Start-up
2. November 2020 6:00  Uhr

Ein bewährtes Produkt, neu interpretiert

Mit ihrem nachhaltigen und stylischen Kühlrucksack „Bagsolate“ interpretieren vier Jungunternehmer ein bewährtes Produkt neu. Ihr Ziel ist es, aus Bagsolate eine große Marke zu entwickeln.

Sie möchten mit ihrem nachhaltigen Isolierrucksack die herkömmliche Kühltasche ablösen (v. li.): Felix Klaffki, Thomas Habersetzer, Ernst-Robert Weckerling und Corbinian Kempf| Foto: Emil Peithner

Von Julia Kellner


Regensburg. Ein kühles Bier an der Donau für unterwegs aus dieser Idee haben vier BWL-Studenten ein stylisches und nachhaltiges Produkt entwickelt: Bagsolate soll die herkömmliche Kühltasche ablösen. Zwei der Gründer geben Einblick in die Entwicklung und die Markteinführung in schwieriger Zeit und verraten ihre Vision für die Zukunft.

Herr Kempf, wie ist die Idee zu Bagsolate, dem isolierten Rucksack, entstanden?

Corbinian Kempf: Vor etwa zweieinhalb Jahren haben wir beim Hochschulwettbewerb „5 Euro Business“ teilgenommen. Die Konzept dahinter: Mit nur fünf Euro Startkapital verwirklichen Studenten ihre eigene Geschäftsidee. Ich habe den Flyer zum Wettbewerb gesehen und sofort gesagt: Hey, da machen wir mit. Ohne eine Idee davon zu haben, welches Geschäftsmodell wir umsetzen wollen. Wir hörten uns um und sind schnell darauf gestoßen, dass viele Studenten an heißen Sommertagen gerne ihr kühles Getränk mitnehmen ob an die Uni oder zum Grillen. Donau. Die übliche Kühltasche sieht aber einfach nicht gut aus. So entstand die Idee zum isolierten Rucksack. Unseren ersten Prototyp haben wir selbst gemacht mit einer eingenähten Kühltasche aus dem Supermarkt. Beim Wettbewerb haben wir den zweiten Platz belegt. Unser Rucksack kam gut an und hat eine viel größere Zielgruppe, als wir zunächst dachten. Wir haben Spaß am Unternehmertum gefunden. Nun ist unser Unternehmen sozusagen in der Babyphase.

Wie unterscheidet sich der Rucksack von anderen?

Thomas Habersetzer: Wir setzten voll und ganz auf Nachhaltigkeit nicht nur bei der Produktion, sondern bei allen Details. Für die Kühlfunktion haben wir unterschiedlichste Materialien ausprobiert und uns für eine Folie aus der Luft- und Raumfahrt entschieden, die in Norddeutschland produziert wird. Die Kühlfunktion entwickeln wir ständig weiter: Derzeit sind wir im Gespräch mit einem Münchner Start-up, das ein Material aus Schafwolle und Hanf nutzt.

Woher stammen die Materialien?

Thomas Habersetzer: Uns sind zwei Aspekte wichtig: Kurze Transportwege und nachhaltige Werkstoffe. Alle Materialen für den Rucksack kommen aus Deutschland außer der Kork, der aus Portugal stammt. Der Stoff kommt von einem fränkischen Unternehmen und ist aus 100 Prozent recycelten PET-Flaschen. Das Leder aus Schlachtabfällen beziehen wir in Baden-Württemberg.

Wo wird der Rucksack gefertigt?

Thomas Habersetzer: Wir produzieren komplett in Deutschland. Normalerweise hat man einen einzigen Hersteller, der die Rohstoffe bezieht und das Produkt fertig. Doch wir kaufen die einzelnen Materialen selbst und geben sie zum Nähen an eine Hamburger Firma.

Uns sind zwei Aspekte wichtig: Kurze Transportwege und nachhaltige Werkstoffe.

