Bauförderung
28. Februar 2022 5:55  Uhr

Eine neue KfW-Architektur ist in Planung

Architektenkammer, Bauindustrieverband und Ingenieurekammer-Bau reagierten kritisch auf den Förderstopp für energieeffiziente Gebäude. Ohne neue Förderprogramme könne die Regierung ihre Klimaziele nicht erreichen.

Ob, wann und in welcher Form Neubauten mit KfW-Krediten gefördert werden, ist noch fraglich. | Foto: Robert Kneschke – stock.adobe.com

Von Gerd Otto

FRANKFURT/BERLIN. Natürlich wusste die Branche schon seit Längerem, dass die Förderung des Bundes für effiziente Gebäude (BEG) zumindest in der Form des KfW-Effizienzhauses 55 auslaufen wird, und das KfW-55-Niveau schon bald zum Neubaustandard erklärt werden dürfte. Dass der um eine Woche vorgezogene Antragsstopp für den Bau von KfW-55-Häusern aber ein derart schrilles Echo auslösen sollte, damit hatte wohl selbst der neue Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck nicht gerechnet. Inzwischen hat der Haushaltsausschuss des Bundestages 9,5 Milliarden Euro für die BEG-Förderung freigegeben, wodurch eine Wiederaufnahme der Sanierungsförderung möglich ist. Bei der nun geplanten Neuregelung, so haben es die drei Ministerien Wirtschaft und Klimaschutz, Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen sowie Finanzen in einer gemeinsamen Erklärung formuliert, werde es um eine „klimapolitisch ambitionierte, ganzheitlich orientierte Förderung“ gehen müssen. Das aktuelle Volumen von 24.000 Anträgen, das der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bis zum 24. Januar 2022 zur Genehmigung vorlag, macht die Größe dieser Aufgabe deutlich. Immerhin waren die anrechenbaren Kosten auf 150.000 Euro je Neubau- oder Sanierungsprojekt angehoben sowie zusätzliche Klassen wie das Erneuerbare-Energie-Paket und eine Nachhaltigkeitsklasse mit Extraförderung eingeführt worden.

Ein Teil der Energiewende

Die unterschiedlichen Zahlenwerte hinter dem Begriff KfW-Effizienzhaus geben an, wie energieeffizient ein Gebäude gegenüber dem im Gebäudeenergiegesetz (GEG) festgeschriebenen Referenzgebäude ist: je niedriger die Zahl, also statt wie bisher 55 künftig wohl eher KfW 40, desto höher die Energieeffizienz und desto höher die Förderung durch die KfW. So benötigt das Effizienzhaus 55 lediglich 55 Prozent der Primärenergie im Vergleich zum GEG-Referenzhaus. Beim zweiten entscheidenden Kriterium für den energetischen Standard eines Wohngebäudes sei in diesem Fall laut KfW der Wärmeschutz um 30 Prozent besser.

Da Energieeffizienz bei Neubauten einen wichtigen Bestandteil der Energiewende darstellt, werde dieser Aspekt staatlich gefördert, heißt es bei der Förderbank des Bundes, was auch im neuesten Geschäftsbericht seinen Niederschlag gefunden hat. Jedenfalls standen sich im „außergewöhnlichen Förderjahr 2021“ nach Auskunft des Vorstandsvorsitzenden der KfW-Bankengruppe, Stefan Wintels, ein erfreulicherweise zu beobachtender Rückgang bei der Nachfrage nach Coronahilfen sowie eine starke Fördernachfrage in den Bereichen Klimawandel und Umwelt gegenüber. Bei einem gesamten Fördervolumen von 107 Milliarden Euro spielt die Wohnraumfinanzierung keine geringe Rolle. Bei über 82 Milliarden Euro in Deutschland entfielen auf diesen Sektor 34,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2020 waren es 26,8 Milliarden Euro, im Jahr zuvor 11,2 Milliarden Euro. Speziell für die im Juli 2021 neu eingeführte Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) weist der KfW-Bericht 5,5 Milliarden Euro aus, davon 2,8 Milliarden Euro an Krediten.

