war die Aufnahme möglichst in den vordringlichen Bedarf. Nach meinen Erkenntnissen hat unsere Studie dazu einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet.“ Die Bedeutung des KV-Terminals Regensburg wird von DUSS-Pressesprecher Jürgen Karl bestätigt. Immerhin fertigt die DUSS Regensburg jährlich 160.000 Ladeeinheiten (LE) – gemessen werden LE in Containern – von 530.000 LE aller bayerischen DUSS-Terminals ab. „Nach Umschlag gemessen zählt Regensburg bei der DUSS mit Rang 5 zu den größten Anlagen“, so Karl. Und das, obwohl die Terminalmannschaft schon seit Jahren mit Gleiskapazitäten auskommen muss, in die nur ein halber Zug passt.

München kann sich von Regensburg eine Scheibe abschneiden

Wenn man die Umschlagzahlen in Regensburg unter den limitierenden Rahmenbedingungen mit den Umschlagzahlen des deutlich größeren DUSS-Terminals München-Riem in Relation setze, sagt dazu Wirtschaftsförderer Beuttel, „kann sich München von Regensburg durchaus eine Scheibe abschneiden“. Kein Wunder, dass alle Beteiligten, vom Wirtschaftsamt über die Verlader bis hin zur IHK, den Neubau des DUSS-Terminals herbeisehnen. Vonseiten des Verkehrsministeriums stand 2018 eine Realisierung bis 2021 im Raum. Die IHK ging zeitweise von 2023 aus. Von anderen Stellen hört man die Jahreszahl 2025. DUSS-Sprecher Jürgen Karl kann lediglich sagen, man sei „derzeit gemeinsam mit unserer Mutter und Bauherrin DB Netz in Abstimmung mit dem Bund“. Konkrete Realisierungsaussagen gibt es aktuell nicht.

Besser sieht es da mit dem KV-Ausbau im Hafen aus. Bis Ende 2021 wird sich das ehemals bimodale Terminal für Straße und Schiene im Bayernhafen in ein trimodales Terminal für Schiene, Straße und Wasserstraße verwandelt haben. Wie die Pressesprecherin des Bayernhafens, Karin Moro, erklärt, steigen die Umschlagkapazitäten damit von jährlich 128.000 auf 200.000 TEU. Ein TEU entspricht einem 20-Fuß-Container. Umziehen musste das CTR dafür nicht, es wurden Flächen eines ehemaligen Nachbarunternehmens genutzt. Die unmittelbare Einbeziehung des Binnenschiffs wird im KV der Region ein Alleinstellungsmerkmal darstellen. Eine Konkurrenz zum Neubau des DUSS-Terminals sieht Moro nicht und verweist auf eine aktuell laufende Untersuchung der „Studiengesellschaft für den Kombinierten Verkehr“.

Keine Kannibalisierung im Netz leistungsfähiger KV-Terminals

Ziel solle ein Netz wirtschaftlich tragfähiger KV-Terminals in der Region sein. „Dazu gehören Anlagen, die ihre Leistungsfähigkeit bereits über Jahre unter Beweis gestellt haben, und ergänzende Terminals, die bestehende nicht kannibalisieren.“ Auch die Firma Krones als Verlader betont die Wichtigkeit des KV-Ausbaus. „Der kombinierte Verkehr Schiene-Straße ist fest in unser Transportnetzwerk eingebunden“, erklärt dazu Christine Raab, Leiterin Logistik bei Krones. Essenziell ist für Krones der Binnenwasseranschluss für Lieferungen an die Nordseehäfen. 2016 nahm Krones einen werkseigenen Gleisanschluss in Betrieb. „Damit haben wir direkte Verkehrsentlastung auf der Straße erreicht.“ 2018 ersetzte das Gleis 2041 Lkw-Ladungen. Der Wert des Werksgleises stieg als Verkehrsabsicherung mit der mehrjährigen A3-Baustelle in Regensburg zusätzlich. Raab betont allerdings: „Das Angebot muss wirtschaftlich attraktiv im Vergleich zum Lkw-Verkehr bleiben.“

Der Lkw wird jedoch fixer Bestandteil des KV bleiben. Markus Schmid, Inhaber von Schmid Transport und Spedition GmbH, hat für die aktuelle Situation klare Worte: „Die KV-Infrastruktur ist in den letzten 20 Jahren nicht in dem Maße mitgewachsen wie die Wirtschaft im allgemeinen und die Verladerunternehmen im besonderen.“ Von der erhofften Eröffnung des DUSS-Neubaus 2025 hat er sich gedanklich verabschiedet. Außerdem kritisiert er die „Dauerplanung für das größere Container-Depot der DB Intermodal Services, über das schon vor zehn Jahren gesprochen wurde“. Schmid mahnt eine schnellere Digitalisierung der Terminals und aller KV-Schnittstellen an. Die Rolle der Speditionen im KV sieht er langfristig als grüner Partner mit alternativen Antrieben, mit Erdgasantrieb als Brückentechnologie. Gleichzeitig fordert er mit der schnelleren Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof-Regensburg eine für den KV-Regensburg enorm wichtige Maßnahme. „Aber das sehen wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren leider noch nicht.“

Interview

Den Standort würde es so nicht geben

Manuel Lorenz, Referent Verkehrspolitik der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim und Geschäftsstellenleiter Landkreis Kelheim spricht im Interview über die Bedeutung des kombinierten Verkehrs für die Wirtschaftsregion Ostbayern.

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