Nachfolge im Unternehmen
3. November 2021 6:05  Uhr

Eine frühzeitige Beratung nötig

Die Wahrscheinlichkeit einer familieninternen Unternehmensnachfolge ist rapide gesunken. Deshalb gilt es heute mehr denn je, sich rechtzeitig mit Alternativen zu beschäftigen.

Der demografische Faktor, also das Alter der Inhabergeneration, spielt zunehmend eine wichtige Rolle. | Foto: Jelena – stock.adobe.com

Von Gerd Otto

REGENSBURG. „Die Zeit, in der Geschäfte geschlossen hatten und sich die Betriebe umstellen mussten, hat wohl zu einem generellen Nachdenkprozess angeregt.“ Aus Sicht von Daniela Klemm, der Nachfolge-Expertin der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, sei dies offenbar insbesondere dann der Fall gewesen, wenn keine interne Regelung, also aus den Reihen der Familie oder der Mitarbeiter, möglich erschien. Umso mehr müsste aus Sicht der Industrie- und Handelskammer eine frühe Beratung einsetzen.

Rückgang von 90 auf 25 Prozent

Wie sich die Situation rund um die Möglichkeiten einer familieninternen Nachfolge in den letzten Jahrzehnten verändert hat, darauf macht – zumindest mit Blick auf den Einzelhandel – Dr. Johann Faltermeier aufmerksam. Hier, so der Senior Consultant des Kompetenzzentrums Digital Commerce & Payment von Ibi Research an der Universität Regensburg GmbH, sei die Wahrscheinlichkeit einer familieninternen Nachfolge seit den 50er-Jahren von 90 Prozent auf derzeit 25 Prozent gefallen. Deutschlandweit streben derzeit jährlich zwischen 10.000 und 15.000 Handelsunternehmen eine Nachfolge an.

Grundsätzlich unterscheidet Faltermeier dabei zwischen Führungs-, Eigentums- und Familiennachfolge. In kleinen und mittleren, familiengeführten Unternehmen werde klassischerweise die Nachfolge durch einen Familienangehörigen bevorzugt, zumindest angestrebt. Neben der familieninternen Nachfolge sind aber auch familienfremde Eigentumsnachfolgen denkbar, wobei der neue Eigentümer von außen das Unternehmen weiterführt. Bei der familieninternen Nachfolge sollten Attribute wie die Befähigung, das Engagement, aber auch die Freiwilligkeit der Übernahme berücksichtigt werden. Vor allem bei einer externen Nachfolge sei die Bereitschaft zur Übernahme eines der wichtigsten Kriterien. Da eine Nachfolge aber meist nicht nur das eigene Lebenswerk sichern soll, sondern vielmehr für die Zukunft der Belegschaft existenziell ist, müsse die Nachfolgeplanung frühzeitig angegangen werden, ist Faltermeier überzeugt.

Handwerk zeigte sich stabil

Das Handwerk in Ostbayern hat sich während der gesamten Coronakrise als durchaus stabil und verlässlich gezeigt. Laut Andreas Keller, Bereichsleiter der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, seien jedenfalls Entlassungen im größeren Stile nicht bekannt geworden. Dies gelte sogar für die Betriebe, die während des Lockdowns von Schließungen betroffen waren, wie Friseure und Kosmetiker, aber auch für Konditoreien und Bäckereien. Mit Blick auf das Thema Betriebsnachfolge hofft Andreas Keller, dass sich die Stabilität und Treue den Mitarbeitern und Kunden gegenüber auch dahingehend auszahle, dass es noch attraktiver geworden sei, sich mit einem Handwerksbetrieb oder auch einer Betriebsübernahme im Handwerk selbstständig zu machen. Aktuell seien handwerkliche Leistungen stark nachgefragt: „Unsere Mitgliedsbetriebe sind derzeit jedenfalls eher durch Mitarbeiter- oder Materialknappheit als aufgrund von Auftragsmangel limitiert.“

Lotsen für den Nachfolgeprozess

Im Prozess der Unternehmensnachfolge die möglichen Übernehmer und Übergeber zusammenzubringen, mit diesem Ziel präsentiert die Handwerkskammer auch ihre Betriebsbörse. Gemeinsam mit den Nachfolgelotsen, einem Verbund aus der Hans Lindner Stiftung sowie den beiden Industrie- und Handelskammern in der Oberpfalz und Niederbayern ist die Handwerkskammer optimistisch, im kommenden Jahr wieder den überaus beliebten Aktionstag veranstalten zu können. Beim Treffen der Nachfolgelotsen spielt nicht zuletzt die Finanzierungsseite natürlich eine wesentliche Rolle. Wie der Geschäftsführer der Bayerischen Beteiligungsgesellschaft, Peter Herreiner, erläutert, gewährleiste etwa das Beteiligungskapital eine gesunde finanzielle Basis für den unternehmerischen Übergang. Dabei könne die Beteiligung in stiller oder offener Form erfolgen: „Wenn so die Nachfolge gelingt, profitieren davon alle Seiten – Volkswirtschaft, Mitarbeiter, Region, Übernehmer und Übergeber.“

Interview

Bei der BayBG ist „mehr los als vor der Krise“

Peter Herreiner, Geschäftsführer der BayBG Bayerischen Beteiligungsgesellschaft mbH, entdeckt in dem derzeit neu erwachten Interesse am Thema Nachfolge ein Nachkrisen-Muster.

Hier geht’s zum Interview …