Bauen gilt als umweltrelevant

Dass „Bauen extrem umweltrelevant ist“, wurde auch im Rahmen des 30. Bayerischen Ingenieuretages betont, dessen Fazit ziemlich eindeutig formuliert wurde: Es gelte, Baumaterial im Stoffkreislauf zu halten und Bestandsbauten zu ertüchtigen. Dr. Lamia Messari-Becker, Professorin für Gebäudetechnologie und Bauphysik, bezeichnete diesen Aspekt als Gebot der Stunde. Deutschland müsse gerade in seiner Rolle als Ingenieurs- und Wissensnation Lösungen entwickeln, um Materialverbrauch von Umwelteffekten abzukoppeln.

Speziell mit Blick auf die Förderung für energieeffiziente Gebäude verwies der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau Prof. Dr. Norbert Gebbeken gegenüber der Wirtschaftszeitung darauf, dass es bei diesen Fördermaßnahmen schon immer „inhaltliche Schwachstellen“ gegeben habe. So seien die Anreize zum Teil falsch gesetzt worden, die immer weiter gestiegene Komplexität der Fördervoraussetzungen sei für eine breite Akzeptanz hinderlich. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau kritisiert insbesondere den Vertrauens- und Glaubhaftigkeitsverlust bei den Planenden, Bauausführenden und Bauherren. Dieser Aspekt sei so immens, dass man sich fragen müsse, wie dieser Schaden jemals wieder gut gemacht werden kann: „Es hätte keinen schlechteren Zeitpunkt geben können, die Förderprogramme ohne vorherige Ankündigung zu stoppen.“ Eigentlich, so Kammerpräsident Prof. Dr. Norbert Gebbeken, sollte es doch klar gewesen sein, dass man sich in Anlehnung an die klimapolitischen Ziele des Bundes über eine Anpassung der Architektur von KfW-Förderprogrammen kritisch auseinandersetzen sollte.

Prof. Lydia Haack, Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer, sprach von einer Torschlusspanik bei den wenig ambitionierten EH-55-Projekten, die keinesfalls dazu führen dürfe, dass ökologisch ehrgeizigere Planungen und Sanierungsmaßnahmen ins Hintertreffen geraten. Sie forderte die Bundesregierung und die KfW auf, hier dringend nachzubessern, um künftig Sanierungen vor Neubauten einen deutlichen Vorrang einzuräumen und so den gesamtgesellschaftlichen Anforderungen an die Klimawende gerecht zu werden.

Folgen des Förderstopps

Nach einer internen Berechnung des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, darauf verweist Martin Schneider vom Bayerischen Bauindustrieverband, dürften Bauprojekte, die bislang auf den Standard KfW 55 ausgerichtet waren und jetzt in der Hoffnung auf eine künftige Förderung des Standards KfW 40 umgeplant werden, um mindestens 10 Prozent teurer werden. Die Wohnungsbranche gehe mittlerweile davon aus, dass allein schon die Kaltmieten für 55-Gebäude, die jetzt ohne staatliche Unterstützung erstellt werden müssen, durch den Förderstopp rund 1,50 Euro je Quadratmeter teurer werden. Ohne eine ausreichende Förderung werde nach auf Auffassung von Martin Schneider weder das politische Ziel von 400.000 energieeffizienten Wohnungen im Jahr, noch bezahlbare Mieten für die 100.000 sozialgeförderten Wohnungen erreicht werden.

Zwar zeigt Prof. Dr. Ulrich Reuter, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, durchaus Verständnis dafür, dass eine neue Bundesregierung auch die Förderlandschaft umgestalten möchte. Doch der bereits verbindlich eröffnete Förderrahmen hätte nicht von heute auf morgen geschlossen werden dürfen: „Sonst hätte man es halten müssen wie bei der Abwrackprämie, bei der von Beginn an klar war, dass Auszahlungen nur erfolgen, solange der festgelegte Fördertopf nicht ausgeschöpft ist.“

Ein Drittel der Kredite für den Klimaschutz

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) setzt sich seit 1948 im Auftrag des Bundes und der Länder dafür ein, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Lebensbedingungen weltweit zu verbessern. Allein 2021 hat sie dafür ein Fördervolumen von 107 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Davon flossen 33 Prozent in Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz. Mit ihren Finanzierungs- und Förderleistungen handelt sie im Sinne der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und trägt weltweit zur Erreichung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) bei. Die KfW beschäftigt an ihrem Hauptsitz in Frankfurt am Main, in den beiden Niederlassungen in Berlin und Bonn und bei den Tochterunternehmen KfW Ipex-Bank, DEG und KfW Capital mehr als 7300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Weltweit ist sie an rund 80 Standorten vertreten.