Klimaschutz
7. April 2021 11:47  Uhr

Ein Wegweiser aus der Klimakrise

Die zunehmende Urbanisierung ist eine wichtige Ursache der Klimakrise, Städte können aber auch Teil der Lösung sein. Ob es gelingt, sie nachhaltig zu transformieren, entscheidet über unsere Zukunft.

Die grüne Stadt ist ein Ideal der Zukunft. Momentan sind große Ballungsräume allerdings noch eher Teil des Problems als Teil der Lösung. | Foto: Melinda Nagy – stock.adobe.com

Von Jonas Raab

BERLIN. „Der Kampf ums Klima wird in unseren Städten gewonnen oder verloren“, sagt Transformationsforscher Felix Beer und zitiert damit den ehemaligen UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. Wie lange der Kampf dauert, weiß Beer nicht. Wohl aber, dass wir ihn verlieren werden, sollte die nachhaltige Transformation unserer Städte nicht schleunigst Fahrt aufnehmen. Mobilität, Produktion, Gewerbe, Leben: In Städten, die gerade einmal 0,4 Prozent der Erdoberfläche bedecken, konzentrieren sich auf engstem Raum nahezu alle denkbaren Aktivitäten der Menschen, die dem Klima schaden. Über Ballungsräumen hängen drückend schwere CO2-Glocken. Sie machen 80 Prozent der weltweiten Emissionen aus. Der Weg zur Treibhaus-Netto-Null bis 2050 führt deshalb durch die Städte dieser Welt.

Den Fahrplan gibt eine Studie der Koalition für Urbanen Wandel (Coalition for Urban Transitions, CUT) vor. Sie wurde zum UN-Klimagipfel in New York vorgelegt. Es sei durchaus möglich, allein mit bewährten Technologien und Praktiken die Emissionen in städtischen Gebieten bis 2050 um 90 Prozent zu senken, sagte Sarah Colenbrander, Hauptautorin der CUT-Studie, damals. Der 90-seitige Report entwirft eine Vision von kompakten, vernetzten und nachhaltigen Städten. Die Anforderungen stellen Stadtentwicklern eine Mammutaufgabe: Kurze Wege, weniger Individualverkehr, Nachverdichtung und intelligente All-in-One-Lösungen sollen die Stadt von morgen zur eierlegenden Wollmilchsau der Klimawende machen. Dazu müsse laut CUT-Report an den richtigen Stellen subventioniert und gefördert werden. Denn, so eine zentrale Erkenntnis der Autoren, Städte können höchstens ein Drittel ihres Minderungspotenzials selbst erschließen. Für das zweite Drittel brauche es gesetzliche Grundlagen und Förderprogramme auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene. Das letzte Drittel könne nur durch gemeinsames Handeln aller erschlossen werden.

Hier macht der Transformationsforscher Felix Beer einen Knackpunkt aus. Wolle man die Bevölkerung für die bis dato wohl schwierigste Aufgabe des 21. Jahrhunderts gewinnen, müsse sich die Art, wie wir über Klimawandel und die Zukunft unserer Städte sprechen, grundlegend verändern: weniger Verzichtsdebatte, mehr Fokus auf die Chancen. Wie die Autoren der CUT-Studie ist er sich sicher, dass die Transformation unserer Städte nicht nur Emissionen reduziert, sondern auch den ökonomischen Wohlstand erhöht und viel lebenswertere Orte schafft. Die Krux: Es muss schnell gehen, denn das Jahr, in dem laut Beer die CO2-Weichen spätestens gestellt sein müssen, rückt immer näher. Foto: Melinda Nagy – stock.adobe.com

Interview

Mehr Grün im Grau – und der Planet blüht auf

Felix Beer ist  Transformationsforscher am Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung. Im Interview erklärt er, warum der Weg aus der Klimakrise nicht an den Städten vorbeiführen kann.

Foto: Felix Beer

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