Wie sind Sie bei der Wahl der Rohstoffe und Produzenten vorgegangen?

Corbinian Kempf: In den Rucksack haben wir eineinhalb Jahre Entwicklungszeit gesteckt. Wir haben im Internet recherchiert und waren auf Messen unterwegs. Bei der Suche nach einem Hersteller war die Mengenabnahme unser größtes Problem. Wir haben mit 40 Produzenten gesprochen und dann doch einen Hersteller gefunden, der zunächst auch nur 30 Rucksäcke für uns fertigt.

Thomas Habersetzer: Hinzu kommt, dass die Textilbranche in Deutschland sehr schwierig ist. Die größte Herausforderung war, den Rucksack qualitativ hochwertig und kostengünstig fertigen zu lassen schließlich soll der Rucksack für unsere Zielgruppe auch noch bezahlbar sein.

Wer hat Sie bei Ihrer Gründung unterstützt? Gibt es Kooperationspartner?

Corbinian Kempf: Wir haben unglaubliche Unterstützung erfahren vom Gründerzentrum der Uni und von der DGO, der Digitalen Gründerinitiative Oberpfalz. Mit der Teilnahme am Hochschulwettbewerb wurde uns eine Neumarkter Werbeagentur als Mentor an die Seite gestellt, mit der wir noch heute zusammenarbeiten. Unterstützung haben wir auch von einer Regensburger Bank bekommen. Zudem sind wir mit einigen Brauereien in Kontakt und arbeiten an gemeinsamen Aktionen schließlich eignet sich der Rucksack perfekt für ein kühles Bier.

Die Markteinführung fiel in die Zeit des Lockdowns. Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf Ihren Verkaufsstart?

Thomas Habersetzer: Wir hatten einen Verkaufsstart geplant, der sich so nicht umsetzen ließ. Es sollte einen Pop-up-Store in Regensburg geben. Wegen des Lockdowns mussten wir ihn aber absagen. Zudem hatten wir große Probleme bei der Materialbeschaffung: es kam zu deutlich längeren Lieferzeiten.

Corbinian Kempf: Hinzu kam, dass unser isolierter Rucksack eigentlich ein Sommerprodukt ist, das man am besten im April oder Mai platziert. Mit dem zweiten Verkaufsstart im September sind wir also deutlich zu spät dran. Doch entscheidend ist die Kommunikation am Kunden. Denn der Rucksack kühlt nicht nur an heißen Sommertagen, sondern hält auch an kalten Wintertagen warm etwa den Glühwein. Daran hatten wir selbst erst gar nicht gedacht.

Wie wollen Sie nun den Vertrieb vorantreiben?

Corbinian Kempf: Wir wollen unseren Onlineshop und unsere Social-Media-Kanäle stärken und unsere Sichtbarkeit bei Google verbessern. Gleichzeitig ist uns der Vertrieb über den stationären Handel wichtig. Schließlich ist unser Rucksack ein Textilprodukt, bei dem die Haptik entscheidend ist die Qualität soll man sehen und fühlen. Deutschlandweit haben wir fünf Pop-up-Stores geplant. Den Anfang machte Mitte September unser Pop-up-Store in Geisenhausen bei Landshut. Unseren Rucksack gibt es bei größeren und kleineren Händlern, die auf Nachhaltigkeit setzen. Was die Kauflust angeht, merken wir auch, dass das Bewusstsein für regionale Produkte extrem gestiegen ist. Das zeigt auch die Bewegung „Support your locals“. Davon profitieren wir.

Welche Visionen haben Sie für die nächsten Jahre?

Corbinian Kempf: Wir wären keine Unternehmer, wenn wir nicht unseren Umsatz steigern wollten. Wichtig ist es uns, ein Bewusstsein für nachhaltige Mode zu schaffen. Gerade arbeiten wir an einem Zusatzprodukt, das unseren Rucksack gut ergänzt. Wir wollen aus Bagsolate eine große Marke machen, die für Nachhaltigkeit und Style steht.