Serie: Transformation der Berufsbilder
4. März 2022 6:05  Uhr

Ein Jongleur der unzähligen Verkaufskanäle

Auf Messen machte sich früher der Warengruppenmanager schlau, wie man Käufern Waren schmackhaft macht. Der Category Manager Online muss weit mehr Kanäle im Blick haben, auf denen sich seine Zielgruppen bewegen.

Online Category Manager übersetzen das Warengruppenmanagement in die virtuelle Welt des E-Commerce. Foto: hakinmhan – stock.adobe.com

Von Rebecca Sollfrank

REGENSBURG/KÖLN. Planung, Organisation und Durchführung des Warengruppenmanagements – das klingt eher trocken. Doch nicht erst seit der Onlinehandel immer mehr an Bedeutung gewinnt, kann der Warengruppenmanager ein spannender Beruf sein, besonders in seiner künftigen Form des Online Category Managers. „Die Handelslandschaft wird immer bunter und damit werden auch die Kanäle vielfältiger, die Käufer nutzen“, sagt Vanessa Pomp von der GS1 Germany GmbH in Köln. „Category Management versucht, Warengruppen strategisch so weiterzuentwickeln, dass dem Shopper das beste Einkaufserlebnis geboten werden kann.“ Dass sich das Berufsbild des Warengruppenmanagers im Zuge der Digitalisierung des Groß- und Einzelhandels vor allem in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt hat, beantwortet das Beratungs- und Marketingunternehmen mit einem zertifizierten Weiterbildungsangebot.

Onlinehandel wächst weiterhin rasant

„Der Umsatz im Onlinehandel stieg 2021 um gewaltige 19 Prozent”, stellt auch Günter Hölzl, der Regensburger Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern HBE, fest. Er sieht schon allein anhand dieser Zahl bestätigt, dass die generell hohe Bedeutung des Category Managements mit dem Wachstum des Onlinehandels gerade auch in der digitalen Handelslandschaft deutlich zunehmen wird. „Wir beobachten eine gesteigerte Nachfrage nach Online Category Managern, denn die Unternehmen wollen am Wachstumsmarkt Onlinehandel nicht nur teilhaben, sondern ihn auch mitgestalten”, stimmt Pomp von GS1 zu. Es lohnt sich also, sich digital weiterzubilden.

Noch näher am Kunden

Interessanterweise bietet die Digitalisierung heute Analysewerkzeuge, die der althergebrachte Warengruppenmanager im Gespür haben musste: Schließlich geht es darum, herauszufinden, welche Waren für die Käufer besonders attraktiv sind und werden könnten, und welche Art der Präsentation am schnellsten die Aufmerksamkeit des Kunden und die Kaufabsicht erhöht.

Die Herausforderung dabei: Mussten früher nur einige wenige analoge Plattformen wie Groß- und Einzelhandelsgeschäfte oder Messen gestaltet beziehungsweise analysiert werden, gibt es heute unzählige digitale Kanäle selbst neben dem Onlineshop, über die potenzielle Kunden Warengruppen finden können, etwa über Social Media oder Apps. Zu einem gewissen Teil übernehmen dieses „Gespür” heute lernende Maschinen, so Pomp: „Online hat der Category Manager die Möglichkeit, auf Basis der Analyse des individuellen Kaufverhaltens bestimmte Maßnahmen noch einmal deutlich personalisierter auszuspielen.” Sprich: Der Online Category Manager ist heute näher am Kunden, als es sein klassischer Kollege war.

Attraktive Karrierechance

Der Warengruppenmanager im stationären Handel wird natürlich weiterhin gebraucht. Mit der digitalen Transformation des Konsums wird seine E-Commerce-Entsprechung jedoch immer mehr zu einer attraktiven Karrierechance – und zu einem einflussreichen Faktor in den Unternehmen, so schätzt es GS1 ein. Ein Großteil der Händler und Hersteller plane künftig mehr in die Bereiche Online und Omnichannel, also die parallele Nutzung aller Vertriebskanäle, zu investieren, so Pomp: „Unserer Einschätzung nach wird Category Management zu einem der zentralen Treiber der Wertschöpfung werden, insbesondere wenn es um die zielgerichtete Zusammenarbeit zwischen Einkauf, Category Management und Onlinemarketing geht.”

Interview

Die Trends wechseln heute viel schneller

Günter Hölzl, Regensburger Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern HBE, sieht auch in der Region einen steigenden Bedarf für Category Manager im E-Commerce.

Hier geht’s zum Interview …

Serie „Transformation der Berufsbilder“

325 anerkannte Ausbildungsberufe gab es 2020 in Deutschland, 1971 waren es noch 606. Doch auch wenn die Zahl der Berufe absolut abnimmt, gibt es auf der anderen Seite Bedarf für neue Berufe. Für einen beschleunigten Wandel gewohnter Berufsbilder sorgt derzeit besonders die Digitalisierung – wenn auch nicht nur. In der Serie „Transformation der Berufsbilder“ stellen wir einige konkrete Beispiele für Transformationen und Neuerungen vor, wie etwa zum Auftakt den Smart Farmer, den Feelgoodmanager , den E-Sportmanager, den Insektenzüchter oder zuletzt den Drohnenpiloten. Selbst die Art, wie uns künftig Waren im Handel schmackhaft gemacht werden, ändert die Digitalisierung – zusätzlich beschleunigt durch Corona: Sie hat den Digital Category Manager Einzelhandel hervorgebracht.