Markt
11. Mai 2022 5:51  Uhr

Ein Praxistest für die Teleroboter

Der Innovationstag Healthcare des Bioparks Regensburg präsentierte die Herausforderungen der technischen Assistenzsysteme in der Medizin, der Pflege und für die alternde Gesellschaft.

Mit den ethischen Herausforderungen der Nutzung robotischer Systeme in der Pflege hat sich kürzlich der Deutsche Ethikrat in einer Studie befasst. Das Ergebnis: Die Robotik könne einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen und der Arbeitsqualität in der Pflege leisten, sofern sie verantwortungsvoll eingesetzt wird. Voraussetzung sei, dass ihr Einsatz zwischenmenschliche Beziehungen nicht ersetzt und nicht gegen den Willen der Betroffenen oder zur bloßen Effizienzsteigerung erfolgt. Foto: zapp2photo – stock.adobe.com

Von Gerd Otto

REGENSBURG. Welch bedeutsame Rolle in Ostbayern inzwischen die Gesundheitsbranche spielt, lässt sich nicht zuletzt an der vom Biopark im Jahre 2017 kreierten Marke „Healthcare Regensburg“ ablesen. Wie der Geschäftsführer Dr. Thomas Diefenthal anlässlich des Innovationstages Healthcare rund um das Thema der Assistenzsysteme in der Medizin, Pflege und für die alternde Gesellschaft erläuterte, ist die Zahl der Beschäftigten im letzten Jahrzehnt um nicht weniger als ein Drittel gestiegen. Allein in der Region Regensburg wurden zuletzt weit über 22.000 Beschäftigte gezählt, die Hälfte von ihnen in den fünf Kliniken der Stadt und des Landkreises. In den Praxen der niedergelassenen Ärzte sind über 4000 Mitarbeiter tätig, während auf die stationäre und ambulante Pflege eine ähnlich hohe Zahl entfällt – nach einer Steigerungsrate von 34 Prozent seit 2011.

Vor einem Versorgungsproblem

Wie sehr sogar in einer Stadt wie Regensburg mit 33.000 Studierenden der demografische Faktor immer wichtiger werden dürfte, darauf verwies Regensburgs Wirtschafts-, Finanz- und Wissenschaftsreferent Prof. Dr. Georg Barfuß. Bis zum Jahr 2035, so die Prognose, werde auch hier die Zahl der über 65-jährigen Bürger um 33 Prozent ansteigen. Laut Dr. Ilja Hagen, dem Projektmanager Gesundheitswirtschaft der städtischen Tochtergesellschaft Biopark Regensburg GmbH, steige mit dem Alter aber auch die Wahrscheinlichkeit chronischer Erkrankungen, das heißt, für eine zunehmende Zahl werde medizinische Betreuung notwendig sein. „Bei gleichzeitig abnehmender Zahl an Pflegekräften werden wir ein Versorgungsproblem bekommen“, ist er überzeugt. Zudem, so Dr. Hagen, wolle zwar jeder „alt werden“, aber nicht „alt sein“ und möglichst lange selbstbestimmt leben können.

Technische Innovationen als Hoffnungsträger

Vor diesem Hintergrund gelten gerade technische Innovationen zunehmend als Hoffnungsträger für Patienten und die Fachkräfte in medizinischen und Pflegeeinrichtungen, nicht zuletzt im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz bei den verschiedenen Assistenzsystemen. Und worauf kommt es dabei, ob in der Medizin oder in der Pflege, an? Laut Ilja Hagen sollte der Nutzen für Patienten und Fachkräfte im Vordergrund stehen, wobei man diesen Aspekt bereits bei der Entwicklung berücksichtigen müsse. Assistenzsysteme zum Beispiel hätten nicht in erster Linie der Effizienzsteigerung oder der Kostenersparnis in der Versorgung zu dienen. Eine technische Unterstützung könne speziell für die Pflegenden die leider zu beobachtenden berufsbedingten Belastungen reduzieren. Wichtig erscheint dem Projektmanager, Schnittstellen zwischen Forschung, Entwicklung und Gesundheitsversorgung zu entwickeln, wie sie bereits auf dem Hochschulcampus in Regensburg etabliert seien.

„Rehappy“ und Gehirntraining

Neben verschiedenen Projekten, die unter dem Aspekt der „technischen Assistenz“ auf dem Regensburger Innovationstag präsentiert wurden, stellte Prof. Dr. Karsten Weber von der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg im Rahmen des von ihm geleiteten Forschungsvorhabens „DeinHaus 4.0 Oberpfalz“ zwei Telepräsenzroboter für die Pflege und Unterstützung von Schlaganfallpatienten (TePUS) vor. Der Roboter TEMI von Medisana fährt selbstständig, erkennt Hindernisse, besitzt Kamera, Lautsprecher und Spracherkennung und kann mit einem Blutdruckmessgerät kombiniert werden.

Ebenfalls mit einem Tabletcomputer ausgestattet ist der Roboter DIY mit großem Bildschirm und Touchfunktion, der auf Rollen verschoben werden kann. Auf diese Weise werden verschiedene Anwenderprogramme angeboten, etwa autogenes Training, ein „HeadApp“ für ein ganzheitliches Gehirntraining oder auch „Rehappy“, womit der Alltag aktiv gestaltet werden kann. Als Ziel nannte Weber, bis 2023 etwa 100 Haushalte einzubinden.