Netzwerk
13. Juli 2020 6:00  Uhr

Ein Frauennetzwerk mit großer Strahlkraft

Im Regensburger Netzwerk Localgirlboss e. V. unterstützen sich Unternehmerinnen branchenübergreifend. Eine Erfolgsgeschichte, die auch Frauen in anderen Städten interessiert. Aktuell prüfen die Localgirlbosse, ob sich ihr Konzept auch auf andere Regionen übertragen lässt.

Synergien schaffen und sich gegenseitig unterstützen darum geht es den Unternehmerinnen, die sich im Frauenkollektiv Localgirlboss zusammengetan haben. | Foto: Petra Homeier

Von Julia Kellner


REGENSBURG. Sie sind allesamt selbstständig, aber in unterschiedlichen Branchen zu Hause. Und doch bewegen die Unternehmerinnen oft ähnliche Themen: Wie lässt sich die eigene Website realisieren, ein Praktikant finden, die Datenschutzgrundverordnung möglichst einfach umsetzen? Oder: Wie kann der Neustart nach Corona gemeistert werden? Das Regensburger Frauenkollektiv Localgirlboss geht diese und viele andere Fragen gemeinsam an – ob in einem  Workshop oder auf dem kurzen Dienstweg via Whatsapp. Damit nicht genug: Sie kooperieren, haben gemeinsame Projekte und machen sich sichtbar – als Netzwerk und einzelne Unternehmerin. „Wir lernen viel voneinander. Jede von uns hat eine besondere Geschichte und eine andere Perspektive – das bringt uns unglaublich weiter“, sagt „Localgirlboss“ Esther Schuml, die das Wirtshaus Alte Kuchl am Königshof führt und sich selbst als Vollblutgastronomin beschreibt. Das Localgirlboss-Konzept funktioniert über alle Branchen hinweg – oder gerade deswegen. Die Mitglieder könnten nicht unterschiedlicher sein: Von der Grafikerin über die Goldschmiedin bis hin zur Tänzerin sind verschiedene Unternehmerinnen dabei. 29 Mitglieder sind es inzwischen.

Gemeinsam geht es leichter

„Wir kennen uns persönlich, sind Gleichgesinnte und lokal verwurzelt. Jedes neue Mitglied bekommt sogar eine Patin an die Seite gestellt“, sagt Petra Homeier, selbstständige Fotografin und Mitglied. Sie seien jedoch keine Emanzen und wollen auch nicht als solche wahrgenommen werden, so Homeier. Der Grund, warum sie dennoch unter sich bleiben wollen, sei ein anderer: Frauen würden sich oft einfach andere Fragen stellen und Dinge anders angehen als Männer. Dass die Regensburger Unternehmerinnen echte Macherinnen sind und sich gut ergänzen, zeigen viele Beispiele. Rebecca Bienefeld etwa nutzt für ihre Kleinkinder-Tanzstunden die Räume von Localgirlboss Katharina Drescher, die das Tanzstudio Tanz im Glück betreibt. Als „Frau Bienefeld“ berät sie zudem zu modernen Stoffwindeln sowie nachhaltiger Monatshygiene.

Manche Dienstleistungen der Girlbosse ließen sich auch sinnvoll zusammenführen – zum Beispiel für eine Hochzeit: die Tanzlehrerin für den Hochzeitstanz, die Goldschmiedin für die Eheringe, die Konditorin für die Hochzeitstorte, die Fotografin für die Bilder und die Gastronomin für die Feier. Oft kämen Empfehlung und Zusammenarbeit fast schon zufällig zustande: Esther Schuml erzählte einer Bekannten, die Angestellte bei einem großen Lebensmitteleinzelhändler ist, von Girlboss-Mitbegründerin Laura Berg, die in ihrem Laden Kekszauber personalisierte Kekse herstellt. Kurze Zeit später ging während des Corona-Lockdowns eine Großbestellung ein – „Durchhalte-Kekse“ für die Mitarbeiter der Supermarktkette. Weil Wirtin Esther Schuml ohnehin ihr Wirtshaus zu dieser Zeit nicht öffnen durfte, half sie kurzerhand bei der Produktion. Gerade in der Zeit der Pandemie zeige sich, wie wertvoll diese Zusammenhalt sei: „Direkt zu Beginn der Coronakrise haben wir ein Onlinemeeting angesetzt. Jede von uns konnte ihr Herz ausschütten. Wir sind noch näher zusammengerückt“, sagt Rebecca Bienefeld. „Nach dem anfänglichen Schock gab und gibt uns der Austausch den gewissen Drive und neue Denkansätze.“

Ein Kollektiv für mehr Sichtbarkeit

Was als lockeres Treffen von vier Unternehmerinnen und später einer Arbeitsgruppe begonnen hat, ist längst eine Erfolgsgeschichte: Seit Anfang 2019 ist Localgirlboss ein eingetragener Verein. Dass das Konzept vielversprechend ist, zeigen die Anfragen, die sie aus anderen Städten erreichen – darunter Straubing, Würzburg und Nürnberg. Dort wollen Frauen ihre Idee und ihren Namen übernehmen. Wie sich das Konzept auch für andere Regionen öffnen ließe, sei noch zu prüfen. Eine Art Franchisesystem für Localgirlboss in anderen Regionen? Für Petra Homeier ist das denkbar. Die bayernweite Aufmerksamkeit zeige auch, dass es den Frauen gelungen sei, sich sichtbar zu machen. „Diese Sichtbarkeit hätten wir als Einzelne mit unserem kleinen Unternehmen nie oder nur mit sehr viel mehr Aufwand erreichen können.“

Damit sie nachhaltig auf sich aufmerksam machen, stellen die Unternehmerinnen einiges auf die Beine. Beispielsweise einen gemeinsamen Fotografie-Workshop, Vorträge mit externen Referenten oder ein monatliches Social-Media-Frühstück. In der Gruppe nehmen sie einzelne Maßnahmen unter die Lupe und besprechen Best-Practice-Beispiele. Demnächst wollen sie auf ihrem Blog, auf Facebook und Instagram eine Serie starten, die einzelne Unternehmerinnen und ihre Persönlichkeiten in den Fokus rückt. Reines Netzwerken ist den Girlbossen aber zu wenig: Sie gehen einen Schritt weiter. „Wir wollen Gründerinnen aus unserer Region motivieren, Vorbild und Mentoren sein“, sagt Rebecca Bienefeld. Der Anteil der Gründerinnen sei insgesamt gering. Frauen brauchten oftmals mehr Mut – und Sichtbarkeit.