Gründer
6. September 2021 6:06  Uhr

Eine Einladung zur politischen Beteiligung

Damit die Kommunikation zwischen Politik und jungen Menschen gelingt, braucht es neue, digitale Beteiligungsformate. Fünf Studenten der Hochschule Hof entwickeln dafür jetzt eine eigene App.

Die jungen Köpfe hinter der neu gegründeten Agentur für politische Beratung und Kommunikation „Zukunft“ (v. li.): Dominik Schwanke, Marco König, Matthias Prager, Florian Zierer und Saffet Hyuseinoglu von der Hochschule Hof. | Foto: Marco König

Von Maria Stich

HOF/REGENSBURG. Demokratien leben davon, dass sich ihre Bürger aktiv einbringen, diskutieren und die Gesellschaft mitgestalten. Demokratien leben von Kommunikation. Diese funktioniert aber nur, wenn die Bürger mit Entscheidungsträgern, also Parteien und Regierung, in Austausch stehen und von diesen auch in die politischen Prozesse einbezogen werden. Genau an diesem Punkt hakt es allerdings seit ein paar Jahren verstärkt – das gilt insbesondere für die Altersgruppe der unter 30-Jährigen.

Im Juni 2020 veröffentlichte die Vodafone Stiftung Deutschland ihre Studie „Jugend will bewegen“, bei der über 2000 junge Menschen im Alter von 14 bis 24 Jahren zu ihrem Informationsverhalten zu politischen Themen befragt wurden. Das Ergebnis: Knapp drei Viertel von ihnen sind unzufrieden oder sehr unzufrieden damit, wie die Politik ihre Anliegen und Interessen berücksichtigt.

Das damit verbundene Gefühl der Frustration kennt Matthias Prager von sich persönlich und aus seinem Umfeld nur zu gut. „Die jüngeren Generationen sind politisch sehr interessiert. Aber sie werden einfach nicht gehört. Oder wenn, dann werden sie falsch verstanden“, meint der 21-Jährige, der im dritten Semester Wirtschaftsrecht an der Hochschule Hof studiert. Gemeinsam mit vier Freunden, die teils aus ganz anderen Studienrichtungen kommen, arbeitet er aktuell an einem Projekt mit dem schlichten Namen „Zukunft.“ – einer Beratungsagentur und gleichzeitig Plattform, die als Bindeglied zwischen Politikern und jungen Menschen dienen soll.

Junge Menschen wünschen sich digitale Beteiligungsformate

Unsere Kommunikation finde, so Prager, derzeit auf zwei größtenteils voneinander abgetrennten Kanälen statt: den alten und den neuen Medien. Das Problem dabei: Die jüngeren Generationen sind mit den neuen Medien aufgewachsen und informieren sich hauptsächlich online über soziale Medien, Youtube und Co. Das Gros der etablierten Parteien und Politiker kommuniziere allerdings nach wie vor über die linearen Kanäle, also über Zeitungen oder Fernsehsender.

Dass das zu Frust und Konflikten führen kann, wurde in den letzten Jahren schon mehrmals deutlich. Beispielsweise 2019 vor den letzten Europawahlen, als der Youtuber Rezo die Politik der Bundesregierung in seinem millionenfach geklickten Video „Die Zerstörung der CDU“ kritisierte. Eine Antwort der Partei auf der gleichen Plattform blieb aus. Oder als Zehntausende junge Menschen im selben Jahr gegen die geplante Reform des Urheberrechts, Artikel 13 und die Uploadfilter auf der Straße und im Netz demonstrierten. Damals wurde den Demonstranten vorgeworfen, „gekauft“ zu sein, Unterzeichner von Petitionen als „Bots“ bezeichnet.

Es zeigt sich aber auch im aktuellen Bundestagswahlkampf. So lud die Wochenzeitung „Die Zeit“ zu einem „Triell“ auf der Streamingplattform Twitch ein. Annalena Baerbock von Bündnis 90/Die Grünen und Olaf Scholz, SPD, wollten das Angebot annehmen. Da Armin Laschet, CDU, abgesagt hatte, fand die Veranstaltung allerdings nicht statt. Dabei wünschen sich laut der Studie der Vodafone Stiftung 77 Prozent der jungen Menschen explizit den Ausbau digitaler Beteiligungsformate.

„Wir sind bereits mit vielen Abgeordneten in Gesprächen“

„Die großen Parteien kriegen es einfach nicht hin“, sagt Prager. Hier setzen er und sein Team an. Mithilfe einer App soll die junge Generation Umfragen zu für sie wichtigen Themen ausfüllen können, zum Beispiel Bildung oder Digitalisierung. Möglichst niedrigschwellig, ohne Anmeldung. Außer der Angabe des eigenen Alters würden keine weiteren persönlichen Daten abgefragt. Die Ergebnisse der Umfragen werden an die Parteien herangetragen, die dann wiederum darauf reagieren und die Wünsche in ihre politische Arbeit einbeziehen können. In einem zweiten Schritt wollen die Gründer Kampagnen und Diskussionen organisieren – online, auf den meistgenutzten Kanälen der jungen Menschen oder live, aber dann ebenfalls im Internet übertragen.

Zu den ersten Kunden der fünf Gründer gehören die Friedrich-Naumann- sowie die Thomas-Dehler-Stiftung, die der FDP nahestehen. Zusammen arbeiten sie an einer Veranstaltungsreihe zum Thema Generationengerechtigkeit. „Wir sind bereits mit vielen Abgeordneten der EU und auf Bundesebene in Gesprächen“, sagt Prager. „Demnächst haben wir auch einige Termine direkt in Berlin und Brüssel. Die Extreme des politischen Spektrums ganz rechts und ganz links bekommen bei uns allerdings keine Plattform.“ Damit meint er, wie er auf Nachfrage explizit erklärt, auch die Partei die Linke.

Neben den Umfragen und den Veranstaltungen sind noch weitere Funktionen geplant. Unter anderem eine Art Kummerkasten und ein Newsfeed mit Nachrichten über wichtige Themen, die die junge Generation direkt betreffen. Hier sollen auch die konkreten Auswirkungen abstrakter politischer Entscheidungen erläutert oder die Erfolge von Ausschusssitzungen erklärt werden.

Die Website des Projekts „Zukunft.“ steht bereits. Die App soll, wenn alles gut läuft, Anfang des nächsten Jahres gelauncht werden. „Genau können wir es aber noch nicht sagen. Wir bewerben uns aktuell um weitere Fördergelder, das würde einiges beschleunigen“, erklärt Prager. Das Team, das gerade sein eigenes Büro in der Techbase bezogen hat, wolle die Semesterferien nutzen, um intensiv an der App zu arbeiten. Weitere Informationen zum Thema gibt es auf www.zukunft-team.de.