Preisverleihung
1. Juli 2021 5:56  Uhr

Drei Sieger und viele glückliche Gewinner

Ideen, Mut und Wissen: Bei den Wettbewerben der Wirtschaftszeitung zeigt sich, dass Ostbayern sich um seine erfolgreiche Zukunft keine Sorgen machen muss.

Im Rahmen der virtuellen Gala der Wirtschaftszeitung wurden die Sieger der drei WZ-Wettbewerbe bekannt gegeben. Foto: Istvan Pinter

Von Thorsten Retta, Robert Torunsky, Jonas Raab und Stefan Ahrens

REGENSBURG. Es war ein Abend mit vielen Gewinnern: Am 20. Mai fand – erstmals virtuell – die Gala der Wirtschaftszeitung statt. Etwa 2000 Menschen verfolgten den Livestream aus den Räumen der Mittelbayerischen Medienfabrik und fieberten mit den Finalisten der drei Wettbewerbe der Wirtschaftszeitung mit. Dabei wurde eines deutlich: Ostbayern hat sehr viel zu bieten.

Bessere Ohren für Alexa und Co.

Beim Innovationspreis setzte sich Infineon Technologies aus dem Feld der zwölf Monatssieger durch. Mit dem Sealed-Dual-Membrane-Mikrofon (SDM-Mikrofon) haben die Regensburger die Leistungsfähigkeit von Mikrofonen auf eine neue Stufe gehoben. Sprachgesteuerte Systeme werden immer populärer, das Versenden von Audioaufzeichnungen und Sprachnachrichten nimmt rasant zu. Auch in der Industrie wird die Spracheingabe immer wichtiger. „Bis 2023 wird es sechs Milliarden Geräte geben, an denen ein oder mehrere Mikrofone angebracht sein werden“, erklärt Dr. Johann Strasser, Leiter Technology Integration am Infineon-Standort Regensburg. „Diese befinden sich nicht nur an Sprachassistenten wie Alexa, sondern auch an Smartphones, Laptops, I-Pads oder, was viele nicht wissen, auch an Kopfhörern“, sagt der Entwicklungsingenieur. Diese Kopfhörermikrofone, sogenannte MEMS-Mikrofone – das Kürzel steht für Mikro-Elektro-Mechanische-Systeme –, dienten jedoch nicht nur zum Hineinsprechen, sondern auch dazu, Störgeräusche und Rauschen zu minimieren. „Deswegen wird es in Zukunft wichtig sein, dass es noch intelligentere Mikrofone gibt, die in der Lage sind, zwischen verschiedenen Stimmen und Geräuschen zu unterscheiden sowie auch auf größere Entfernungen hin Befehle korrekt auszuführen.“ Die Leistung gegenwärtiger Mikrofone schränke jedoch oft das Potenzial der heutigen Spitzengeräte ein, so Strasser weiter. Das SDM-Mikrofon ermöglicht eine 40-prozentige Steigerung bezüglich der Erkennung leiser und flüsternder Stimmen sowie potenziell schwer verstehbarer Befehle. Entwickelt und produziert wird es am Standort Regensburg in Zusammenarbeit mit dem Infineon-Standort München.

Reststoffquellen effizient erschließen

Der Gewinner des Gründerpreises der Wirtschaftszeitung 2020 heißt ESy-Labs. Die Gründer Dr. Tobias Gärtner und Prof. Dr. Siegfried R. Waldvogel nutzen Elektrosynthese, um organische und anorganische Rohstoffe herzustellen. Durch das Verfahren können Reststoffquellen effizient erschlossen werden. Der Clou sei, so Dr. Gärtner, dass keine zusätzlichen Oxidations- oder Reduktionsmittel nötig sind. „Unsere Kunden können so Chemikalienabfälle um bis zu 90 Prozent reduzieren.“ Ausgeschöpft ist das Potenzial der Technologie damit aber nicht. Elektrosynthese könne auch, so erklärt es Dr. Gärtner, als Regelenergie fungieren: Schwankungen bei der Erzeugung von erneuerbaren Energien ließen sich dadurch ausgleichen.

Konkreter Plan statt „viel Blabla“

Um mehr Agilität in Unternehmen ging es in der Masterarbeit von Ronny Stärker, mit der der Student des Kooperationsstudiengangs Human Resource Management an den OTHs Amberg-Weiden und Regensburg sowie der TH Deggendorf den Studentenpreis gewonnen hat. Agilität ist eine unternehmerische Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts, ein Erfolgsversprechen für die Zukunft, ein Megatrend. „Und viel Blabla“, sagt Ronny Stärker. Er befasst sich seit Jahren mit agilen Organisationsstrukturen verschiedener Unternehmen und hat dabei ein Problem ausgemacht: „Jeder versucht, Agilität irgendwie einzuführen. Ein standardisiertes Vorgehen gibt es aber nicht.“ Mit seiner Abschlussarbeit hat er einen Fahrplan für die agile Transformation in Unternehmen entwickelt. Damit kann nun jedes Unternehmen seinen agilen Reifegrad in sechs Unternehmensdimensionen bestimmen und anschließend konkrete Maßnahmen etwa für Führungskräfte oder die Personalabteilung ableiten, um die nächste der fünf Entwicklungsstufen zu erreichen.

Ideen, Mut und Wissen – einmal mehr zeigte sich in den drei Wettbewerben, die die Wirtschaftszeitung auch 2021 wieder auslobt, dass Ostbayern zuversichtlich in die Zukunft schauen darf. Die Region ist voll von außergewöhnlichen Unternehmen, Gründern und Machern.

Gewinner-Interview: Innovationspreis

Auszeichnung für den gesamten Standort

Jörg Recklies, Sprecher der Betriebsleitung von Infineon Regensburg (hier rechts im Bild mit Dr. Johann Strasser, Projektleiter für SDM-Technologie bei Infineon in Regensburg) spricht im Interview über die Bedeutung des Innovationspreises für Infineon – und die Rolle, die Mikrofone in der Zukunft spielen werden.

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Gewinner-Interview: Gründerpreis

Sekundärquellen werden immer wichtiger

Im Gespräch mit Dr. Tobias Gärtner, Gründer und Geschäftsführer ESy-Labs GmbH: Das Unternehmen des Gründerpreis-Siegers beschäftigt sich mit der Umwandlung von Abfallstoffen in Rohstoffe für Chemie und Pharmazie.

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Gewinner-Interview: Studentenpreis

Der Preis war die Kirsche auf der Sahnetorte

Ronny Stärker, Gewinner des Studentenpreises 2020, erklärt im Interview, wie Agilität und eine Behörde wie etwa die Bundesagentur für Arbeit, bei der er arbeitet, zusammenpassen.

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