Arbeitsmarkt
2. Dezember 2021 5:56  Uhr

Durch Qualifizierung vom Helfer zur Fachkraft

Die Arbeitsagentur empfiehlt den Unternehmen, sich in der Ausbildung attraktiver aufzustellen und über den idealtypischen Lebenslauf hinaus die Möglichkeiten der Weiterbildung zu nutzen.

Bis Ende September 2021 haben 199.500 Bewerberinnen und Bewerber eine Berufsausbildung begonnen. Zum gleichen Zeitpunkt blieben 63 200 Ausbildungsstellen unbesetzt. Dies galt insbesondere für die Hotel- und Gaststättenberufe, für den Bereich Lebensmittelherstellung, die Gesundheitstechnik sowie die Bauberufe. | Foto: industrieblick – stock.adobe.com

Von Gerd Otto

REGENSBURG. Zeitgleich mit der offiziellen Präsentation der neuesten Arbeitsmarktdaten hatte die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit zu einer Ausbildungskonferenz geladen. Denn die Suche nach den Fachkräften von morgen, so betonte Ralf Holtzwart als Vorsitzender der Geschäftsführung, zählt für die bayerische Wirtschaft auch nach der Coronapandemie zu den großen Herausforderungen. Vor dem Hintergrund einer weiterhin hohen Ausbildungsbereitschaft etwa in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie stufte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Bertram Brossardt, auch die Übernahmesituation für die Auszubildenden als hervorragend ein: „Unsere Unternehmen setzen branchenübergreifend auf die Zukunft.“

Ausbildungsplatzgarantie gefordert

Dieser optimistischen Einschätzung widerspricht die aktuelle Corona-Ausbildungsstudie der DGB-Jugend in Bayern. Wenn immer mehr Betriebe trotz wachsendem Fachkräftebedarf nicht mehr ausbilden würden, so die Beobachtung der Bezirksjugendsekretärin Svenja Thelen, dann vermindere dies die Chancen junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt. Um zu verhindern, dass viele Ausbildungsstellen unbesetzt und gleichzeitig so viele junge Menschen auf der Strecke bleiben, fordert die DGB-Jugend Bayern sogar eine umlagefinanzierte gesetzliche Ausbildungsplatzgarantie. Andererseits verweist der Bayerische Industrie- und Handelskammertag darauf, dass mehr als zwei Drittel der Unternehmen mit Nachwuchsschwierigkeiten gar keine Bewerbungen erhalten. Dies sei besorgniserregend. Die Arbeitsagentur in Bayern empfiehlt den Betrieben aber auch, Bewerbern eine Chance zu geben, die nicht den idealtypischen Lebenslauf aufweisen. Generell sollten sich die Betriebe auch in der Ausbildung attraktiv und zukunftsorientiert aufstellen sowie die Möglichkeiten der Qualifizierung vom Helfer zur Fachkraft nutzen.

1,74 freie Stellen je Bewerber

Auf diese Chancen verwies bei der Vorstellung des aktuellen Marktgeschehens auch der Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Regensburg, Johann Götz, in dessen Bezirk aktuell nicht weniger als 1.112 Lehrstellen unbesetzt blieben. Rein rechnerisch konnten jedem Bewerber in Stadt und Landkreis Regensburg sowie den Landkreisen Kelheim und Neumarkt exakt 1,74 Ausbildungsplätze angeboten werden: von zwei Lehrstellen in der Region Regensburg über 1,1 im Raum Kelheim zu 1,86 Ausbildungsstellen je Bewerber im Bezirk Neumarkt.

Dass kein Jugendlicher verloren gehen darf, darauf legte Johann Götz gemeinsam mit der Teamleiterin Sabrina Obendorfer großen Wert. Mit Blick auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes berichtete Götz als kommissarischer Vertreter von Johann Beck, der in den letzten Tagen kurzfristig an die Spitze der Arbeitsagentur Stuttgart wechselte, im Pressegespräch von einer Herbstbelebung und pandemiebedingten Nachholeffekten.

Helfer sind weniger gefragt

Die bereits wieder auf das Vorkrisenniveau angestiegene Nachfrage nach Arbeitskräften konzentriert sich insbesondere auf Fachkräfte. Lediglich bei 20 Prozent der offenen Stellen waren Helfertätigkeiten gefragt. Sorgen bereiten vor allem die Langzeitarbeitslosen mit einem Anteil von fast 28 Prozent an der Gesamtzahl von 8.800 arbeitslosen Frauen und Männern im Agenturbezirk Regensburg. In ganz Ostbayern mit Bayerns Bezirksspitzenreiter Oberpfalz (2,5) verfügt der Landkreis Neumarkt mit einer Arbeitslosenquote von 1,7 Prozent über einen auch bundesweit beachtlichen Spitzenwert, weit vor den Landkreisen Regensburg, Cham, Freyung-Grafenau, Dingolfing-Landau, Straubing-Bogen, Landshut, Schwandorf, Neustadt an der Waldnaab, Deggendorf, Kelheim, Passau und Regen, die allesamt unter der 3-Prozent-Marke liegen. Die Städte dagegen schneiden weniger gut ab, ihre Arbeitslosenquoten schwanken zwischen 3,6 Prozent in Regensburg bis zu 4,8 Prozent in der Stadt Straubing.

Zu den 8.800 Arbeitslosen – von 222.000 in Bayern und 2,38 Millionen in ganz Deutschland – kommen im Bereich der Agentur Regensburg weitere 3000 Personen in Weiterbildung, Altersteilzeit oder auch Selbstständige hinzu, denen Existenzgründerzuschüsse gewährt werden. Sie alle gelten als „unterbeschäftigt“.